Moderator: Willkommen beim offenen Chat mit dem Bewerbungshelfer Gerhard Winkler.
Gerhard Winkler: Guten Abend! Bevor ich auf Ihre Fragen eingehe, etwas Eigenwerbung: Vier kostenlose Broschüren aus der Reihe MEIN JOB! warten jetzt in ausgewählten Filialen der Sparkassen auf jugendliche Leser. Empfehlen Sie meine sorgsam recherchierten und flott getexteten Hefte dem schwierigen kleinen Bruder, der renitenten jüngeren Schwester, dem missratenen Neffen und der Kusine, die mit Anfang 20 noch nicht recht weiß, ob sie nach Christiana gehen soll oder sich doch zuerst auf die Lehre als Floristin werfen. Gemacht sind sie eigentlich für den flaumbärtigen Übererfüller und die hochgradig affirmative, gnadenlos anpassungsbereite Leistungsbringerin zwischen 14 und 20 ... ja, ich weiß, die schönen Hefte kommen viel zu spät für Sie und für mich.
(Hinweis: Man kann die Broschüren auch direkt gegen eine Schutzgebühr beim Deutschen Sparkassenverlag beziehen.)
ThomasH: Auf Spiegel Online (Spiegel Karriere) haben sie es ja auch schon geschafft! Gratulation!
Gerhard Winkler: Oh, da war ich schon mal früher.
Bewerber01: Herr Winkler, meinen Bewerbungen kann ich fünf Zeugnisse beilegen, die mir alle sehr gute Leistungen und sehr gutes Verhalten bescheinigen. Nun habe ich ein Unternehmen bereits in der Probezeit, nach zwei Monaten wegen zwischenmenschlichen Differenzen in beidseitigem Einvernehmen verlassen und mir kein Arbeitszeugnis ausstellen lassen. Darauf werde ich in jedem Gespräch angesprochen und egal, wie ich bis jetzt diese Frage beantwortet habe, ich bekam nach dem Vorstellungsgespräch oder anderweitiger Beantwortung dieser Frage eine Ablehnung, was ich größtenteils auf meine Antwort hierauf zurückführe. Wie sehr muss man sich bei der Beantwortung einer solchen Frage an die Wahrheit halten? Was wäre Ihrer Meinung nach eine gute Antwort auf diese Frage? Oder bestünde etwa die Möglichkeit, diese Position im Lebenslauf zu unterschlagen?
Gerhard Winkler: War es die letzte Position oder liegt der Job schon länger zurück?
Bewerber01: Es ist der letzte Job in meinem Ausbildungsberuf, liegt etwa 2 Jahre zurück, danach war ich über 1 Jahr arbeitslos und dann in Zeitarbeit. Jetzt möchte ich mich wieder in meinem Beruf bewerben.
Gerhard Winkler: Sie fürchten, dass Sie nicht mehr in die alte Spur zurück finden. Bewerben Sie sich dennoch unverdrossen. Vielleicht hilft irgendein Training, ein Software-Kurs, dass Sie sich mit aktuellen Methoden oder Werkzeugen zurechtfinden. Ansonsten: Mit voller Kraft die Jobanbieter ansteuern. Sie haben schwere Zeiten hinter sich. Sie haben Ihren Arbeitseifer und Ihr Belastungsvermögen bewiesen. Jetzt wollen Sie wieder das machen, was Ihnen am besten liegt.
Orbison: Hallo Herr Winkler, es geht darum, ob ich die Position unterschlagen soll. Was meinen Sie?
Gerhard Winkler: Ich würde, um das zu entscheiden, erst einmal über Ihrem Lebenslauf brüten und Varianten der Bewerberstory durchspielen - solche Entscheidungen erarbeitet man sich in der Auseinandersetzung mit dem Stoff.
Orbison: Also ist unterschlagen wohl das Beste? Ich hatte geschrieben bzw. geplant zu sagen: Ich hatte vorher viel Glück mit meinen Arbeitgebern und Kollegen und habe mich immer gerne für längere Zeit bei einem Unternehmen verpflichtet und wie Sie aus meinen Zeugnissen sehen können sowohl für meine Leistungen als auch für mein Verhalten und meine Persönlichkeit stets ein gutes Feedback bekommen. Leider haben das Unternehmen und ich nicht so gut zusammengepasst, ich denke, so etwas kommt auch einmal vor. Da habe ich die Konsequenzen gezogen und das Gespräch gesucht und das Unternehmen und ich haben uns in gutem Einvernehmen voneinander getrennt. Und da ich schon während des Studiums den Wunsch hatte, einmal selbstständig zu arbeiten, nahm ich die Chance war und gründete ein Gewerbe, um nicht zuletzt die Zeit bis zur eine neuen Festanstellung zu überbrücken und mein Handwerkszeug geschmiert zu halten
Gerhard Winkler: Ich bin dafür, auch kurze Jobverhältnisse, die unglücklich geendet haben, im Lebenslauf mit anzugeben. Meist ist es OK, wenn man im Gespräch den Trennungsgrund klar benennt, ohne dass man das zu einer Fall- oder Leidensschilderung macht. Auch bei Jobverhältnissen ist es so, dass man sich heute rascher, emotionsloser trennt, wenn man merkt, dass man sich nicht zusammenfinden kann.
