Moderator: Willkommen beim formyourself.de Experten-Chat mit Gerhard Winkler.
Gerhard Winkler: "For many people a job is more than an income – it's an important part of who we are. So a career transition of any sort is one of the most unsettling experiences you can face in your life." – Guten Abend! Jobs sind Teil unseres Lebens. Jobveränderungen ändern unsere Sicht auf das Leben und die Jobsuche kann uns zeitweise aus der Bahn werfen. Sprechen wir heute über all die Fragen, die sich uns stellen, wenn wir auf der Jobsuche sind!
Alexander: Guten Abend Herr Winkler!
Bewerberin_USA: Guten Tag
Gerhard Winkler: Hallo, liebe Bewerberin aus den USA!
Michael: Guten Abend!
Gerhard Winkler: Hallo, Michael! Starten Sie alle mit Ihren Fragen. Sie erscheinen im Chatfenster, sobald ich Ihren Beitrag beantworte.
Alexander: Wie genau müssen Initiativbewerbung auf eine Stelle im Unternehmen formuliert werden? Da es ja keine Stellenausschreibung gibt, weiß man ja auch nicht sicher, ob es eine solche Position im Unternehmen überhaupt gibt.
Gerhard Winkler: Dass man Sie im Unternehmen für genau das bezahlen wird, was Sie vorschlagen, ist eine Annahme. Wie alle geschäftlichen Vorschläge gründet sich Ihr Leistungsangebot auf Ihre Erfahrung, auf Ihre Einschätzung, auf Ihren Mut und auf Ihren Optimismus. Wenn Sie sich selber einstellen würden, dann wird auch jemand anderes Sie einstellen - vorausgesetzt, Sie können rechnen und überschätzen nicht Ihre Kompetenz und Eignung. Also: Mut zum Job-Vorschlag! Richten Sie Ihre Initiativbewerbung stets titelgenau auf eine Jobposition aus.
Alexander: Ist eine Formulierung wie: "wenn ich für die GmbH tätig werden darf - vorzugsweise im rechtlichen Bereich, jedoch auch gern auf einer kaufmännischen Position." zu schwammig? Ich bewerbe mich als Wirtschaftsjurist (Schnittstelle zwischen Recht/BWL).
Gerhard Winkler: Wenn Sie selbst nicht genau wissen, was Sie tun wollen, wozu soll man Sie dann einstellen? In der Liebe locken Sie mit vagen Versprechungen, in der Politik schrecken Sie mit unbestimmten Drohungen, im Geschäft reden Sie Klartext und gewinnen so einen Abnehmer Ihrer Leistung.
DrKildare: Was sollte eine Initiativbewerbung alles enthalten?
Gerhard Winkler: Joberfahrene: Anschreiben + Lebenslauf. Was dann vielleicht noch dazukommt, machen Sie davon abhängig, ob man es schnell erfassen und bewerten kann. Schicken Sie nie ein ganzes Dossier mit Nachweisen etc., außer, Sie sind Absolvent.
DrKildare: Was sollte eine Initiativbewerbung, die per Mail versendet wird, enthalten?
Gerhard Winkler: Die Mail ist das Anschreiben. Der Lebenslauf wird als PDF (oder Word-Dokument) angehängt. Mehr brauchen Sie (in den meisten Bewerbungsfällen) nicht. Außer, Sie sind akademischer Berufseinsteiger.
Alexander: Haben Sie einen Tipp dafür, wie man sich als Absolvent auf eine Stelle (initiativ) bewerben kann, wenn man noch keine Berufserfahrung hat und nicht weiß, ob man auf diese Stelle auch passt? Ich weiß leider nicht, auf welche Stelle ich mit meinem Profil passe.
Gerhard Winkler: Als Absolvent bestehen Sie aus Talent, aus Hoffnung und aus Erfahrung. Von Außen sieht man nur die Erfahrung und das Talent - aber nur, wenn Sie das auch klipp und klar kommunizieren. Also: Begründen, warum man für etwas taugt und dabei hoffen, dass man nebenbei auch sich selbst überzeugt! Im Ernst: Sie dürfen sich nichts daraus machen, ein weitgehend unbeschriebenes Blatt zu sein. Sie müssen dem Jobanbieter dazu bringen, dass er mit Ihnen dieses Blatt beschreibt.
