Moderator: Willkommen beim offenen Chat mit dem Bewerbungshelfer Gerhard Winkler.
Gerhard Winkler: Guten Abend, liebe Leute mit und ohne Migrationshintergrund! Hallo, Emil, hallo Kati, woher sind Ihre Eltern eingewandert? Aus der Schweiz? Hallo, Carsten, Hallo Zahlenrodeo, hallo Andi & Pritt!
Spaß beiseite ... ich freue mich heute über Feedback zum Thema Anonyme Bewerbung. Unterstützt sie die Vermarktungsbemühungen von Immigranten, Frauen, Älteren, Leuten mit Namen wie Kevin Maletzki und Bewerbern aus Ketsch? – Doch ich bin vor allem da, um Ihre dringenden Bewerberfragen zu beantworten!
Kati: Guten Abend Herr Winkler. Meine Eltern kommen aus dem guten alten Ostwestfalen - von Einwanderung kann also nicht wirklich die Rede sein :-)
Gerhard Winkler: Wie stehen westfälische Dickköpfe zum Thema Förderung von benachteiligten Bewerbern durch Anonymisierung der Unterlagen?
Kati: Können heute auch andere Themen angesprochen werden?
Gerhard Winkler: Es scheint, AB (anonymisierte Bewerbungen) sind kein guter Running Gag in diesem Chat.
Wir haben Anfang August ... gibt es ein Sommerloch für Sie als Bewerber? Erreichen sie die Jobanbieter? Oder lässt man Sie hängen?
Kati: Erreichbarkeit der Jobanbieter finde ich persönlich zur Zeit schwierig - ebenso wie die Erreichbarkeit von Anbietern zur Optimierung von Bewerbungsunterlagen ;-)
Gerhard Winkler: +49 3342 3520544 - für den schnellen Draht zu Ihrem Bewerbungshelfer ... aber nicht mehr heute Abend.
Thomas83: Ich habe vor, mich initiativ bei den großen Firmen zu bewerben, welche vor ein paar Tagen glänzende Quartalszahlen präsentiert haben. Welche Vorgehensweise halten Sie für einen ersten Kontakt für sinnvoll: telefonisch oder schriftlich per E-Mail?
Gerhard Winkler: Wie kommen Sie an die Telefonnummern? Was läuft bei Ihnen in Sachen Jobfindung?
Thomas83: Ich würde mich ganz einfach ans Impressum der Webseite halten und dort anrufen. Dann mich mit einem Personalverantwortlichen verbinden lassen bzw. mich zurückrufen lassen.
Gerhard Winkler: Firmen mauern, wenn es sich bei den Anrufern um Bewerber handelt. Wie können Sie sich am Empfang durchsetzen?
Kati: In Anlehnung an die Frage von Thomas83: wie gestaltet man so einen Erstkontakt sinnvoll (Initiativ oder in Bezugnahme auf eine Ausschreibung)? Welche Themen sollte man ansprechen, welche Punkte bezüglich des Vorgehens klären?
Gerhard Winkler: Erstkontakt: Hier kommt ein Tipp für meine Klienten:
Die Hitparade der Jobanbieter-Ansprache: 1. Erwartung aufbauen -> Kontaktanbahnung über Gewährsmann, Vertrauensperson, Vermittler. Mail erst dann senden, wenn Adressat von Ihnen schon etwas weiß. 2. Persönlichkeit ausspielen -> Direkten Kontakt von Person zu Person. Mail am selben oder nächsten Tag schicken. Wenn Sie vom Beruf sehr beansprucht sind, Mail innerhalb von 10 Tagen senden. 3. Verkäufertalent zeigen - Telefonanruf auf gut Glück - Mail unmittelbar danach. Nur wenn Sie beruflich sehr engagiert sind, dürfen Sie sich mit dem schriftlichen Nachfassen ein paar Tage Zeit lassen. 4. Texten nach den Regeln der Kunst - Mail als Reaktion auf eine Stellenofferte oder auf Verdacht als Initiativschreiben. Es bleibt Ihnen nicht erspart, das, was schon unendlich oft geschrieben wurde, so zu schreiben, dass es neu und spannend ist. (Texten Sie einfach so wie ich.) Ein Sprüchlein zum Anteasern brauchen Sie immer für (3) und oft auch für (2).