Ihre Antwort ist vor allem auch zu viel lang. Im Anschreiben begründet oder rechtfertigt man nicht seine Handlungen bzw. den Gang der Ereignisse. Im Jobinterview reicht ein kurzer Satz aus. Dramatisieren Sie nichts, reiten Sie nicht auf Nebensächlichkeiten herum, tun Sie nicht so, als ob Sie vor Gericht stünden.
Kai: Hallo Herr Winkler, wie verkauft man sich, wenn man im Lebenslauf sehr viele berufliche Wechsel hat - auch wenn diese nur zum geringen Teil durch eigene Kündigung erfolgt sind? Viele Mittelständler haben Angst, dass man als Arbeitnehmer nicht lange bleibt und wieder nach ein bis zwei Jahren zu neuen Ufern aufbricht!
Gerhard Winkler: Keine Angst vor einem jobgesprenkelten Lebenslauf! Es lag an den Zeiten, insgesamt haben die Unternehmen in den letzten Jahren ein wahres Einstellungskarussell betrieben ... und Sie haben ja dauf Ihrer Wanderschaft durch Betriebe eine weitaus breitere Erfahrung und einen größeren Einblick in die Branche bekommen.
Kai: Durch viele Stationen in meinem Lebenslauf erwecke ich den Eindruck, ich würde es nie lange aushalten! Dabei waren die meisten Kündigungen betriebsbedingt. Wie kann ich das im Gespräch geschickt argumentieren?
Gerhard Winkler: Hallo, Kai. Bedenken Sie bitte alle, dass Sie, wenn Sie zwischen 2000 und 2011 mehrere Jahre im Jobleben standen, eher wechselhafte, befristete, unsicherer Jobverhältnisse hatten! Deswegen machen Sie sich keine Sorgen, wenn Ihr Lebenslauf bunt und abwechslungsreich geworden ist. Das muss man nicht extra erklären. Die Personaler haben diese unsicheren Zeiten ja selbst miterlebt (und mit gestaltet).
Kai: Hallo Herr Winkler, bei Gehaltsfragen spätestens laufen meine Gespräche aus dem Ruder! Die Unternehmen wollen berufserfahrene Spezialisten haben - wollen aber allenfalls ein Einsteigergehalt zahlen. Bei Bewerbungen mag ich am liebsten (auch wenn es gefordert wurde) gar keine Zahlen angeben, um nicht von vornherein aussortiert zu werden. Was meinen Sie zu dem Thema?
Gerhard Winkler: Manche Personaler spielen bei einem Überhang an qualifizierten Bewerbern ihre Macht aus und sortieren die Bewerber aus, die keine Angabe zur erwünschten Vergütung machen wollen, können, mögen. Je begehrter Sie sind, je teurer Sie sind, desto weniger werden Sie Ihren Preis schon im Angebot aufführen. Als Spezialist können Sie durch eine hohe Gehaltsvorstellung kennzeichnen, dass Ihre Spezies auf dem Jobmarkt rar und begehrt ist. Als Top-Manager warten Sie auf den Vorschlag. Ich verstehe Sie, verstehe auch Ihren beruflichen Stolz. Wägen Sie ab, ob Sie sich aus einer Position der Stärke heraus bewerben!
TiMoFi: Hallo Herr Winkler, wie reagiert man am Besten in der schriftlichen Bewerbung auf die Anforderung, eine Gehaltsvorstellung zu definieren? Ist eine konkrete Zahl oder einen weiter gefasste "von bis" Angabe das bessere Maß?
Gerhard Winkler: Hi TiMoFi. Warum Sie NIE eine Gehaltsspanne angeben, habe ich auf jova-nova.com und in ANDERS ANTWORTEN erklärt. Die Kürzestantwort: Sie schaden sich damit selbst.