Lasoleil: Genau, ich war auch Berufsanfängerin und habe mein Traumpraktikum und vor kurzem meine Traumfestanstellung bekommen. Meiner Meinung nach ist das Wichtigste, dass man die Stelle wirklich supergerne haben möchte. (Also als Berufsanfänger, später muss man natürlich etwas können.)
Gerhard Winkler: Glückwunsch, LeSoleil! Die Sonne am Jobhimmel scheint für jeden, nur nicht für alle am selben Tag.
Alexander: Wie sieht es bei Initiativbewerbungen aus, wenn man akademischer Berufseinsteiger ist und die Note im Studium nicht sonderlich berauschend sind. Kann man die Notenübersicht weglassen?
Gerhard Winkler: Nein. Stehen Sie zu allem, was Sie nicht verbergen können. Auch zu Ihren Noten.
Tina: Haha und als akademischer Einsteiger brauche ich dann was noch?
Gerhard Winkler: Als akademische Einsteigerin haben Sie jede Menge Dinge, die für Sie sprechen. Schauen Sie zurück und würdigen Sie Ihre bisherigen Leistungen!
Bewerberin_USA: Guten Tag! Ich bin momentan in den USA als Au-pair. Mitte Oktober komme ich wieder zurück und möchte natürlich möglichst bald (1.11.) wieder anfangen zu arbeiten. Die Bewerbung aus dem Ausland ist vor allem auch mit der Zeitverschiebung nicht ganz einfach. Soll ich nun mitten in der Nacht aufstehen, um in meinem gewünschten Betrieb morgens um 8 anrufen zu können (minus 6 Stunden Zeitverschiebung) oder darf ich mir erlauben, alles per E-Mail zu erledigen, auch wenn ich zum Anruf aufgefordert wurde? Oder kann ich dann auch mal probieren, abends um 18:30 Uhr anzurufen? Haben Sie eine Empfehlung für mich in dieser Situation? Vielen Dank für Ihre Hilfe!
Gerhard Winkler: Wenn Sie eine Telefonnummer haben, und sich mit vollem Einsatz vermarkten möchten, dann rufen Sie an! Hat man Sie sogar aufgefordert, dass Sie anrufen, dann tun Sie das! Sie können ja eine Mail vorschicken und einen Termin vorschlagen, der auch Ihnen ein wenig passt. Sind Sie in Washington?
Bewerberin_USA: In der Nähe von Boston.
Gerhard Winkler: Na, dann genießen Sie die Atmosphäre in Harvard und hören Sie noch viel National Public Radio. Für Sie gilt vermutlich: Der Frühaufsteher bekommt den Job. Also: auch einmal um 5 Uhr morgens aus dem Queen Size Bed hüpfen und nach Deutschland telefonieren!
Bewerberin_USA: Das Problem ist, dass ich hier morgens von 7:30 - 12:30 Uhr keine Pause habe, das entspricht 13:30 - 18:30 Uhr in Europa.
Gerhard Winkler: Mailen Sie das und fragen Sie, ob Sie einen Termin um 18.30 bekommen können. Wenn man das in Deutschland nicht geregelt kriegt, ist der Ausbilder bzw. Jobanbieter sowieso eine Pflaume. Ich möchte nicht für jemanden arbeiten, der sich um 18.30 schon in den Feierabend verabschiedet hat und nicht ans Telefon geht.
Michael: Wenn ich eine Bewerbung mit meinen Softskills versehe, wie kann ich es verhindern, Floskeln zu verwenden?
Gerhard Winkler: Lieber Michael, wenn Sie Ihre persönlichen Stärken im Anschreiben aufführen, mutieren die immer zu nichtssagenden Ersatzkäse-Wörtern. Ihre Sätze werden zu Floskeln und Ihre Argumentation bricht ein. Lassen Sie erst am Ende des Anschreibens Ihre Softskills von einem GLAUBWÜRDIGEN DRITTEN bestätigen.
Michael: Somit wären folgende Arten der Schreibweise wohl nur Floskeln: Durch meine hohe Leistungsbereitschaft sowie meine ausgeprägten analytischen Fähigkeiten, bin ich in der Lage, mich selbst unter hohem Druck, schnell in neue komplexe Aufgabenbereiche einzuarbeiten und dadurch Ihr Team zu verstärken.
