Gerhard Winkler: Liebe Erstbewerber, Schnellbewerber, Kurzbewerber, Ausdauerbewerber, Glücksbewerber: schön, dass Sie heute Abend online sind! Ich freue mich wie an jedem ersten Dienstag im Monat über Ihre Fragen, Infos, Ansichten und Berichte! Falls Ihre Texteingabe nicht im Fenster erscheint: Ich arbeite mich mit meinen Antworten nach und nach zu Ihnen - Ihr Text wird sichtbar, sobald ich meinen Kommentar abschicke.
Bereits vorab eine Anfrage zur Seitenzahl im Lebenslauf:
"Gibt es unterschiedliche Regeln, für Absolventen und Berufserfahrene? Sollte ein Absolvent nicht versuchen, seine Angaben auf 1 Seite zu verdichten?" - Gehen Sie so vor: die Lebenslaufdaten penibel auswählen, arrangieren, jedes Wort prüfen und - falls nicht zweckdienlich und erhellend – ohne Bedauern streichen: Falls man sich diesem strengen Informationsdienst unterzieht, kommt man am Ende auf eins bis drei Seiten. Mehr als drei wirklich nur dann, wenn man viele, viele gute Projekte und Erfolge zu verzeichnen hat. Mehr als eine Seite wirklich sehr schnell, wenn man als Studi gejobbt hat, sich vielleicht ehrenamtlich engagiert und eins, zwei Weiterbildungen absolviert hat. Es ist doch klar, wer seinen Lebenslauf mutwillig amputiert, der sabotiert seine eigene Zielsetzung. Wer andererseits ausschweift, zu viel Unwesentliches von sich gibt, der versteht zumindest nichts von Informationsaufbereitung.
Per Mail erreicht mich eine andere Frage: "Mir fehlen auf Ihrer Seite Bewerbungstipps für junge Mütter, die, wie in meinem Fall, auch noch als frische Uniabgänger den Berufseinstieg wagen. Sollte man diese Tatsache Ihrer Erfahrung nach im Anschreiben/Lebenslauf erwähnen? Wie verpackt man das Ganze dann geschickt?" - Notieren Sie bitte Anzahl und Alter Ihrer Kinder immer im Lebenslauf. Notieren Sie im Anschreiben auch zeitliche und sonstige Einschränkungen. Das Jobinterview ist nicht der richtige Ort, um auf einmal neue Konditionen einzubringen. Sie erreichen nur, dass sich der Jobanbieter düpiert fühlt. Falls es Ihre Position stärkt, geben Sie doch auch explizit an, dass für die Kinderbetreuung gesorgt ist. Rufen Sie als junge Mutter ausnahmslos an, bevor Sie dem Jobanbieter Ihre Unterlagen einreichen. Bauen Sie im Gespräch Ihre Position zuerst so stark und groß wie möglich auf. Machen Sie Ihr Leistungsangebot - dann erst sprechen Sie an, dass Sie allein oder gemeinsam ein Kind erziehen. Klären Sie mögliche Einwände ab, räumen Sie Vorbehalte aus dem Weg, bevor man Ihre Unterlagen zurückschickt!
zahlenrodeo: Mir wurde als Berufseinsteigerin in der Probezeit gekündigt. Mein Zeugnis entspricht auch noch nicht meinen Erwartungen. Welche Tipps haben Sie bei solchen Kündigungen für das Anschreiben, den Lebenslauf. Wie verpacke ich das Ganze im Vorstellungsgespräch?
Gerhard Winkler: Lieber Zahlenrodeo: Zur Zeit wird heftig in der Probezeit gekündigt - auch und gerade Absolventen. Nicht verzagen! Strikt auf ein gutes, wohlwollendes Arbeitszeugnis bestehen! Im Anschreiben erst am Ende, bei der Angabe der Bewerbungsmotivation schreiben, warum man sich jetzt neu positioniert, neu orientiert, in einen anderen Bereich wechseln möchte.
zahlenrodeo: Hallo zusammen. Dass viele betroffen sind, macht die Sache nicht leichter. 1. Die meisten meiner Bewerbungen sind initiativ. Für meinen Bereich gibt es kaum Angebote. Wie können Sie meine Bewerbung optimieren? 2. Es fehlt für mich ohne berufliche Praxis die Möglichkeit, mich in der Zeit bis zur Neueinstellung gezielt weiterzubilden. Was kann ich trotzdem tun, um die Lücke im Lebenslauf sinnvoll zu füllen? Schon jetzt vielen Dank für Ihre Antworten.
