Moderator: Willkommen zum Chat mit dem Bewerbungshelfer Gerhard Winkler.
Gerhard Winkler: Hallo, schön, dass Sie heute den Weg zum Chat gefunden haben. Vorab eine News aus der heutigen FAZ, die eine Untersuchung des IAB Instituts über Langzeitarbeitslose referiert: "Für Bewerbungstrainings, in denen die Teilnehmer lernen, sich zu präsentieren und ihre Unterlagen zu optimieren, konnte kein Effekt nachgewiesen werden." Kein Wunder, denn für jemanden mit einer nicht abbildbaren Erwerbsbiographie ist eine schriftliche Bewerbung nicht das beste Instrument. Und Verhaltensänderungen sind so schnell wieder vergessen, wie sie eingeübt sind. Die große Schwierigkeit für Langzeitarbeitslose ist schon einmal zu akzeptieren, dass man nicht scheitert.
Wie an jedem Abend gilt: Diskussionsbeiträge sind ausdrücklich erwünscht! Und Sie fragen ohne Scheu, was Sie auf dem Herzen haben. Ich zwinge mich dazu, mit meiner Antwort nicht abzuschweifen. Es dauert womöglich, bis Ihre Frage im Fenster erscheint - ich muss zuerst darauf antworten. Ihre Beiträge arbeite ich nach und nach ab, so wie sie von Ihnen abgeschickt werden. Unter Umständen brauchen Sie also ein wenig Geduld.
Auch heute stelle ich eine Frage an den Anfang: Ein Rechtsanwalt, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Antidiskriminierungsrecht, befindet, dass die Zeiten des Bewerber-Lichtbilds mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz für immer vorbei sind. Was meinen Sie dazu? Wer wird diskriminiert, wenn Bewerber ihr Porträt mitschicken?
arc: Guten Abend Herr Winkler.
Rolf B.: Hallo Herr Winkler, Meine Frage an Sie lautet: Wie definieren Sie einen Querdenker?
Gerhard Winkler: Lieber Rolf B., ein Querdenker ist jemand, der Sperriges mit sich führt, aber das kann durchaus auch etwas sein, das man gerade in diesem Moment braucht. Denken Sie heute Abend quer und wir schauen, was es uns allen bringt!
Rolf B.: Danke für Ihre Antwort Herr Winkler.
Tina: Grüß Gott, Herr Winkler und Mitchatter. Ich bin Absolventin und gehe bald auf eine Jobmesse. Bei ausgewählten Unternehmen möchte ich mich als Sozialwissenschaftlerin für die Abteilungen bewerben, die für PPP-Projekte zuständig sind, worin ich schon mehrmonatige Erfahrungen habe. Leider suchen diese Unternehmen auf der Jobmesse keine Kraft für diesen Bereich. Welchen Tipp haben Sie für das Gespräch auf der Messe?
Gerhard Winkler: Präsentieren Sie sich und Ihre Erfahrung in Public-Private-Partnership-Projekten unverzagt. Finden Sie auf der Jobmesse heraus, wer in der Firma dafür ein Ansprechpartner sein könnte. Fragen Sie, was man Ihnen mit Ihrem profil sonst noch raten könnte.
arc: Ich werde nächste Woche eine Jobmesse besuchen, um einen Praktikumsplatz für ein Praxissemester zu finden, wie sieht der optimale Gesprächseinstieg aus und was sollte unbedingt vermieden werden? Für diese Gelegenheit möchte ich mir auch noch Visitenkarten erstellen, gehört da auch die Handynummer drauf, sowie Ausbildungsberuf und Studiengang?
Gerhard Winkler: Lieber Arc, ich würde einen 3-Satz-Einstieg formulieren. Den Teaser-Text für das Kontakten, bei dem man die Hauptinformation über sich schon am Anfang bringt. Beispiel: "Ich heiße ..., habe Marketing zu meinem Studienschwerpunkt gemacht, bereits auch im Online-Marketing gearbeitet und jetzt möchte ich in meinem nächsten Praktikum ..."