Kati: Die Bewerbungs-Dokumente habe ich inzwischen selbst verfasst und von einem selbsternannten Profi prüfen lassen. Ich fühle mich dennoch unsicher beim Ergebnis. Könnten Sie einen Check der Zeugnisse für mich vornehmen?
Gerhard Winkler: Schicken Sie LL und Anschreiben mit!
Admin: Hallo Herr Winkler, ich muss immer wieder erfahren, dass Menschen mit Migrationshintergrund mehr Probleme habe als die deutschen Mitbürger. Obwohl ich ja ein Deutscher bin, bin nur in einem anderen Land auf die Welt gekommen. Bei Gesprächen sind immer wieder Situationen vorhanden, wo der Personalentscheider immer wieder leicht verschnupft tut, obwohl ich ein Studium als Dipl. oec. mit 1,4 bestanden habe und eigentlich ein Generalist bin. D.h. ich habe die Hands-on-Mentalität, und ich muss sagen, in der Zwischenzeit wurden von mir mehr als 260 Bewerbung geschrieben und fortgeschickt, aber das Problem ist zum Teil schon das Alter: 47!
Gerhard Winkler: Sie sind Pragmatiker. Sie sagen von sich, Sie seien ein Generalist - was möchten Sie denn speziell tun?
Admin: Ein Generalist ist in meinen Augen ein Mensch, der nahezu fast alles kann und sich in allen Lebenssituationen bewegt und zurechtfindet. Mein Anstreben ist Einkäufer oder Einkaufsleiter, d.h. ich habe in den letzten 4 Jahren den Einkauf bei Firmen, die nicht pleite waren, gemanagt.
Gerhard Winkler: Gehen Sie nicht als 47jähriger zu Leuten und erzählen Sie denen, Sie seien Generalist. Generalisten arbeiten an Tankstellen. Mit 47 sind Sie Spezialist. Für Procurement. Für Kostensenkung. Für Materialbeschaffung. Für Verhandlungen, bei denen Sie knochentrocken auftreten und Konditionen optimieren.
Admin: Das weiß ich auch, dass solche Leute an der Tankstelle arbeiten. Die Problematik ist, der Personalentscheider macht die Ausführung aus einem Gespräch von 1 bis 2 Stunden. Obwohl ich feststelle, dass der mir Gegenübersitzende nicht immer die Ahnung hat, wovon er so spricht. Und wenn ein Zuständiger von der Fachabteilung mit Fangfragen kommt und ich ihm die passende Antwort gebe, sehe ich auch im Gesichtsausdruck, dass er selbst mit dem Thema überfordert ist. Hilfe, wo lebe ich denn und wie funktioniere die Firmen?
Gerhard Winkler: Lieber Admin, Sie beschreiben hier als Problem, was doch Ihre große Chance ist! Ohne überheblich zu wirken, ohne Besserwisser-Allüren beschreiben Sie, erzählen Sie, wie Sie den Job machen wollen. WINKLERS REGEL: SIE HABEN DEN JOB BESSER ZU VERSTEHEN ALS DER JOBANBIETER. Das tun Sie! Nutzen Sie es aus! Seien Sie nicht der arrogante, von Banausen genervte Spezialist. Seien Sie der Botschafter Ihres Jobs!
Admin: Herr Winkler, leider nicht. Das ist nicht meine Chance, denn sonst wäre ich bereits auch in einem Betrieb, in dem es rund läuft. Was ich so erfahren muss, ist immer das eine, wenn wir Sie beschäftigen, dann müssen wir wohl unseren Einkauf zum größten Teil entlassen. PS: 3 Firmen, mit denen ich Gespräche geführt habe, sind bereits pleite. An mir lag’s nicht!
Gerhard Winkler: Drücken Sie sich rein: "Engagieren Sie mich als Berater für drei Monate. Ich bringe Ihren Einkauf dazu, die Kosten um 8 % zu reduzieren, dann haben Sie schon mein Honorar wieder drin."