TiMoFi: Vielen Dank. Wie verhält man sich bezüglich der Gehaltsvorstellungen im Bewerbungsgespräch, wenn man konkret darauf angesprochen wird. Aus meiner Sicht ist da eine "von bis" Angabe das bessere Maß. Was denken Sie?
Gerhard Winkler: Wenn Sie "von 45 bis 50T" angeben, nagele ich sie auf 42T fest. Die Aufspreizen des Gehalts zeigt doch schon, dass Sie sich nicht sicher sind. Wollen Sie So-lala-Verdiener in das Interview gehen und als plattgedrückter Preis-Spreizer aus dem Interview kommen?
Kai: Wenn Sie 45 T per anno sagen, dann bekommen Sie als Antwort Das können wir für die Position nicht zahlen!.
Gerhard Winkler: Dann sagen Sie, dass der Markt Sie auf 50T taxiert, doch Sie sind mit ihrer Gehaltsvorstellung schon der Firma entgegengekommen und haben einen Abschlag eingepreist, weil Sie am liebsten für dieses Unternehmen arbeiten wollen.
ThomasH: Man sollte da ja unterscheiden zu Bewerbern ohne oder mit Job. Ich bin ganz gut gefahren, das aktuelle Gehalt zu nennen (auf die meist baldige Rückfrage bezüglich des Gehaltswunsches), dann sollte klar sein, dass man nicht darunter gehen wird.
Gerhard Winkler: Eine gute Regel: In Stellenofferte wird Gehaltsangabe gefordert? Dann darauf eingehen. Man ist beruflicher Einsteiger: Gehaltswunsch nennen! Man ist so arbeitslos, dass selbst die Parkbankspatzen Mitleid mit einem haben: den Preis reduzieren und offensiv damit werben.
hess: Sehr geehrter Herr Winkler, ich habe einige Bewerbungen für eine Ausbildung zum Elektroniker oder Mechatroniker geschrieben und mir wurde gesagt, dass folgender Abschnitt nicht mehr den aktuellen Maßstäben einer Bewerbung entspricht. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir diesbezüglich konkrete Verbesserungsvorschläge geben könnten. "Mit mir gewinnt Ihr Unternehmen einen zuverlässigen, lernbereiten sowie ehrlichen Mitarbeiter, der sein Wissen und Können täglich verbessern und erweitern möchte. Zu meinen Stärken zählen: Zielstrebigkeit, Fleiß und Flexibilität. Ich bin darüber hinaus selbstverständlich bereit, regelmäßig ein gefordertes Mehr an Zeit und Leistung zu erbringen."
Gerhard Winkler: Hallo, ich finde, Sie können alle diese Aussagen JEDEM Bewerber in den Mund legen. Wenn JEDER DASSELBE über sich BEHAUPTET, dann argumentieren alle gleich. Und somit unterscheidet man sich nicht. Die Probe, ob ein Satz im Anschreiben etwas taugt lautet: Ist es eine lose Behauptung? ein bloßes Versprechen? Eine Absichtserklärung? Eine Selbstbewertung? - In allen diesen Fällen taugt ein Statement nicht für das Anschreiben! Nicht verzagen. Sie haben wie die allermeisten Bewerber gewiss echte, wahre und gute Argumente. Die finden Sie in Ihrer persönlichen Leistungsbilanz.
ThomasH: Ich bin seit 1995 unter wechselnden Firmen Namen und Positionen in einem Konzern angestellt und will nun nach der letzten Weiterbildung, ein Studium zum Bachelor in Business Administration, die Firma wechseln, weil die Perspektiven im eigenen Unternehmen begrenzt sind. Wie verkauft man das am besten? Warum wollen Sie nach so langer Zeit wechseln?
Gerhard Winkler: Die Antwort zu Ihrer Frage liegt schon in Ihren Angaben. Sie haben sich entwickelt, haben einiges an Veränderungen mitgemacht, sind auch persönlich gewachsen. Sie haben sich selbst motiviert, noch einmal eine berufsbegleitende Qualifizierung anzugehen und jetzt möchten Sie aus Ihrer Erfahrung, Ihrer Kompetenz und Ihrem Ehrgeiz das Beste machen!
Andreas: Hallo Herr Winkler, ich habe selbst den Bachelor und konnte bisher keinen Nachteil gegenüber meinen Kollegen, die den Master haben, feststellen. Im Gegenteil, ich bin 23 und habe einen Job, von dem viele mit höherem Abschluss nur träumen. Auch was das Gehalt betrifft, gibt es keine Nachteile, wenn man die entsprechende Leistung bringt. Meine Erfahrung zeigt, dass ein höherer Abschluss allenfalls den Einstieg erleichtert. Wer aber was drauf hat, schafft dies auch mit einem Bachelor.