Gerhard Winkler: Haben Sie guten Grund zur Annahme, dass Organisationen Ihre Leistungen brauchen? Dann los! Unverdrossen anbieten! Wenn doch keiner Sie beschäftigt, dann beschäftigen Sie sich selbst: Nebenjob, freiberufliche Tätigkeit, ehrenamtliches Engagement … oder Sie buchen Weiterbildungen, die Sie zu einem beruflichen Umstieg führen.
Berti: Hallo Herr Winkler, guten Abend nach Berlin. Hier ist wieder Berti aus Heidenheim bei Ulm. Ich brauche nochmals Ihre Hilfe. Ich hatte heute ein Vorstellungsgespräch, wo alles andere als nach Plan gelaufen ist. Die Stelle war ausgeschrieben als „Strategischer Einkäufer“. Wie es sich im Laufe des Gespräches herausstellte, sucht die Firma gar keinen Strategen, sondern einen operativen Einkäufer. Bis mir das klar wurde, verging einige Zeit. Zudem war schon nach etwa 45 Minuten das Gespräch auch bereits wieder zu Ende, und ich habe kein wirklich gutes Gefühl über den Ablauf. Jetzt meine Frage: Ich möchte heute noch die Mail an die beiden Herrschaften schreiben – macht es dabei einen Unterschied, was man schreibt, wenn das Gespräch gut oder schlecht gelaufen ist? Ist dann die Wortwahl eine andere? Bisher habe ich wie folgt geschrieben: „Sehr geehrte Herren, vielen Dank für das informative und ausführliche Gespräch von gestern. Sie haben mir einen sehr dynamischen Eindruck eines erfolgreichen und innovativen Unternehmens vermittelt. Ich freue mich auf eine Zusammenarbeit mit und in Ihrem Unternehmen.“ Freundliche Grüße nach Berlin.
Gerhard Winkler: Hi, Berti! Vielleicht haben Sie ja nach 45 oder schon nach 5 oder 15 Minuten überzeugt! Das Gespräch in seinem Verlauf zu analysieren lohnt sich bestimmt, gerade in Hinblick darauf, dass Sie wohl anfangs aneinander vorbeigeredet haben. Allerdings halte ich Ihre Dankmail für zu unspezifisch. Gerade wenn Sie annehmen, dass Sie in die falsche Richtung argumentiert haben, müssten Sie doch noch einige Pfeile im Köcher haben. Nutzen Sie die Dankmail, um Ihre spezifische Eignung für das operative Geschäft zu vermitteln!
John: Herr Winkler, ich kontaktierte Sie kürzlich wegen meinem Arbeitszeugnis. Hatten Sie schon Gelegenheit, einen Blick auf meine Angelegenheit zu werfen? Vielen Dank.
Gerhard Winkler: Schicken Sie mir bitte parallel zum Chat eine Mail: gwinkler@jova-nova.com. Ich schaue dann nach.
John: Vielen Dank. Die Mail ist auf dem Weg zu Ihnen.
Gerhard Winkler: OK. Ist schon eingegangen. ich antworte morgen!
Jens: Ich lebe und arbeite zur Zeit in Mexiko und bewerbe mich von hier aus auf Stellen in Deutschland. Inwiefern bevorzugen Firmen Bewerber aus Deutschland?
Gerhard Winkler: Hallo, Mexiko! Es gibt ganze Bücher darüber, warum Organisationen anscheinend Mitarbeiter präferieren, die im Lande geblieben sind. Das zu problematisieren ist aber nicht Ihr Problem. Legen Sie dar, was Sie in Deutschland nach Ihrer Rückkehr Segensreiches in einer Organisation bewirken können. Bieten Sie an, anlässlich einer sowieso geplanten Deutschlandreise vorbeischauen zu können.