Admin: Ich habe umfangreiche Berufserfahrung bei führenden Herstellern, Vermarktern und Distributoren von technischen Produkten (Maschinenbau, Sonderanlagebau-Chemie, Apparatebau). Vertragsgestaltung und Reklamationsmanagement, fachliche Führung diverser Spezialistenteams, Einkaufsleiter mit internationaler Ausrichtung, d.h. Übernahme und Organisation des Einkaufs, inkl. der Transport- & Zollabwicklung, Ausfuhrkontrolle sowie des Qualitätsmanagements. Besondere Erfolge (u. a.): Optimierung des Beschaffungswesens entlang der gesamten Wertschöpfungskette, Festlegung der Zahlungsziele und Erreichung des Turnarounds im ersten Jahr durch intelligente, umfassende Restrukturierung, Revision Bildungszentren, Einführung der Innenrevision, Unterschlagsprüfung, Risikoanalyse und Prävention. Mehrumsatz von ca. 1 bis 2 Millionen im Jahr 2003 durch Mängelbeseitigung, Optimierung von Prozessen bzw. Akquisition komplett neuer Geschäftsfelder & den entsprechenden Kunden. Persönlichkeitsmerkmale: analytisch, belastbar, durchsetzungsfähig, eigenmotiviert, Hands-on-Mentalität, führungskompetent, kommunikativ, lösungsorientiert, lernbereit, pragmatisch, verantwortungsbewusst, zielorientiert. Das sind so meine Claims... -
Gerhard Winkler: Es ist unmöglich, von Ihnen nicht beeindruckt zu sein. Jetzt noch mehr ordnen: Positionen – Firmen – Erfolge – Zuständigkeiten. Die Persönlichkeitsmerkmale sich nicht selbst zuschreiben – nur nach Aufforderung und auch da die Urteile Dritten in den Mund legen.
Admin: Meine Frage allgemein, da nahezu alle Firmen auf E-Mail-Bewerbungen wert legen: Sollte das Bewerbungsanschreiben im E-Mail-Kontakt bereits verfasst sein oder soll ich auch das Bewerbungsschreiben als PDF mit dem Lebenslauf und Zeugnissen versenden?
Gerhard Winkler: Mail = Anschreiben. Doppel des Anschreibeninhalts in einem PDF: Ja, wenn Sie denken, der Jobanbieter freut sich über DIN-konforme Geschäftsbriefe. (Wenn Sie als Verwaltungskraft Ihr Expertentum in der Papier-Korrespondenz des 20. Jhds beweisen möchten). Am besten, so einfach wie möglich.
Pritt: Da Sie heute in Ihrer Rundmail Headhunter erwähnten, hierzu mein Romantipp: "Jo Nesboe; Headhunter". Habe mir das Buch gerade bestellt.
Gerhard Winkler: Danke für den Tipp. Spielt der Roman in Neuguinea?
Pritt: Roman: Neuguinea? :-) Der Autor Jo Nesboe ist Norweger. Schätze, der Roman spielt in Europa. Buch wird morgen erst geliefert. Das Buch soll laut diverser Rezensionen einen interessanten Einblick hinter die Kulissen dieses Gewerbes bieten. Soweit dazu. :-) Zurück zum Thema Bewerbung.
Gerhard Winkler: In Neuguinea nimmt man die Kopfjägerei noch wörtlich - Bei Nesboe geht es um’s Austricksen und um kriminelle Energien, schaurig-schöne Geheimnisse aus der Managerwelt werden weniger zu Tage kommen. Aber vielleicht lernt man als Karrierist, wie man sich vor bösen Beratern hütet.
Kati: Ergänzende Frage zum Thema Headhunter: Wie kommt man in Kontakt, wenn diese nicht auf einen selber zukommen? Kann man Headhunter einfach von sich aus kontaktieren? Was halten Sie von den Akademikervermittlungen, wie sie z. B. von Randstad oder Manpower angeboten werden? Deren Service zielt doch eigentlich auch in Richtung Headhunting, oder nicht?