Gerhard Winkler: Jesses, Michael. Dank meiner großen Kiemen sowie meinen ausgeprägten Oberarmmuskeln bin ich in der Lage, mich selbst unter Wasser schnell aufzuplustern und dadurch die kleinen Fische zu erschrecken. – Immer dann, wenn die Ersatzprobe eine Aussage sprengt, ist sie nichts wert. Und in meinem Satz red eich wenigstens von Dingen, die leicht verifizierbar sind. Alle Selbstaussagen treffen mehr oder weniger auf alle Bewerber zu.
Michael: Wie umschreibe ich meine Softskills, damit die Bestätigung am Ende des Anschreibens erfolgen kann?
Gerhard Winkler: In den ersten beiden Dritteln des Anschreibens NUR die Fakten sprechen lassen. Herr Jochen Meier, Leiter der 76 GmbH, bestätigt Ihnen gern meine Kompetenz im Dickbrettbohren, meine konzeptionelle Kreativität etc.
Zukunft: Guten Abend an alle! Ist es ratsam, immer eine Gehaltvorstellung anzugeben oder kann man sich auch auf das persönliche Gespräch beziehen? Für mich ist es z. B. schwierig, Angaben zu machen, da ich mich aktuell umorientiere und mein Gehalt von früher wohl nicht zu erreichen sein wird. Vielen Dank für die Antwort.
Gerhard Winkler: Wenn es zum Nachweis Ihrer Jobtauglichkeit gehört, einen realistischen Preis zu nennen, dann haben Sie das im Anschreiben zu leisten. Fühlen Sie sich selbst auf den Zahn: Wie viel Gehaltseinbuße können Sie verschmerzen? Nennen Sie die Summe - außer, Sie sind ein sehr begehrter Spezialist oder Sie gehören zum Upper Management.
jochen_76: Guten Abend Herr Winkler, was kann man tun, wenn auch berufliche Alternativen nicht zum Erfolg führen?
Gerhard Winkler: Gründe für das Scheitern sehr selbstkritisch notieren. Das Ganze von dritter Seite aus betrachten und würdigen lassen. Sich neu besinnen und neu aufstellen. Wir fallen, um wieder aufzustehen und jedes Mal bleiben wir etwas länger oben. Scheitern ist etwas, was man annehmen muss. Es ist auch eine Erfahrung, die wir mit allen anderen im Jobleben teilen.
franca: Bezug jochen_76: Manchmal gibt es Mitbewerber, die einfach noch besser das Jobprofil erfüllen und somit zum Unternehmen passen. Das ersetzt keine selbstkritische Reflexion.
Gerhard Winkler: Franca, da haben Sie absolut Recht.
jochen_76: Habe Ihre Arbeitsblätter gemacht, es ist Quali-Alarm angesagt, aber keiner zahlt Weiterbildungen und als Hartz-4-Empfänger kann ich es finanziell nicht zahlen, was tun?
Gerhard Winkler: Arbeiten Sie eine Weile umsonst. Bieten Sie an, 14 Tage unbezahlt zu arbeiten - gegen Mittagsmahlzeiten und ein Arbeitszeugnis. Locken Sie damit die Jobanbieter.
jochen_76: Was kann man tun, wenn der Arbeitgeber keine Arbeitszeugnisse ausstellen will und auf Drohung mit dem Arbeitsgericht sagt: mir egal, dann klagen Sie doch.
Gerhard Winkler: Klagen.
jochen_76: Das habe ich getan. 14 Tage umsonst Praktika gemacht oder gearbeitet und dann war Schluss. Ausgenutzt, billige Arbeitskraft und für ein Zeugnis muss ich jedes Mal mit Klagen drohen- das kann es ja auch nicht sein, was kann man tun?
Gerhard Winkler: Lieber Jochen, ehrlich gesagt würde ich erst einmal an den Baggersee fahren und mir ein langes Wochenende von Mittwoch bis Sonntag gönnen. Ich rate immer, dass man dran bleiben soll. Aber genau so wichtig ist es doch, dass man sich nicht vor lauter ständiger Jobsuche die Seele beschädigt.
jochen_76: Das stimmt - jedoch ist es einfach so, man will arbeiten und darf nicht, bekommt keine Chance. Alleine das Finanzielle ist eine Katastrophe.
Gerhard Winkler: Jochen, Sie müssen bald ein eigenes Geschäft gründen!
Cecilie: Guten Abend!
Gerhard Winkler: Hi, Cecilie! Woher chatten Sie? Aus dem Cecilienhof?