Stefan: Schönen guten Abend Herr Winkler. Ich habe eine Frage anderer Art und zwar: Sind meine Unterlagen bei Ihnen angekommen, die ich per Post geschickt habe. Ich wollte die Optimierung 1 in Anspruch nehmen.
Gerhard Winkler: Die Unterlagen sind da, ich muss sie nur noch diese Woche an meine Mitarbeiterin übergeben.
Cecillia: Guten Abend Herr Winkler, ich brauche bitte Ihren Rat. Ich habe 3 Berufe gelernt und kriege zur Zeit aus gesundheitlichen Gründen eine Erwerbsminderungsrente. Ich bin 32 Jahre und möchte mich aus dieser Rente heraus um einen Ausbildungsplatz als Beamtin im mittleren Zolldienst bewerben. 1. Wie kann ich mich am besten aus dieser Situation hinaus bewerben? 2. Wie kann ich es mit einbauen, dass aus dem Anschreiben ersichtlich wird, weshalb ich nicht in meinen alten Berufen arbeiten kann? 3. Welche Zeugnisse sollte ich sinnvoller Weise nun mit beischicken? Vielen Dank Herr Winkler.
Gerhard Winkler: 1. Zuerst angeben, was einen für die Ausbildung besonders befähigt. 2. Das Wissen und Können, erreichte Ausbildungen und Qualifikationen notieren. Erst dann auf die Behinderung o. ä. eingehen. Sie erklären im Anschreiben nicht Ihre biographischen Umstände, sondern Ihre Ausbildungseignung!
Stefan: Ich habe letzten Herbst meinen Job gekündigt und zwar im Wesentlichen aus drei Gründen: 1. Ich wollte auf Weltreise gehen. 2. Ich war des Wochenpendelns (170 km) überdrüssig. 3. In meiner Abteilung hat im letzten Jahr teilweise ein ziemliches Chaos geherrscht, das das Arbeiten oft sehr frustrierend gemacht hat. Was soll ich nun bei Bewerbungen als Austrittsgrund angeben? Punkt 3 kann ich ja schlecht ins Treffen führen, das klingt wohl zu sehr nach Firma-Schlechtmachen. Bei Punkt 1 könnte ich Ängste schüren, dass ich bald wieder auf große Reise gehe. Also einfach nur Punkt 2 erwähnen?!?
Gerhard Winkler: Ich weiß gar nicht, ob man das im Anschreiben erklären muss. Thematisieren Sie keine Brüche in der Job- und Ausbildungskontinuität, wenn es um Ihre Profilbildung geht. Nur das Gespräch ist ein guter Ort, um Dinge zu erklären.
Marianne: Guten Abend Herr Winkler, ich möchte mich wenn möglich von Österreich aus in Deutschland bewerben. Wie stehen meine Chancen?
Gerhard Winkler: Viele Leute wären froh, sie könnten sich aus Deutschland heraus verändern. Ihre Relokation ins Land der Schulden und Schildbürger sollte doch - von der Tristesse auf dem Jobmarkt Deutschland abgesehen - ohne Probleme ablaufen.
chlio: Guten Abend, Herr Winkler Ich chatte zum ersten Mal, noch keine Erfahrung. Ich werde zunächst nur beobachten und alles lesen/verfolgen, einverstanden? Danke.
Gerhard Winkler: Stille Mitlesende sind ausdrücklich erwünscht!
Marianne: Welche seriöse Zeitarbeitsfirma ist im Raum Darmstadt/Frankfurt tätig? Ich möchte mich zu Beratung, Mediation, Konfliktlösung im juristischen Nahbereich, Schlichtungsverfahren etc. bewerben. Gibt es da Spezialisten?