Lösen Sie sich von der üblichen Visitenkarte. Packen Sie drauf, was ein Praktikumsanbieter auf den ersten Blick von Ihnen erfahren sollte. Plus die Kommunikationsdaten inklusive Mobilfon!
msaugsburg: Hallo Herr Winkler, was würden Sie denn alternativ auf die Visitenkarte schreiben? Ich meine, in welche Richtung sollte das inhaltlich gehen? In Ihren Lebensläufen schreiben Sie die Telefonnummern etc. immer ohne Telefon: XXX XXXXX davor. Sollte man das bei dieser Visitenkarte auch machen? Und empfiehlt es sich, so eine Visitenkarte auch zu einem normalen Vorstellungsgespräch mitzunehmen? Und wenn ja, wann sollte man diese überreichen? Vielen Dank!
Gerhard Winkler: Hallo, msaugsburg! Feldbezeichner wie Tel., E-Mail etc. setze ich wirklich nur noch dann, wenn es nicht zu vermeiden ist. Wenn man Visitenkarten als ein Instrument bei der Jobsuche entwirft, kann man sie doch zweiseitig bedrucken. Kommunikationsdaten auf der einen Seite, Mini-Profil auf der anderen.
frehberg: Wenn ich mich im Ausland bewerbe, wer zahlt den Flug bzw. die Anreise?
Gerhard Winkler: Hi, frehberg, das finden Sie heraus, indem Sie anfragen. Ohne falsche Scheu! Generell lässt sich sagen, dass die Leute, die am meisten verdienen, den Flug noch am ehesten bezahlt bekommen.
Gerhard Winkler: XYZ: Hallo, guten Abend, wage ich schon gar nicht zu sagen. Ich habe meinen Lebenslauf wie von Ihnen empfohlen optimiert und erhalte von vielen Personen das Feedback, das, was Du kannst, kommt nicht klar rüber. Als diplomierte Hochschulabsolventin, die nur befristete Stellen hatte und auch um nicht zu verhungern putzen ging, höre ich oft, ich hätte einen unsteten Lebenslauf. Ich bin also schwer enttäuscht und erstelle gerade wieder einen neuen. nämlich einen funktionalen Lebenslauf.
Gerhard Winkler: Hi XYZ. Sie klagen darüber, dass Sie einen aussagefähigen Lebenslauf erstellt haben, dass er Ihre vielen kurzen Jobverhältnisse getreulich abbildet und dass die Kommentatoren dies monieren. Ich bitte Sie: Stehen Sie zu dieser Ihrer Bilanz. Das Job-Leben ist, wie allgemein bekannt ist, nicht mehr so einfach wie vor einer Generation. Junge Leute tun sich schwer, etwas Dauerhaftes zu finden oder überhaupt echte Jobchancen zu bekommen. Wer Ihnen das ankreidet, auch wenn es die besten Freunde sind, ist dünkelhaft und eitel.
Der Lebenslauf ist ein Verzeichnis Ihrer Job- und sonstigen Erfahrung. Im Anschreiben arbeiten Sie Ihre spezifische Jobeignung heraus. Verkürzt gesagt: Was Sie können, steht im Anschreiben, was Sie gemacht und geleistet haben, im Lebenslauf.
XYZ: Also doch keinen funktionalen Lebenslauf? Oder ein Profil?
Gerhard Winkler: Funktionaler Lebenslauf als Textsorte kenne ich nicht - ich bin mit dem Diskussionsstand in der Literatur nicht vertraut. Funktional aber schon im Sinne, dass das Datenblatt es dem Auswerter ermöglicht, im Schnelldurchlauf ebenso wie in der akribischen Begutachtung das festzustellen, was faktisch die aktuelle Jobtauglichkeit (und die persönlichen Qualitäten, aber die interpretiert man aus den Leistungsdaten) bestätigt.