Gerhard Winkler: Prima! Glückwunsch zum Karriereeinstieg! Schauen Sie dennoch mit offenem Auge nach den Abschlüssen der 35 - 55jährigen, die Abteilungen, Bereiche, Firmen führen. Innerhalb einer Organisation kann man es sehr weit bringen, aber wenn man dann wechselt, konkurriert man mit Managern, die Top-Abschlüsse haben.
ThomasH: Weil Opportunisten lieber einen Dr. als einen Bachelor einstellen. Weniger Gefahr für sie. Wenn der Bachelor es nicht bringt, sagt jeder, das war ja klar.
Gerhard Winkler: Ranghohe Positionen vergibt man eher an Personen, die anerkannte Selektionsverfahren erfolgreich durchlaufen haben und auch formale Nachweise für ihren (was die Bildung betrifft) Elitestatus beibringen können.
ThomasH: Gerade in der EDV wird gerne argumentiert, wir suchen den Generalisten für die Leitung des Teams, Abteilung.... aber genau das eine Software-Experten-Zertifikat ist dann unabdingbar oder entscheidend - wie kann man am besten vermitteln, dass der Überblick entscheidend ist und nicht das Detailwissen?
Gerhard Winkler: Umreißen Sie präzise, wie Ihr Überblick beschaffen ist und welches Detailwissen Sie dann von einem Team bzw. Projektmitglied abgerufen haben. Breiten Sie aus, was Sie wirklich gut drauf haben und erfragen Sie, was genau verlangt wird. Gehen Sie ins Detail!
ThomasH: Das Argument für den Wechsel lasse ich gelten, nur wer nimmt einen das so leicht ab? 16 Jahre Großkonzern (19Jahre Betriebszugehörigkeit) gegen neuen Job mit Probezeit tauschen? Ich als Personaler hätte da meine Bedenken.
Gerhard Winkler: Bringen Sie schon im Anschreiben den Namen und die Telefonnummer eines eingeweihten Vorgesetzten als Referenz. Ja, der Wechsel kann in die Hose gehen, aber unter uns gesagt: Mir als Bewerbungshelfer machen die Klienten, die nach 19 Jahren Betriebszugehörigkeit (eigentlich nicht) plötzlich gekündigt worden sind, große Sorgen. Stellen Sie klar, dass Sie aus eigenem Antrieb handeln, dass Sie geistig nicht eingerostet sind, dass Sie Veränderung nicht fürchten. Gibt es dafür Beispiele in Ihrem bisherigen Werdegang?
Adriana: Hallo Herr Winkler, während meiner Arbeitslosigkeit wurde ich schwanger (geplant, weil es einfach Zeit war). Wie beschreibe ich die Zeit der Erwerbslosigkeit? Als Stellensuchend bis zur Geburt? Die Zeit nach der Geburt gebe ich als "Erziehungszeit" an?
Gerhard Winkler: Hallo Adriana, Glückwunsch zur Mutterschaft! Je nach dem kann man vielleicht die gesamte Zeit ab Eintritt in die Arbeitslosigkeit unter FAMILIENPHASE oder ähnliches zusammenfassen ... Mut zur Zusammenfassung von einzelnen, für den Arbeitgeber nicht so spannenden Phasen!
tom: Ich bin durch meinen Arbeitgeber unzulässigerweise gekündigt worden, will mir den Stress eines Gerichtsverfahrens aber nicht aussetzen und bewerbe mich. Wie verkaufe ich meine Situation am besten? Bin erst zum 31.12.11 gekündigt. Mein Problem bei der ganzen Angelegenheit ist, dass ich erst seit acht Monaten bei meinem jetzigen Arbeitgeber beschäftigt bin.
Gerhard Winkler: Es ist etwas seltsam, dass Sie erst 8 Monate im Betrieb sind und eine so lange Kündigungsfrist haben. Wie dem auch sei, ich würde als Bewerbungsgrund angeben, dass Sie sich aufgrund der Befristung Ihrer aktuellen Stelle neuorientieren.
Andi: Lieber Herr Winkler. Ich bin von Ihrer Bewerberphilosophie begeistert und habe ihr einiges zu verdanken. Nach dem ersten Vorstellungsgespräch (als EU-Referent) bin ich zu einem "Probearbeitstermin" eingeladen worden. Können Sie mir bitte sagen, auf was ich bei einem Probearbeiten unbedingt achten muss? Ich werde wohl im Institut herumgeführt und muss evtl. eine Aufgabe erledigen. Vielen Dank!