Gerhard Winkler: Jeder Personalvermittler ist gut, wenn er sich Zeit für Sie nimmt, wenn er kein Geld von Ihnen nimmt, wenn er Sie aufbaut und mit Tipps füttert, wenn er Sie ins Gespräch bringt und vorher auch noch mit den richtigen Infos versorgt. Probieren Sie alle aus, aber lesen Sie das Kleingedruckte. Ein ehrlicher Makler nimmt auch von Ihnen kein Geld.
Kati: Wie findet man geeignete Headhunter - Google, Xing,...? Sind Headhunter auf spezielle Branchen konzentriert oder sind diese alle "Generalisten"?
Gerhard Winkler: Googeln und die Online-Communities durchforsten.
Carsten: Ich finde Bewerben extrem mühsam. War nur bei einem Vorstellungsgespräch bei einem Pharmaunternehmen eingeladen, obwohl ich mich schon seit Monaten bewerbe. Habe nicht mehr viel Zeit, ich muss zum November was Neues haben. Strategiewechsel oder Nischenfindung muss her, aber keine Ahnung, wie ich das anpacken soll. Es erscheint mir alles so kompliziert. Haben Sie irgendwelche knackigen Tipps?
Gerhard Winkler: Strategiewechsel bedeutet für Sie alternative Vermarktungswege finden oder sich auf neue Aufgaben zu verlegen?
emil: Dass man für einen guten Texter 150 EUR in die Hand nehmen muss, um eine signifikante Verbesserung der Bewerbungsunterlagen zu erreichen, sehe ich ja noch ein. Aber verbessere ich die Qualität meiner Bewerbungsunterlagen ebenfalls um den gleichen Grad, wenn ich knapp 200 EUR in ein Foto investiere?
Gerhard Winkler: Ich kann Ihnen sagen, wie viele Stunden meine Mitarbeiterin und ich an einer Optimierung sitzen, aber vielleicht erhebt der Fotograf je auch einen Genialitätszuschlag. Was leistet er? Wie gut ist er? Konnten Sie Arbeitsproben sehen?
zahlenrodeo: Guten Abend Herr Winkler. Sie hatten den Teilnehmern des Juli-Chats Unterlagen zur Kalt-Akquisition zugesagt. Leider ist dazu bei mir noch nichts eingegangen. Ansonsten sieht der Stellenmarkt eher positiv aus, aber die Beantwortung von Bewerbungen leidet unter den Sommerferien. Dafür steht danach ein Bewerbungsgespräch an, auf das ich mich schon fachlich vorbereite. Dank telefonischer Vorabanfrage habe ich vom Abteilungsleiter schon viele Informationen erhalten können. Trotzdem bleibt die Unsicherheit, ob die Vorbereitung auch nach Ihren Handreichungen ausreichen wird.
Gerhard Winkler: Zum telefonischen Kontakten: Entwerfen Sie doch als Vorbereitung für ein telefonisches oder direktes Kontakten einen Aufschrieb mit Ihrem Mini-Profil und Ihren Hauptargumenten:
1. Guten Tag, ich heiße …
2. Ihre derzeitige oder letzte Hauptaktivität - Ihr Status: - ich bin …
3. Ihre besonderen Erfolge und Leistungen: ich kann …
4. Ihr fachliches Können & Ihr berufsbezogenes Wissen: ich verstehe mich besonders auf …
5. Ihre angestrebte Tätigkeit oder Ausbildung: ich suche …
Diese Punkte 1 - 5 sollten Sie in sehr wenigen Sätzen zusammenfassen und als erste Information vortragen können! Definieren Sie doch auch gleich Namen von Referenzpersonen, die Ihre Angaben bestätigen können, und die Sie beim Kontakten nebenbei erwähnen. Und dann machen Sie Ihren Vorschlag. Was wollen Sie konkret vom Gesprächspartner? Was sollte der Angesprochene genau tun oder was sollte er sich fragen:
6. Klingt das für Sie interessant? Haben Sie in nächster Zeit eine vakante Stelle zu besetzen? Wäre mein Profil vielleicht für Ihre Fachabteilung von Interesse? Habe ich mit meiner Bewerbung auf die von Ihnen ausgeschriebene Position als ... eine Chance?