Cecilie: Guten Abend Herr Winkler! Ich wurde vom Chef erst sexuell belästigt und später aus der Firma gemobbt. Er wird von den Inhabern gedeckt, da er für die Firma die meisten Umsätze bringt. Ich hoffe trotzdem, dass mein Zeugnis OK sein wird, da es eine gerichtliche Vereinbarung gibt. Ich habe aber Bedenken bezüglich zukünftiger Vorstellungsgespräche. Was antworte ich bei der Frage „Wie war das Verhältnis zu Ihrem Vorgesetzten?“. Wie verhalte ich mich, wenn er über mich innerhalb der Branche Unwahrheiten verbreitet und ich darauf angesprochen werde?
Gerhard Winkler: Wenn er vor Zeugen redet, und Sie können ihn fangen und per Rechtsanwalt stoppen, tun Sie das. Ansonsten lassen Sie ihn reden. Viele Zeitgenossen reden ständig schlecht von anderen. Viele hören diesen Verleumdern zu. Die Welt ist dennoch nicht in der Hand des Bösen. Übles Geschwätz ist die stumpfe Waffe der Ohnmächtigen. Schlagen Sie den Idioten auf die Griffel, wenn Sie das Instrument haben, ansonsten kümmern Sie sich nicht darum. Jetzt ist Ihr Job: Jobfindung. Dazu blenden Sie die unangenehmen Vorfälle aus. Konzentrieren Sie sich darauf, eine neue Arbeit zu finden. Sorgen Sie aber auch für ein absolut positives Arbeitszeugnis.
Cecilie: Danke ! Und im Gespräch sage ich, wir hatten ein gutes Verhältnis?
Gerhard Winkler: Es gilt die Regel, dass Sie niemals jemanden schlecht reden - weder sich noch andere. Die Erfahrung zeigt, dass man vertrauenswürdiger erscheint, wenn man sich nicht beklagt, sich nicht beschwert, nichts Negatives vermeldet, wenn es um ehemalige Lern- und Arbeitsstätten geht.
Michael: Nach meinem Studium bin ich bei einer Unternehmensberatung gelandet. Die Möglichkeiten zur effektiven und effizienten Mitarbeit waren eher mau, da ich direkt an den Betriebsort des Kunden gezogen bin. Persönliche und fachliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten gab es außer dem täglichen Geschäft keine. Somit war meine Beschäftigung mit Einfluss der Wirtschaftskrise zum Ende der Probezeit vorbei. Ich denke nicht, dass mein Chef mir dementsprechend eine wohlwollende Referenz geben würde.
Gerhard Winkler: Dennoch angeben und den Ex-Vorgesetzten versuchen einzuschwören. Die meisten sind so menschlich, dass sie einem jungen Jobsuchenden nicht die Chancen verderben wollen.
Dominik: Guten Abend, Herr Winkler.
Gerhard Winkler: Hi, Dominik.
Jens: Hallo Herr Winkler, ich habe im Mai 2008 mein Studium zum Wirtschaftsingenieur erfolgreich beendet. Im Juli 2008 begann ich bei den Archäologen zu arbeiten. Diese Tätigkeit übe ich bis heute aus. Bewerben möchte ich mich jetzt auf eine Stelle, die meiner Universitätsausbildung entspricht. Wie kann ich diese Tätigkeit im Anschreiben verankern und als Argument verwenden, wenn deren Arbeitsinhalte nichts mit der angestrebten Position (Bsp. Manager Marketing) gemeinsam haben? Für den Manager im Marketing spricht lediglich meine Ausbildung zum Wirtschaftsingenieur. Vielen Dank!
Gerhard Winkler: Spontan möchte ich zurückfragen: Wieso Manager im Marketing, wenn Sie so was Tolles wie Wirtschaftsingenieur studiert haben? Ich würde mich erst einmal drauf konzentrieren, im Lebenslauf alles getreulich zu vermerken - insbesondere Ihre Aufgaben, Zuständigkeiten, Erfolge im Job bei den Grabräubern in Theben.
Jens: Der Manager im Marketing war nur als Beispiel gedacht. Kann ich bezüglich der Archäologie im Anschreiben "voll ausholen"? In meinem Anschreiben halte ich mich an Ihre Grün-Gelb-Rot-Formel. Kann ich diese Tätigkeit am Anfang anführen, auch wenn kein Zusammenhang mit der künftigen Position besteht?