Gerhard Winkler: Liebe Marianne: Gehen Sie persönlich zu allen Zeitarbeitsfirmen. Sie sind doch eine Leistungsanbieterin. Dann schauen Sie in aller Ruhe, wie man auf Ihr Angebot eingeht, was man Ihnen bietet, ob man Ihr Angebot würdigt und schätzt. Fahren Sie hin. Klopfen Sie an. Prüfen Sie kritisch, an wen Sie sich binden.
mc: Hallo Herr Winkler, sollte man Nebenjobs im Lebenslauf anführen. Bisher habe ich nur die Tätigkeiten als wissenschaftliche Hilfskraft während meines Studiums mit aufgeführt. Inzwischen suche ich seit drei Monaten nach einer Arbeit und habe nebenbei gejobbt. Sollte ich das im Lebenslauf dazuschreiben?
Gerhard Winkler: Lieber MC: In Ihrer Lage werten alle Studijobs und auch ein aktueller Mini- oder Aushilfsjob Ihren Lebenslauf massiv auf. Im Tagesspiegel (Berlin) erscheint demnächst ein Text zum Thema Lebenslauf, zu dem ich beisteuere. Auch dort wird sicher stehen: Absolventen und alle Berufsneulinge werten Ihr Profil am besten durch Joberfahrung auf. Egal welche!
chlio: Zum angekündigten Artikel im Tagesspiegel: wann ungefähr erscheint er und wäre es möglich, diesen Text entweder per Link oder als Zitat auf Ihrer Internetseite jova-nova.com auch zu veröffentlichen?
Gerhard Winkler: Auf den Artikel im Tagesspiegel werde ich in meinem Blog hinweisen!
matteo: Hall Herr Winkler. Vielen Dank für dieses erkenntnisreiche Chatangebot! Eine Frage aus der Vogelperspektive: Mir ist eine sinnvolle, nachhaltige Beschäftigung in der Wirtschaft wichtig. Allerdings, wenn überhaupt, werden diese als Praktika für Absolventen angeboten. Meine Meinung ist aber, dass ich die Mentalität der Unternehmen, ausgebildete Menschen als billiges Frischfleisch und so eine Generation Praktikum heranzuzüchten, nicht unterstützen will. Also lieber weiter eine Stelle finden oder mich von der Meinung verabschieden und doch ein Praktikum annehmen?
Gerhard Winkler: Lieber Matteo, wenn Jobanbieter am längeren Hebel sitzen, nutzen sie das ohne Mitleid oder Respekt vor Spielregeln aus. Sie sind momentan der Schwächere. Los, ins Praktikum! Die Alternative: Sie sprechen gezielt kleinere Unternehmen an. Dort haben Sie zumindest größere Chancen, für das wenige Geld echte Lernerfahrungen zu sammeln.
mc: Ich habe nach meinem Abschluss ebenfalls erst einmal ein Praktikum gemacht. Auf ein weiteres will ich mich derzeit aber nicht einlassen, denn ich denke, es bringt nichts, ein Praktikum ans nächste zu reihen.
Gerhard Winkler: Die Antwort ist hart: Vermeiden Sie ein zweites Praktikum, aber schlagen sie zu, wenn Sie erst einmal nichts anderes kriegen. Nichts ist leichter, als sich aus einem laufenden Praktikum heraus zu bewerben. Ein Praktikum ist ein Sprungbrett, kein Praktikum bedeutet Wartesaal. Und Kurzzeitjobs sind besser als all die Zeit ohne Jobs.
simone: Hallo Herr Winkler! Ende letzten Jahres endete mein Arbeitsvertrag aufgrund einer Befristung. Kurz darauf habe ich eine neue Stelle angetreten, leider ist dies nur eine Teilzeitstelle. Ich möchte allerdings gerne Vollzeit arbeiten und bewerbe mich daher zur Zeit weiter. Muss ich die Teilzeitstelle als solche in der Bewerbung kenntlich machen und begründen, wieso ich nicht Vollzeit arbeite? Wie macht man das am besten?
Gerhard Winkler: Dass Sie sich aus einer Teilzeit-Stelle heraus wieder in das Joch der Vollzeit-Arbeit einspannen lassen wollen, ist doch ein prima Argument! Führen Sie das an.
simone: Lieber Herr Winkler, wie begründe ich eine Teilzeitstelle in meiner Bewerbung? Aufgrund der wirtschaftlichen Lage? Oder muss ich das überhaupt?