Andreas Martin: Sehr geehrter Herr Winkler, wie Sie anfangs schon erwähnt haben, ist eine schriftliche Bewerbung "kein taugliches Instrument für jemanden mit einer nicht abbildbaren Erwerbsbiographie." Stellt sich mir die Frage, was denn noch eine darstellbare Erwerbsbiographie überhaupt ist. Können zu viele Jobwechsel innerhalb eines kurzen Zeitraums (wie dies bei mir der Fall ist) ebenfalls dazu führen, dass eine Erwerbsbiographie nur noch schwer bis gar nicht darstellbar ist? (Wohl das gleiche Problem, wie bei XYZ)
Gerhard Winkler: Hallo, Andreas Martin, liebe XYZ: KÜMMERN SIE SICH NICHT DARUM, OB IHR LEBENSLAUF ALLZU SEHR ZUSAMMENGESTOPPELT IST. Nur die glücklichen Mittvierziger, die ihr Jobleben lang bei derselben Organisation verbracht haben, finden das ungut. Der Lebenslauf verzeichnet, wie alles gekommen ist. Selbst, wenn Sie öfter unklug gewechselt haben sollten: Einem Jobanbieter gegenüber brauchen Sie sich nicht zu rechtfertigen. Arbeiten Sie unbesorgt das Positive heraus. Auf das Negative in Ihrem Lebenslauf stößt Sie schon Ihr lieber Bruder, die beste Freundin, der beraterisch veranlagte Kollege, der besserwisserische Personaler. Ihr Werdegang ist, wie es kam. Und jetzt steuern Sie in die Zukunft, so gut es geht.
Absolvent: Hallo Herr Winkler, mir wurde von Ihnen in Ihrem Kurzcheck empfohlen, dass ich bei digitalen Bewerbungen die Unterschrift sowie das Datum weglassen soll. Warum? 2. Ich stehe dem Arbeitsmarkt sofort zur Verfügung. Sollte ich dies auch so schreiben oder ein konkretes Datum nennen?
Gerhard Winkler: Hallo Absolvent. Universitätsverwaltungen, Ämter und Behörden verlangen zwingend OrDaUn unter dem Lebenslauf. Klar, denn dort wursteln Umstandskrämer und Formalisten. 2. Dass Sie sofort verfügbar sind, ist doch auch ein Pro-Argument. Geben Sie das immer an, denn das Eintrittsdatum haben Sie ja sowieso zu nennen.
Absolvent: Das Eintrittsdatum nenne ich aber nicht, sondern nur die Tatsache, dass ich sofort verfügbar bin. Daraus sollte mein Eintrittsdatum doch eigentlich hervorgehen, oder?
Gerhard Winkler: "Ich stehe Ihnen zu jedem von Ihnen gewünschten Zeitpunkt uneingeschränkt zur Verfügung." "Uneingeschränkt" findet Frau Laws vermutlich viel zu beflissen, Aber einige wenige Beflissenheitssignale schmälern nicht den Bewerberstolz.
Jona: Lieber Herr Winkler, jetzt nutze ich zum ersten Mal die Gelegenheit, mitzuchatten. Meine erste Frage ist: was halten Sie von OeBS Massnahmen im öffentlichen Dienst? Ich arbeite derzeit in der Volkshochschule von Berlin; bekomme jeden Tag zu spüren, dass ich nicht zum Team gehöre, und weiß vom Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst. Die Arbeit ist stupide und nicht sonderlich anspruchsvoll. Vom Anmelden der Kurse bis Hausmeistertätigkeiten, damit die Klassenräume für die Kurse stehen. Ich fühle mich mit meinem Doktorat auch deshalb etwas deplaziert, wie als würde ich mich lächerlich machen. Das schimmert jedenfalls bei den Arbeitskollegen zum Teil durch. Dafür hatte ich ja auch nie studiert, es geht doch letztlich immer nur darum, den Sachzwängen zu gehorchen und nicht nur nackt arbeitslos zu sein. Diese Arbeit und der Verwaltungskleinkrieg laugen mich aber so aus, dass ich kaum noch Kraft aufbringe, um Alternativen auszuarbeiten. Es geht planmäßig noch bis Mai 2011, Vollzeit für Halbtagslohn (den Rest der Steuergelder behält der Arbeitslosenarbeitgeber). Haben Sie eine Idee, wie man da den Kopf frei bekommen kann?