Gerhard Winkler: Hi Andi, Glückwunsch zum Probearbeitstag! Sie werden vorgeführt und gezeigt. Keine flapsigen Bemerkungen! Keine Kritik! Lächeln Sie, stellen Sie fachliche Fragen. Vermeiden Sie es, aufzutrumpfen und zu demonstrieren, dass Sie ein toller Hecht sind. Verhalten Sie sich wie ein Diplomat. Sorgen Sie dafür, dass die anderen sich mit Ihnen wohlfühlen. Und merken Sie sich alles, was gesagt wird. Oh Gott, am liebsten würde ich mit Ihnen mitgehen.
Kai: Was steckt hinter der Strategie im Bewerbungsgespräch, Bewerber Probearbeiten ausführen zu lassen? Bei Spezialisten, die seit 15 Jahren ihren Job machen, sollte man davon ausgehen, dass sie ihr Metier beherrschen - oder? Eigentlich ist das eine Frechheit.
Gerhard Winkler: Probearbeitstag ist klasse. Viel Leid würde beiden Seiten erspart werden, wenn man sich vorher beschnuppern könnte.
Kai: Leider falsch verstanden, Probearbeitstag ist okay. Es geht darum, zum Beispiel in 45 Minuten irgendwelche Aufgaben zu lösen. Produkttexte schreiben, Übersetzungen etc., also quasi Arbeitsproben. Bei derart komplexen Produkten mit eigener Terminologie etc. geht das aber gar nicht in dieser Zeitspanne.
Gerhard Winkler: Nehmen Sie die Aufgaben sportlich. Hinterfragen Sie weder Sinn noch Rahmenbedingungen. Sie sind angetreten, um unter den gegebenen Umständen Ihr Können zu beweisen. Die Mitbewerber finden alle die gleichen Bedingungen vor.
Itanius: Hallo Herr Winkler, ich bin auf der Suche nach einem neuen Job. Bin momentan im Projektmanagement bei einem Forschungsinstitut. Da es aber kaum bzw. keine ausgeschriebenen Stellen gibt, die auf mich passen: Ist es auch möglich, sich initiativ bei Unternehmen etc. zu bewerben, obwohl man keine Branchenerfahrung hat, jedoch sich mit Projektmanagement im Allgemeinen gut auskennt?
Gerhard Winkler: Hallo Itanius: Unbedingt initiativ bewerben. Massiv und möglichst unter Umgehung der Personalabteilung. Direkt an die Leiter von F & E oder an Geschäftsführer herantreten!
Fabian: Hallo Herr Winkler, ich habe mein Studienfach relativ spät gewechselt (nach 8 Semester, von Elektrotechnik auf Informatik), wie stelle ich diese Zeit im Lebenslauf dar? Ich kann das Faktum nicht ändern, dass ich für meinen ersten Versuch mehr Zeit mit wesentlich weniger Resultat aufgewandt habe als für mein jetziges Bachelor-Studium. Reicht da eine knappe Erwähnung oder schafft das ohne genaue Erläuterung Misstrauen beim Personaler?
Gerhard Winkler: Im Lebenslauf den erreichten Stand, Schwerpunkte, Projektarbeiten, Leistungen des ersten Studiums unbedingt verzeichnen. Sie haben es nicht abgeschlossen, aber Sie haben sich profunde Kenntnisse erworben!
Adriana: Wie alt sollte denn das Bewerbungsphoto max. sein?
Gerhard Winkler: Tragen Sie auf dem Foto die selbe Frisur. Zeigen Sie im Vergleich zum Foto keine neuen Falten. Tragen Sie nichts, was vor Jahren groß in Mode war und jetzt nur noch die vergangenen Zeiten versinnbildlicht.
Bew2011: Hallo, ich bewerbe mich aus dem Job heraus. Kann eine überraschende Kündigung beim aktuellen Arbeitgeber nicht meinem Arbeitszeugnis schaden? Schließlich ist das für die weitere Laufbahn elementar.
Gerhard Winkler: Was wäre das für ein Arbeitgeber, der sich von Rachegefühlen und Enttäuschung leiten lässt?
Orbison: Vielen Dank, Sie sind super hilfreich!
Gerhard Winkler: Dank an alle Mitchatter! Schönen Abend! Und kommen Sie alle gut in den Job!
22 unterschiedliche IPs im Chat (Ohne Moderator und Experte): Fabian, tom, emil, Adriana, Bewerber01, hess, Orbison, HW, zal, Lux, jule, Andreas, Itanius, Robert-ER, mokka, Andi, Siri, Kai, ThomasH, Ben, Bew2011, Neuling, TiMoFi
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
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