Gerhard Winkler: Sie brauchen das im Anschreiben nur anzugeben, wenn Sie daraus ein Pro-Argument ableiten können: TZ = Unzufriedenheit. VZ = Jobglück. Ich bin unausgelastet und bewerbe mich deshalb …
andi73: Guten Abend Herr Winkler.
Gerhard Winkler: Hi Andi73. 73 war ein gutes Jahr in der Geschichte der Popmusik.
Stefan: Und wo (unter welcher Überschrift) kommt eine längere Reise am besten im Lebenslauf unter? Ich möchte eigentlich vermeiden, eine eigene Rubrik dafür zu schaffen. Weglassen geht aber auch nicht, da es ja sonst so aussieht, als hätte ich die letzten Monate nichts gemacht.
Gerhard Winkler: Ich rubriziere das unter WEITERBILDUNG.
morgen: Guten Abend Herr Winkler. Meine Frage bezieht sich eher auf die Situation in der Journalismus-Branche als auf meine Bewerbungsunterlagen. Ich bewerbe mich zurzeit auf Stellen als Jungredakteurin, Assistentin etc. Allerdings erhalte ich nur Absagen, nicht einmal Einladungen zum Vorstellungsgespräch. Ich habe zwar kein Volontariat abgeschlossen, habe jedoch Praktika und langjährige Werkstudententätigkeiten in dem Bereich nachzuweisen. Meinen Sie, ich soll die Hoffnung aufgeben und mich nur noch auf Volontariate bewerben? Vielen Dank für Ihre Antwort und beste Grüße aus München.
Gerhard Winkler: 1. Nicht aufgeben. Weiterbewerben. 2. Bewerbungen zugleich auf Volontariate, Praktika etc. ausweiten. 3. Bewerbungsaktivitäten ebenso auf angrenzende Gebiete wie PR, Unternehmenskommunikation etc. ausweiten. Und fleißig Aufträge akquirieren. Journalismus ist der Teil des aktuellen Jobmarkts, wo Begabte langsam verhungern. Lesen Sie zur Abhärtung Les Illusions perdues.
MZ: Hallo Herr Winkler, wie stehen Sie zu einer Bewerbung über E-Mail in der IT-Branche. Macht es Sinn, seinen Lebenslauf (Firmenauflistung und wichtige Projekte) sowie Dienstzeugnisse der letzten 2 Firmen mit einem Bewerbungsschreiben zu senden?
Gerhard Winkler: Sie können gar nicht anders, als sich per Mail oder Online-Formular bewerben. Eine Projektliste ist das Must-have für ITler. Referenzen sind das Sahnehäubchen. Dienstzeugnisse der letzten Jobs sind immer unumgänglich. Alles in ein PDF packen und ab damit!
Jens: Erwähne ich ein abgebrochenes Studium am Anfang meiner Laufbahn im Lebenslauf (3 Jahre)? Ich habe später ein anderes Studium erfolgreich abgeschlossen, das ich selbstverständlich erwähne.
Gerhard Winkler: Jens, Sie dürfen keine Lücke > 1, 2 Monate im Lebenslauf haben.
Cecillia: Danke Herr Winkler! In welcher Reihenfolge sollte ich am besten das Anschreiben gestalten?? Und welche Zeugnisse sollte ich mit beilegen?? Herr Winkler, ich komme auch aus Berlin, gibt es auch die Möglichkeit, dass man mit Ihnen persönlich einen Termin vereinbaren kann?? Danke.
Gerhard Winkler: Tipps zum Anschreiben und zu der (notwendigen!) Aufwertung der Unterlagen durch Nachweise und Zeugnisse finden Sie auf jova-nova.com. Man kann mich buchen. Infos ebenfalls auf meiner Site.