Gerhard Winkler: Muss man abwägen. Aktuelle Joberfahrung ist meist ein gutes Argument, aber vielleicht haben Sie schlagkräftigere, wenn Sie in den letzten Monaten fachfremd gejobbt haben. Dann kommt es vielleicht sogar an das Ende des Jobbeschreibungsteils.
Zukunft: Gemäß Buchhandlung werden Ihre Bücher aktualisiert. Gibt es gravierende Neuigkeiten bzw. Änderungen?
Gerhard Winkler: Ich habe keine grundlegend neuen Erkenntnisse zur Selbstvermarktung.
Tina: Hallo in die Runde aus Stuttgart. Wie erfrage ich gut und gekonnt bzw. wie telefoniere vor einer Bewerbung? Mir fällt nur ein: Ist Stelle XYZ noch vakant? Außer Ich bin Dipl.-Biologin fällt mir nix ein.
Gerhard Winkler: Hallo, Tina! Notieren Sie 2, 3, 4 Hauptargumente und tragen Sie die vor: "Hallo, ich heiße Gerhard Winkler und erreiche als Bewerbungshelfer monatlich 100T Besucher. Mit meinen Optimierungen erziele ich eine Erfolgsquote von … Klingt das für Sie interessant" – Stellen Sie sich nicht einfach nur vor. Machen Sie sich attraktiv.
Tina: Wie mache ich mich attraktiv mit joblos?
Gerhard Winkler: Joblosigkeit ist eine transitorische Phase - solche Übergangsphasen teilen Sie mit dem Rest der Menschheit, so wie Sie Schnupfen teilen.
Dryade: Guten Abend Herr Winkler! Ich hatte heute ein Bewerbungsgespräch und habe nicht alle Gelegenheiten, die sich mit boten, genutzt, um Fragen zu stellen. Das ärgert mich jetzt sehr! Kann ich in der E-Mail, die ich morgen schreiben möchte, davon noch etwas nachholen?
Gerhard Winkler: Ja klar. Echte Fragen, die noch unbeantwortet geblieben sind: Was für eine prima Möglichkeit, mit dem Rekrutierer im Nachhinein im Gespräch zu bleiben!
Tina: Welche Fragen habe ich denn wirklich im Gespräch? Mir fällt da auch nie was ein!
Gerhard Winkler: Gute Frage! Ich stelle ein paar Fragen "Zu guter Letzt" zusammen und veröffentliche sie in meinem Blog!
Dryade: Ich habe zum Beispiel vergessen, mich genauer nach dem Menschen zu erkundigen, der als Leiter des Projekts, in dem meine Stelle angesiedelt ist, berufen wurde. Sehr peinlich! Kann ich nachfragen? Muss ich meine Schusseligkeit begründen, zum Beispiel damit, dass es das erste Gespräch meiner Bewerbungsphase war und ich mich erst wieder einfinden muss? Bin dankbar für Tipps!
Gerhard Winkler: In der Dankmail würde ich danach fragen, ohne mich dafür zu entschuldigen. Sie haben keinen Fauxpas und keine Sünde begangen.
franca: Guten Abend
Gerhard Winkler: Hi, Franca!
franca: Ich habe ein Jobinterview und das Gefühl, mich in der Vorbereitung zu verzetteln. Wie läuft ein Rehearsal ab?
Gerhard Winkler: Minimalvorbereitung Jobinterview: 1- Den eigenen Lebenslauf nehmen und daraus so viele kritische Fragen wie möglich ableiten. 2. Den eigenen Werdegang als eine echte Story aufbereiten. 3. Sich auf die Standardfragen vorbereiten. 4. Sich über das Unternehmen sachkundig machen. 5. Eine präzise Vorstellung von dem parat halten, was man im Job tatsächlicht tun und leisten will.
Jane_Doe: Guten Abend allerseits! Ich habe leider deutlich länger als die Regelstudienzeit für mein Studium gebraucht. Dafür gibt es verschiedene Ursachen, ich möchte es aber vermeiden, mich in meiner Bewerbung zu rechtfertigen. Allerdings will ich auch vermeiden, nur wegen zu vieler Semester aussortiert zu werden. Ich war unter anderem ehrenamtlich tätig, habe geheiratet und überwiegend meine beiden Stiefkinder betreut, habe meinen Studienschwerpunkt gewechselt und war leider auch längere Zeit krank (was ich aber nicht unbedingt erwähnen möchte). Wie stelle ich das im Lebenslauf am günstigsten dar?
