
"Soll ich die Frage "Warum wollen Sie bei uns arbeiten?" im Anschreiben beantworten? Floskeln wie "tolles, hippes, modisches Unternehmen, das international tätig ist und seinen Mitarbeitern viel bietet" will ich vermeiden. Oder soll man seine Bewerbungsmotivation doch so ähnlich formulieren?" (B.H.)
Mädchen möchten hören, was sie attraktiv macht und Personaler wollen lesen, was an ihrer Organisation so speziell ist. Egal, was man da flötet, Mädchen und Personaler glauben davon kein Wort. Wozu also das Ganze? Nichts macht einen selbst unausstehlicher als Pro-forma-Komplimente.
Eröffnen Sie ein Gespräch mit einem dreisten Kompliment, einer treuherzigen Offenbarung, einem verführerischen Geständnis, aber starten Sie Ihr Anschreiben auch dann nicht mit so etwas, wenn Sie dem Duzpersonaler von IKEA Ihre besondere Affinität zu Leim, Lack und Pressspan gestehen wollen.
Die besondere Begründung, sich ausgerechnet bei dieser einen Organisation um diesen einen Posten zu bemühen, liegt entweder in Ihnen oder im Unternehmen. Kümmern Sie sich im Anschreiben einfach nur um den Sachverhalt, der Ihnen vertraut ist. Sprechen Sie von Ihrer besonderen Eignung.
Erst im letzten Teil des Anschreibens notieren Sie eine nennenswerte Motivation, sich bevorzugt bei diesem einen Unternehmen vertraglich zu binden. Die Betonung liegt dabei auf nennenswert. Ich hielt es bislang für ziemlich abgedreht, einfach Sätze aus der Company-PR zu wiederholen, aber je mehr Personaler man kennenlernt, desto mehr wächst der Verdacht, dass sie die Slogans aus der eigenen Propagandaabteilung tatsächlich glauben. Starke Argumente sind die üblichen Bewerber-Statements jedenfalls nicht:
"An Ihrer Firma reizen mich die vielfältigen und international erfolgreichen Produkte und Marken sowie die Erfahrung in den Hauptmärkten der Welt."
"Ihre Zeitung begegnet dem Leser auf Augenhöhe und lässt ihn an der Entstehung seiner täglichen Lektüre teilhaben."
"Ich bewerbe mich an Ihrem Haus, da mich neben dem Angebot einer strukturierten Ausbildung besonders dessen Forschungsstärke beeindruckt haben."
"Ich bin der Ansicht, dass ich genau die richtige Kombination aus Online- und Radioerfahrung für Deutschlandradio und Deutschlandfunk verkörpere."
Duplizieren Sie die Firmen-PR nur, wenn der Bewerbungsempfänger naiv (oder zynisch) ist. Hüten Sie sich vor Beteuerungen. Geben Sie nichts an, wenn Sie nur Allgemeinplätze zur Hand haben. Ihre Beweggründe schimmern oft schon in den ersten Abschnitten des Bewerbungsschreibens durch.
Sie dürfen Ihren Bewerbungsgrund auf keinen Fall überdeterminieren ("ich bin der Richtige"). Ein echter egoistischer Grund ("ich möchte meinem Partner nach Zürich folgen") schlägt alle unspezifischen Lobhudeleien.
Untermauern Sie Ihren Jobclaim dann mit einer Begründung, wenn Ihr Instinkt sagt, dass darin ein echtes Argument steckt:
"Ich möchte als Redakteurin bei der Schwäbischen Zeitung arbeiten, weil ich mich im Süden beheimatet fühle und mich viel mit der Region verbindet. Ich bin in Schwäbisch Gmünd aufgewachsen, habe eine Zeit lang in Esslingen gelebt und anschließend in Hohenlohe studiert."
Selbst die zickigsten Personaler laden Sie ein, wenn Sie augenscheinlich besonders attraktiv für das Unternehmen sind. Natürlich wird dann im Gespräch beklagt, dass Sie leider keinen auf das Zielunternehmen bezogenen, triftigen Bewerbungsgrund vorweisen. Und das ist dann der Moment, dem HR-Menschen tief in die Augen zu schauen und den Motivationstalk zu talken.
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Berlin, 7. Juli 2009
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
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