Gerhard Winkler: Hängen Sie Ihre Intellektualität morgens an den Nagel und seien Sie den Arbeitstag über eine nette Kollegin bzw. ein unkomplizierter Kollege. Führen Sie ein Doppelleben. Viele große Geister haben das zumindest eine Zeitlang getan. Und wenn nichts dabei sonst raus kommt als der große Deutsche VHS-Roman: Dann hat es sich doch schon gelohnt!
Chris22: Guten Tag, Herr Winkler, zuerst möchte ich Ihnen danken, dass Sie Leuten kostenlos helfen. Das sollte mal gesagt sein. Und nun zu meinem Problem. Ich bin 22 Jahre alt, habe aber leider niemanden, der mir bei meinen Bewerbungen helfen kann, da ich seit 6 Monaten von allem was mir gut und heilig war, weggezogen bin. Jetzt endlich zu meinem Problem: Was könnte eine mögliche Alternative zu einem individuellen Einleitungssatz sein, jedoch aber nicht bezogen auf ein vorheriges Telefongespräch? Thx in advance, Chris.
Gerhard Winkler: Hi Chris22, Wegziehen ist ein guter Vorwand, um heim zu kommen. Generell starten Sie im Anschreiben mit dem stärksten Argument – im Blog schrieb ich gerade davon. Vielleicht schicken Sie mir und meiner Assistentin Frau Laws einfach Ihr Anschreiben und den Lebenslauf. Wir schauen, wie Sie das gelöst haben.
Chris22: Herr Winkler, an die folgende E-Mail Adresse gwinkler@jova-nova.com habe ich meinen Lebenslauf sowie mein Anschreiben beigefügt. Falls Sie kurz Zeit hätten, einmal "drüberzuschauen", würde ich mich sehr freuen. Mfg chris
Gerhard Winkler: OK! Das mache ich!
Anja: Hallo Herr Winkler, ich habe eine Frage, nämlich würde ich gerne wissen, ob man in einen Lebenslauf die Telefonnummer und die E-Mail-Adresse reinschreiben kann, wenn man diese eigentlich auch schon auf dem Bewerbungsschreiben geschrieben hab.
Gerhard Winkler: Hi Anja, Lebenslauf und Anschreiben sind zwei auch funktional unterschiedliche Präsentationen zum selben Thema. In beiden würde ich die kompletten Adressdaten notieren - schließlich sind sie jeweils in sich abgeschlossen und vollständig in dem Sinne, dass ein zufälliger Leser, der gerade einen Job zu vergeben hat, alles erfährt, was er zur Entscheidungsfindung und zur Kontaktaufnahme braucht.
Torsten: Guten Abend Herr Winkler, wir sind uns bereits im August auf Ihren Bewerberseminar in Berlin persönlich begegnet. Seither bewerbe ich mich weiter mit Erfolg erfolglos. Ich habe vor zwei Jahren mein Studium erfolgreich abgeschlossen und danach in der Entwicklung gearbeitet. Das Problem ist, dass die Schwerpunkte und Erfahrungen dort nicht dem Studienhintergrund entsprachen. Jetzt möchte und muss ich den Einstieg in mein Fachgebiet finden. Meine Anschreiben baue ich nach Ihrem Konzept auf: aktuelle Position, Firma, Tätigkeiten, Aufgaben usw. Das Problem ist, dass das, was ich zu bieten habe, meist nicht auf die Stelle passt - außer eben mein Studienabschluss. Was raten Sie in so einem Fall?
Gerhard Winkler: Hi Torsten! Unbedingt die Vorgehensweise ändern. Das, was für die angestrebte Aufgabe spricht, ganz nach vorn rücken. Aktuelle Tätigkeit in den zweiten Absatz verschieben. Rückkehr in einen früheren Lern- oder Tätigkeitsschwerpunkt ist ein typischer Fall, wo das auslotende Gespräch mit Jobprofis (die das machen, was man möchte) und Personalern am meisten bringt. Man muss Vertrauen zu Ihnen fassen. Eine durch die schriftliche Bewerbung herbeigeführte Kennenlernsituation ist zu kurz, zu abstrakt, zu wenig hilfreich.