Gerhard Winkler: Einige der Aktivitäten kann man in den Lebenslauf aufnehmen: Ehrenamtliches Engagement, Kinderbetreuung. Vielleicht sogar die Krankheit plus Genesung.
tania: Guten Abend Herr Winkler, ich habe mich jetzt schon weit über 100 x beworben und nur zwei Vorstellungsgespräche gehabt, obwohl ich gute Zeugnisse und eine entsprechende Bewerbungspräsentation von Ihnen optimiert habe. Ich weiß, die Konkurrenz in den Medien ist groß. Ich sehe für mich häufig das Frauenproblem: sie kann noch Kinder kriegen. In der letzten Absage vom Freitag hieß es: spannendes Bewerbungsgespräch, Sie waren sehr motiviert und qualifiziert, wir haben uns für einen noch erfahreneren Bewerber entschieden. Dann denke ich immer: die haben wohl einen alten Mann eingestellt? (Nichts gegen alte Männer - bitte nicht falsch verstehen.) Wie kann ich vermeiden, dass ich immer in diese Schublade komme? Oder ist es einfach noch immer so, dass dieses Frauenargument (gerade für Aufstiegspositionen) noch gängig ist? Danke für Ihr Feedback!
Gerhard Winkler: Was ich heraushöre: Sie sind gut. Sie vermarkten sich engagiert und kompetent. Wenn man Sie dennoch nicht nimmt, dann laufen wir doch mal um das Gebäude herum und schauen, ob es nicht noch weitere Eingänge gibt.
Dominik: ich plane einen längeren Auslandsaufenthalt; wie verpacke ich den im Lebenslauf?
Gerhard Winkler: Bildungsreise - oder aber Sie jobben im Ausland; dann ist es BERUFLICHE ERFAHRUNG.
Torsten: Guten Abend Herr Winkler! Zunächst vielen Dank für Ihren wirklich schnellen Kurzcheck meiner Unterlagen. Sind denn noch Plätze frei für Ihr Seminar am 29.08.09?
Gerhard Winkler: Ja, es sind noch Plätze frei. Unterlagen-Check, 20-Seiten-Hand-out, Zugang zu Online-Lernmaterial plus 6 volle Stunden in einer kleineren Gruppe: so günstig und so effektiv kriegt man sonst kaum den Karriere-Kick. Sorry, das ist massives Eigenlob, aber auf meine Workshops bin ich echt stolz!
Bommel: Guten Abend, Herr Winkler. Ich habe zwischen meiner Ausbildung zum Industriekaufmann und meinem nun abgeschlossenen Wirtschaftsstudium (Schwerpunkte Marketing, Statistik, Logistik) knapp 1,5 Jahre in meinem Ausbildungsbetrieb in der EDV gearbeitet. Während des Studiums habe ich diese Arbeit als studentische Hilfskraft weitergeführt und bin auch dort noch weiterhin tätig. Nun bin ich auf der Suche nach einer Traineestelle im Bereich Marketing. Zwei Fragen dazu: Wie baue ich diese praktische Erfahrung sinnvoll in meine doch eher anderweitig orientierte Traineestelle ein? Die zweite Frage: ist es sinnvoll nun im Nachhinein ein Praktikum in einer Werbeagentur zu absolvieren, da ich bisher nur Absagen erhalten habe und denke, dass es an der fehlenden fachbezogenen Praxiserfahrung liegt.
Gerhard Winkler: Klar, wenn Sie nur Absagen erhalten haben, dann rufen Sie alle Organisationen noch mal an und schlagen Sie ein Praktikum vor. Zeigen Sie Biss!
Jens: Kann ich Sie telefonisch oder per Mail erreichen? Ich habe noch 2 bis 3 Fragen an Sie.
Gerhard Winkler: Möglichst per Mail. Ich antworte bestimmt!
Bewerberin_USA: Vielen Dank für ihre Onlineplattform jova-nova.com, und das Onlinebuch Anders bewerben, ich bin jetzt selber von mir überzeugt, und denke, ich schaffe das auch bei andern ;)
Gerhard Winkler: Danke für die Blumen! Für Sie und alle Mit-Chatter: Viel Glück und viel Erfolg
Gerhard Winkler: Schönen Abend! Falls Ihre bevorzugte Eisdiele um die Ecke noch auf hat: Genießen Sie den Sommerabend bei einer gepflegten Kugel Dolce Latte! Bonne nuit! Good night. Tschau!
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
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