Markus: Servus an alle, servus Herr Winkler. Sie hatten meiner Bewerbungsmappe den letzten Schliff gegeben. Ich muss schon sagen, dass die Kombination aus den üblichen Mindeststandards und Ihrem Feintuning auch mich als Chef überzeugt hätte. Fakt ist jedenfalls, dass die ersten zwei Bewerbungen gleich zu Einstellungen geführt haben; mit gewünschtem Gehalt. Als Steuerfachangestellter ist das aber auch nicht so schwer. Herr Winkler, was halten Sie eigentlich von dem Anti-Bewerbungsblog? Außerdem hätte ich noch eine Frage in eigener Angelegenheit: Wie oben geschrieben bin ich zufrieden wieder in Arbeit, jedoch habe ich noch bis 30 die Möglichkeit des Bafög-finanzierten Studiums. Wie sehen Sie dieses Vorhaben in meinem Lebenslauf im Vergleich mit dem Alter des Studienbeginns?
Gerhard Winkler: Bei der Frage JETZT NOCH EIN STUDIUM hilft nur eins: Für drei Stunden im Wald verschwinden und sich fragen, ob man es wirklich braucht, ob man es durchhält und ob man mit dem Abschluss dann auch wirklich die Dame seines Herzens erobert. Vielleicht ist sie ja ganz froh, wenn man jetzt schon zum Familieneinkommen beitragen kann. Andererseits macht man sich vielleicht kreuzunglücklich, wenn man seinen intellektuellen Anspruch nicht lebt. Ein akademischer Abschluss führt zwar zu den Platinum-Jobs, aber um diese konkurrieren Sie als Dreißigplus-Absolvent mit rotwangigen Twens.
simone: Eine weitere Frage: Ich habe ein Arbeitszeugnis bekommen, das leider überhaupt nicht meinen Erwartungen entspricht. Habe ich ein Recht auf Änderung des Zeugnisses? Welche Begründung bringt man da am besten an?
Gerhard Winkler: Ja, Sie haben ein Recht darauf, dass alle Fakten aufgenommen und wohlwollend bewertet werden. Änderungswünsche notieren und dem Arbeitgeber eine Frist setzen. Verfällt die, nachhaken oder gleich einen Arbeitsrechtler voranschicken.
Anne: Bin 54 Jahre, wie schreibe ich mein Anschreiben, bin über Quali-Maßnahmen wieder fit gemacht.
Gerhard Winkler: Liebe Anne, bitte mailen Sie mir Ihre Anfrage per Mail. Sie brauchen eine ausführlichere Beratung: gwinkler@jova-nova.com
matteo: Nach meinem überdurchschnittlich abgeschlossenem Studium erfüllte ich mir meinen Traum einer Weltreise. Bei der Rückkehr war die Krise ausgebrochen. Zudem entschloss ich mich, im Familienunternehmen (Krankheit Vater und Generationenwechsel) auszuhelfen, bis der Wechsel in geordneten Bahnen vollzogen wurde. Ich bin angestellt, das Ganze ist jedoch eine Interimslösung. Gebe ich diese im Anschreiben an (ist meist nur teilweise argumentationsfördernd)? Im Lebenslauf gebe ich es natürlich an. Wie argumentiere ich das im Interview?
Gerhard Winkler: Im Anschreiben notieren Sie wie sonst auch Ihre Position, den Arbeitgeber, Ihre Aufgaben und Pflichten. Im Interview erzählen Sie das, was Sie auch hier geschrieben haben. Natürlich weckt das unter Umständen Ängste, wenn es einen Familienbetrieb im Hintergrund gibt. Aber Sie finden gute Gründe, um (erst einmal) nicht dort arbeiten zu wollen. Vielleicht passt ihr Profil sowieso nicht ganz?
Ulli: Hallo Herr Winkler, hallo Mitleser! Wenn ich während meiner Zeit der Jobsuche ehrenamtlich Menschen bei Behördengängen und Ausfüllen von Formularen für Ämter und Rechtsanwälte geholfen habe, kann ich das auch im Lebenslauf angeben (auch wenn es dafür kein belegbares Zeugnis gibt)?