Torsten: Das heißt ich soll zunächst meinen Studienabschluss anführen, denn das ist eigentlich das einzige, was mich mit den Stellenprofilen verbindet.
Gerhard Winkler: Probieren Sie es doch damit und schauen Sie, was Sie alles an den Anfang setzen können. Obacht: Ich würde eher das Gespräch suchen und nicht auf die schriftliche Bewerbung setzen. Warum nicht bei XING Jobprofis anfragen?
Torsten: Ich möchte meine Unterlagen optimieren lassen, habe zu Ihnen auch schon diesbezüglich mehrfach Mail-Kontakt aufgenommen. Leider habe ich bis heute noch kein Feedback von Ihnen erhalten. Woran kann das liegen?
Gerhard Winkler: Hi Torsten, ich bin derzeit überbucht, aber ich verrate Ihnen, wie Sie mich kriegen: Mehrfach mailen plus sich dann an Sigrun Laws wenden (sigrun.laws@jova-nova.com). Sie macht mir die Hölle heiß, wenn ich Klienten allzu lange warten lasse. Sorry, aber ich kann das Anschreibentexten nicht delegieren.
Anton: Hallo Herr Winkler, ich kenne alle Fragen für das Vorstellungsgespräch, aber mir fallen keine Antworten ein, egal ob gute oder schlechte Antworten. Irgendwie fehlt die Motivation, mich mit meinem Leben zu beschäftigen.
Gerhard Winkler: Anton, man nennt das, was Sie haben, Ennui. Überdruss und Langeweile. Ende des 19. Jahrhunderts haben Literaten das voll ausgewalzt. Irgendwie müssen Sie sich selber attraktiv, für der Rede wert und auch für andere interessant finden, sonst decken sich nicht der Jobanspruch mit der Persönlichkeit. So wie Ihnen geht das auch vielen Bewerbern, die mehrere Interviews in kurzer Folge absolvieren - es ist die Wiederkehr der gleichen Situationen, die einen lähmt.
K-Weber: Hallo Herr Winkler, im Augenblick nutze ich die Zeit der Arbeitslosigkeit und besuche eine mehrmonatige Weiterbildungsmaßnahme. Wie kann ich diese Information bei Bewerbungen ohne Stellenausschreibung einbringen? Am besten sicherlich an den Schluss des Anschreibens. Doch welche Formulierung würden Sie empfehlen?
Gerhard Winkler: Ich würde das im Anschreiben an das Ende des zweiten Absatzes setzen. 1. Absatz: Jobleistungen. 2. Absatz: Lernleistungen, Abschlüsse, Wissen und Können. (Dies gilt für joberfahrene Bewerber!)
arc: Guten Abend Herr Winkler, gehören der Gesellenbrief + Berufschulzeugnis + Gesellenprüfungszeugnis in eine Bewerbung oder ist das alles schon zuviel?
Gerhard Winkler: Als Einsteiger alles beilegen, als Jobprofi sich das Berufschulzeugnis sparen. Mitlesende Personaler werden aufschreien, wenn ich wieder empfehle, die Nachweise sorgsam auszuwählen und wegzulassen, was weder Qualifikationsbeleg ist noch die aktuelle Kompetenz beweist.
arc: Vielen Dank für die vorgehend beantworteten Fragen. Man liest auch immer mehr, dass ein Nichtvorhandensein einer eigenen Homepage negativ ausgelegt wird. Wenn nun eine eigene Homepage nicht vorhanden ist, kann auf ein XING-Profil hingewiesen werden?
Gerhard Winkler: Oh, Arc-en-Ciel, wo liest man das? Welcher Großmeister der Bewerbungsberater empfiehlt es denn? Und was sollte auf dieser Homepage stehen? Zu XING - Globales Networking für Geschäftsleute: Alle haben ein Profil. Ganz viele hoppsen da von Forum zu Forum, von Wasserstelle zu Wasserstelle. Es ist wie auf einer permanenten Party. Zumindest Präsenz zu zeigen ist keine schlechte Idee.