Bereiten Sie sich nicht zu sehr darauf vor. Es ist kein Examen, das auf Sie wartet. Es ist ein Gespräch. Üben Sie ab jetzt nur noch, entspannt und locker Gespräche zu führen. Sie haben sicher alle Ihre Daten im Kopf. Jetzt entkrampfen Sie sich!
Kati: Was macht man, wenn kein Gewährsmann o. ä. zur Verfügung steht?
Gerhard Winkler: Auf die Zeugnisse verweisen und sein Leben so einrichten, dass man berufliche Freunde und Gönner gewinnt.
Kati: Ich hatte Sie falsch verstanden. Ich dachte, Sie meinen einen Ansprechpartner im jeweiligen Unternehmen. Zu Ihrer Variante frage ich mich jedoch, wie ich das im Gespräch verpacken soll "ich bin ... ich kann... über meine Fähigkeiten und meine Person kann Ihnen xyz weitere Auskunft geben"?
Gerhard Winkler: Suchen Sie den direkten oder persönlichen Kontakt. Legen Sie alles in die Eröffnung. Packen Sie Ihr Hauptargument da rein. Machen Sie es der Kontaktperson so schwer wie möglich, das Gespräch zu beenden. Wichtig ist, dass man aufrichtig daran interessiert ist, Ihre Unterlagen zu erhalten.
Kati: Selbstverständlich muss ich durch meine Persönlichkeit punkten. Ich frage mich dennoch, wie man den Hinweis auf eine Gewährsperson geschickt in ein Gespräch einfließen lassen kann.
Gerhard Winkler: Ich glaube, dass es in einem ersten Kontaktgespräch das Ganze überfrachtet, wenn man schon Referenzen nennt. Ausnahme: Man führt einen Gewährsmann auf, den der Jobanbieter kennt!
Kati: Danke für den "Fahrplan" für den telefonischen Kontakt. Klingt sehr hilfreich!
Thomas83: Mein Ansprachetext: "Guten Tag, ich heiße xxx und bin momentan Führungskraft bei Teleföhn. Wie Ihnen mein Mentor Herr yyy bestätigen kann, habe ich mich innerhalb von weniger als zwei Jahren vom Mitarbeiter zur Führungskraft entwickelt und meine größten Stärken sind das fachliche Know-how (Prozesswissen) und die Fähigkeit, meine Kolleginnen und Kollegen oft begeistern zu können. Ich würde gerne bei Ihnen in der Personalabteilung arbeiten oder alternativ im administrativen bzw. nichtoperativen Bereich. Was halten Sie davon, mich mit dem entsprechenden Personalverantwortlichen zu verbinden?"
Gerhard Winkler: Zu lang. Sie sprechen mit Subalternen. Es geht darum, weiter vermittelt zu werden. Bluffen Sie mit Namen, Position und Unternehmen und erklären Sie, es geht um eine geschäftliche Angelegenheit.
Kati: Thema Strategiewechsel: ich überlege zur Zeit, mein Profil durch ein MBA-Studium zu erweitern (Thema Bildungsmanagement). Mein Problem: ich habe bereits 1 Jahr als Geschäftsführerin eines Bildungsanbieters gearbeitet. Wie kann ich das Studium verkaufen, ohne dass es so aussieht, als wäre ich für meine Tätigkeit nicht qualifiziert gewesen und als wäre dies der Grund für das Ausscheiden nach einem Jahr?
Gerhard Winkler: Sie haben das ein Jahr gemacht. Sie fanden es spannend. Jetzt holen Sie die Qualifikation nach, die Sie für Führungsaufgaben zertifiziert.
Magistra: Ich habe vor zwei Wochen die allererste Einladung zu einem Vorstellungsgespräch erhalten. Als ich mich daraufhin noch eingehender mit der Firma beschäftigen wollte, fand ich in den Untiefen des Internets enge und eindeutige Verbindungen zwischen den Geschäftsführen der Firma (Ehepaar) und Scientology. Ich habe daraufhin das Gespräch abgesagt. Irgendwie muss man sich doch treu bleiben und nicht für Geld alles tun, oder?