Gerhard Winkler: Danke, dass Sie das tun. Unbedingt im Lebenslauf und vielleicht auch im Anschreiben angeben! Soziales Engagement ist das unterscheidende Bewerber-Merkmal in den kommenden Jahren. Wir werden sicher wieder etwas solidarischer werden. Und ethischer handeln. Nach all der Egomanie der letzten Jahre wird Verantwortungsbewusstsein ein sozialer Trend der kommenden Zeit.
mc: Noch eine Frage zu den Nebenjobs: ich habe zwischen Abitur und Studiumsbeginn ein halbes Jahr an der Supermarktkasse gesessen. Weglassen (es war 2001) oder reinnehmen?
Gerhard Winkler: Ja, ein Einzeiler deckt das halbe Jahr gut ab. Da Sie an der Supermarktkasse überlebt haben, kann Sie im Jobleben nichts mehr erschüttern!
andi73: Hallo Herr Winkler, nach ca. 10 Jahren Betriebszugehörigkeit wird unser Betrieb schließen. In dieser Zeit habe ich in fünf Abteilungen gearbeitet. Ein gutes Zwischenzeugnis wurde vorab bereits ausgestellt. Wie kann ich diese abwechslungsreiche Zeit am besten im Lebenslauf darstellen? Als tabellarische Aufstellung wäre das eine ganze Menge. Danke.
Gerhard Winkler: Der Trick ist, dass Sie einen Haupteintrag haben und dann mit Einrückungen arbeiten. So sieht man die Entwicklung im Unternehmen als Ganzes und Ihre Tätigkeit wird nicht in lauter kleine Einzeleinträge aufgesplittert. Mehr dazu in meinen Lebenslaufbeispielen.
lotte: Hallo, ich möchte mich aus ungekündigter Stelle heraus bei einer anderen Behörde auf eine interessante und höher dotierte Stelle bewerben. Ich habe eine eineinhalbjährige Tochter, die von ihrem Vater betreut wird bzw. in den Kindergarten geht. Ich fürchte, dass man als zukünftiger Chef eher Bedenken hat, eine Mutter einzustellen, da die klassische Rollenverteilung doch sehr in den Köpfen steckt. Dabei habe ich nur den gesetzlich vorgeschriebenen Mutterschutz zu Hause verbracht und war sonst lückenlos Vollzeit (42h) arbeiten. Wie sollte man damit in einer Bewerbung umgehen?
Gerhard Winkler: Bei einer Bewerbung auf eine Behördenstelle würde ich die dank Ihrer Erziehungsorganisation disponible Arbeitszeit im Anschreiben thematisieren und ebenso im Jobinterview. Die können nicht anders, als Sie fair zu behandeln!
Lin: Hallo! Ich will mich nach mehreren Jahren in Schweden wieder nach Deutschland bewerben. Ich kann mich aber nicht entscheiden, ob ich meine Arbeitsstellen und Ausbildungsstellen auf Deutsch, Schwedisch oder Englisch schreiben soll. Meistens gibt es ja keinen offiziellen deutschen Namen. Können Sie mir einen Rat geben?
Gerhard Winkler: Positionen (Jobtitel) und Aufgaben, Pflichten auf Deutsch, Arbeitgeber, Rechtsform in der Originalsprache.
Hallo, ich danke für die vielen guten Fragen! 38 Teilnehmer waren es heute! Die noch offenen Fragen beantworte ich offline.
Nachtrag:
Jens: Und wie benenne ich das abgebrochene Studium? "Studium xy (nicht beendet)?"
Gerhard Winkler: „ohne Abschluss“.
chlio: Ulli's Frage und Ihre Antwort motivieren mich auch eine Frage zu stellen: Soll/darf ich dann auch erwähnen, dass ich meine Landsleute bei der Korrespondenz mit Deutschen Behörden unterstütze?
Gerhard Winkler: Es ist höchst erfreulich, dass Sie das tun und für Ihren Lebenslauf ist das eine Information, die ein Arbeitgeber erfahren sollte!
Jens: Vielen Dank, Herr Winkler, fuer Ihre Tipps
Marianne: Danke für den Chat, auch das Mitlesen unterstützt und bereichert. Schönen Abend noch aus Österreich!
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
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