Gerhard Winkler: Man könnte hingehen, das Gespräch führen und am Ende von der Web-Information berichten. Wenn es von vorne herein unstrittig ist, dass man es mit L.-Rotz-H.-Aposteln zu tun hat, sollte man auch keine Zeit vergeuden. Die Leute sind böse. Und sie zahlen schlecht.
Magistra: Meine erste Reaktion war auch - hingehen und die Erfahrung machen. Weil ich noch nie ein Vorstellungsgespräch hatte. Aber dafür 600 km Zugfahren und den Job eigentlich nicht mehr haben wollen. Außerdem wurde ich von mehreren Seiten gewarnt (von ehemaligen Mitarbeitern dieser Agentur und von Experten/Sektenbeauftragten in meinem Umkreis).
Gerhard Winkler: Gut! Man paktiert nicht mit Seelenausbeutern.
Victoria: Ich finde, es gibt kein Sommerloch zur Zeit. Z. B. in Wien boomt der Arbeitsmarkt. Ich finde es nicht problematisch, an interessante Stellen ranzukommen, sondern das Gehalt rauszubekommen, was man angedacht hat.
Gerhard Winkler: Positionen sind vergleichbar, Organisationen sind es auch. Ist Ihnen klar, was Sie leisten? Wenn ja, dann haben Sie doch auch eine Idee, was dafür ein fairer Preis ist.
Birte_Hamburg: Ich habe meine Bewerbungsunterlage selber überarbeitet, hatte aber bezüglich des Übergangs von Projektleitung - zur Firma - und jetzt LEAN-Ausbildung auf Ihre facettenreiche Formulierungs-Gabe gehofft, dies alles optimal miteinander zu kombinieren. Hinzu kommt, dass ich gerne den XING-Auftritt von Ihnen perfektioniert hätte, da mich hin und wieder Menschen anschreiben, ich aber glaube, dass da noch mehr drin wäre.
Gerhard Winkler: Bitte nachfassen, bis Freitag haben wir alles in trockenen Tüchern.
Pritt: Ich habe eine 14-monatige berufsbegleitende Weiterbildung in einem sehr branchenspezifischen Themengebiet abgeschlossen. Die Weiterbildung ist noch neu (2. Jahrgang), das heißt in der Branche noch nicht so bekannt. Wenn ich nur den Namen der Weiterbildung und die Hochschule (wie oft empfohlen) in zwei Zeilen im Lebenslauf angebe, so meine ich, Selbstvermarktungspotenzial zu verschenken. Ich überlege daher, das Curriculum der Weiterbildung und die Dozentennamen (alles sehr bekannte Leute in der Branche) auf einem extra Blatt dem CV beizulegen. Ist das Ihrer Meinung nach ein Overkill? Andererseits stehen wir doch alle in einem harten Job-Wettbewerb und da sollte man alle Differenzierungsmerkmale ins Rennen schicken, die man hat, oder? Wie kommt das bei Bewerbungsempfängern an?
Gerhard Winkler: Sie sind auf dem richtigen Weg! Versuchen Sie aber, alle Infos in den Lebenslauf-Eintrag reinzukriegen. Dann werden es eben 4 oder 5 Zeilen. Ich mache das immer - die Lebensläufe sehen aus wie mit Stereoiden vollgepumpt.
Admin: Noch eine Frage. Nachdem die Bewerbung abgesandt wurde, sollte man sich nochmals bei den Firmen melden und nachfassen, obwohl es im E-Mail -Kontakt immer wieder so steht: „Wir kommen aufgefordert auf Sie zurück“ oder „für die Überlassung Ihrer Bewerbungsunterlagen bedanken wir uns recht herzlich. Die Vielzahl der uns erreichten Bewerbungen macht zunächst eine Vorauswahl erforderlich, daher benötigen wir für die Sichtung aller Unterlagen noch etwas Zeit. Falls wir uns innerhalb der nächsten 14 Tage nicht bei Ihnen melden sollten, dann sind Sie voraussichtlich nicht in die engere Wahl für diese Vakanz gekommen. Sobald wir eine Position im Portfolio haben, die zu Ihrem Profil passt, werden wir selbstverständlich gerne wieder auf Sie zukommen. Zwischenzeitlich möchten wir Sie bitten, auch unsere Stellenbörse zu beobachten. Sollten Sie mit der Speicherung Ihrer Daten nicht einverstanden sein, dann freuen wir uns über eine kurze Nachricht von Ihnen. Für Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.“?
Gerhard Winkler: Rufen Sie an und sagen Sie, meine Bewerbung ist bei Ihnen untergegangen, ich habe von Ihnen nichts mehr gehört.
Admin: Oder es gibt so eine Antwort auf Bewerbungen: es freut uns sehr, mit unserer ausgeschriebenen Stelle Ihr Interesse geweckt zu haben. Für die Zusendung der Bewerbungsunterlagen und das uns damit entgegengebrachte Vertrauen möchten wir uns auf diesem Wege bedanken. Wir möchten Sie mit diesem Schreiben auch darüber informieren, dass wir sehr viele Bewerbungen für die ausgeschriebene Stelle erhalten haben. Der Abgleich mit unserem Anforderungsprofil und die Analyse der Unterlagen nimmt erfahrungsgemäß einige Zeit in Anspruch. Sobald wir eine Entscheidung getroffen haben, werden wir uns umgehend mit Ihnen in Verbindung setzen. Bis dahin bitten wir Sie noch um etwas Geduld. Soll man da warten und Kaffee trinken oder nach zwei Wochen nachfragen, wie die Wasserstände sind?
Gerhard Winkler: Nach einem Tag anrufen. Wenn schon, denn schon.
Kati: Mit welcher Begründung kann man denn bereits einen Tag nach der Rückmeldung anrufen? Disqualifiziert man sich mit solchen Aktionen nicht eher?
Gerhard Winkler: Guten Tag, mein Name ist Winkler. Sie suchen einen Einkäufer, ich habe mich bei Ihnen beworben, ich versammle im Lebenslauf so viele Fleißpunkte, dass ich fürchte, ich werde Sie erschrecken. Können Sie sich vorstellen, mit einem erfahrenen und sehr erfolgreichen Einkäufer zusammenzuarbeiten?
Admin: Was ich auch leider zur Kenntnis nehme immer wieder, es sitzt ein Haufen unqualifizierte Menschen bei der Bewerberauswahl, das heißt wenn eine Bewerbung mit CV und Zeugnissen schon mal 8 bis 10 Seiten hat, sind die jungen Damen damit überfordert. Sie wissen nicht mal, nach welchen Kriterien sie vorgehen sollten. Zumindest ist das meine Meinung.
Gerhard Winkler: Bei Leuten Ihres Erfahrungs- und Leistungsprofils stutze ich die Unterlagen auf das Nötigste und Wichtigste. Man darf Auswerter nicht überfordern.
Thomas83: Heute im Radio wurde erzählt, dass die Personalabteilungen alle Hände voll zu tun hätten mit den neuen Azubis. Ist da überhaupt noch Zeit, einem Initiativbewerber wie mir zuhören zu können oder zu wollen oder liegt es an mir, mich unglaublich toll zu verkaufen, damit man mich gar nicht mehr abwimmeln möchte?
Gerhard Winkler: Nach den vielen Schluffis wollen die doch auch mal eine knackige Profi-Bewerbung sehen. "Guten tag! Sie stellen gerade einen Schwung an Auszubildenden ein ... ich habe den Ausbildereignungsschein und habe in meiner letzten Position als Einkäufer auch Auszubildende betreut. Der internationale Einkauf von Stahlschrott für Stahlunternehmen ist mein Thema. Besteht bei Ihnen für einen Einkäufer Bedarf?"
Gerhard Winkler: Liebe Leute, es wurden nicht alle Ihre Eingaben angezeigt, doch sie sind nicht verloren. Ich beantworte sie offline und stelle das Protokoll wie üblich morgen Vormittag auf meine Web Site. Vielen Dank fürs Mitmachen! Vielen Dank für Ihre Fragen! Leben Sie die Integration vor! Anonymisieren Sie sich! Oder laden Sie zumindest Menschen mit Migrationshintergrund zum Essen ein. Ich empfehle Nemruds Döner in der Breitscheidstraße!
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
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