Melanie: Hi, Herr Winkler. Ich bin Ingenieurin (24, Absolventin) und auf Jobsuche. Nach dem Absenden meiner Bewerbungsunterlagen rufe ich nach etwa zwei bis drei Wochen in der Personalabteilung an und frage nach dem Stand der Dinge. Leider wird mir immer nur gesagt, ich solle abwarten bzw. man befinde sich im Sichtungsprozess. Können Sie mir einen Ratschlag geben, um strategischer vorzugehen bzw. zu fragen?
Gerhard Winkler: Rufen Sie in der Fachabteilung an und fragen Sie, warum man ein Talent wie Sie so lange warten lässt. Ich meine es ehrlich. Ihre zukünftige Fachvorgesetzte soll ruhig erfahren, wer da draußen Däumchen dreht.
XYZ: "Rufen Sie in der Fachabteilung an und fragen Sie, warum man ein Talent wie Sie so lange warten lässt." Weil frau auch so leicht dahin kommt ...
Gerhard Winkler: Ich weiß, dass Unternehmen es vor allem Einsteigern verunmöglichen, von außen anzuklopfen. Ich weiß aber auch, dass Findigkeit keine Grenzen kennt.
Melanie: Danke! :) 2.Frage: Leider habe ich aber meistens nicht die Nummer der Fachabteilung bzw. des Fachkundigen. Wirkt es aufdringlich, wenn ich nach der Nummer des Abteilungsleiters frage? Meistens werde ich da abgewimmelt. 3. Frage: Wie trete ich mit den Firmenvertretern auf Jobmessen am besten in Kontakt, wenn ich mich über deren Produkte usw. bereits informiert habe? Soll ich mich mit meinem Namen vorstellen und sagen was ich kann und will? Mir fehlt dabei das Feingefühl, wie ich mit diesen "erfahrenen" Leuten umgehen soll.
Gerhard Winkler: Stellen Sie sich selbst und auch keinem anderen nie die Frage, ob Sie aufdringlich wirken, wenn Sie sich beruflich vermarkten. Klar sind Sie aufdringlich. Klar nerven Sie. Lassen Sie sich davon aber nicht beirren. Lächeln Sie und denken Sie daran, dass Charme und Chuzpe die Türöffner sind und nicht etwa Skrupel und Sorge.
Besuchen Sie mich Ende November auf dem Stand der JUNGEN KARRIERE in Köln auf der Absolventen-Messe und wir üben das kurz ein.
Melanie: Cool. Werde ich machen!
Andreas Martin: Da Sie mir nun schon mal die Angst vor den Mittvierzigern in den Personalbüros genommen haben, komme ich zu meiner nächsten Frage: Woher weiß ich, ob ich mit meiner Ausbildung auf das richtige Pferd gesetzt habe? Der Erfolg bleibt bisher jedenfalls aus und mein Selbstwertgefühl sinkt von Tag zu Tag. Ich spiele momentan mit dem Gedanken, noch mal eine Ausbildung zu machen (dualer Studiengang an einer Berufsakademie - wenn schon, dann diesmal richtig). Wie präsentiere ich mich am besten bei meinem potentiellen zweiten Ausbildungsbetrieb und welche Argumente sprechen in so einer Situation überhaupt noch für mich, der am Ende der Ausbildung 32 wäre?
Gerhard Winkler: Lieber Andreas, jeder sollte zu jedem Zeitpunkt die Ausbildung nachholen können, die er für wichtig und richtig hält. Zu meinem großen Bedauern machen aber Späteinsteiger die Erfahrung, dass die üblichen Traineestellen verwehrt sind. Falls Sie studieren, dann möglichst dort den Praxisteil absolvieren, wo man Ihnen nach dem Studium eine Chance gibt.
Dendor: Hi, ich bin zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Was soll ich mitnehmen? In der "Einladung" steht nur, dass sie mich persönlich kennen lernen möchten. Sie haben schon Bewerbungsanschreiben, Lebenslauf und letztes Zeugnis.
Gerhard Winkler: Komplette Mappe mit allen Nachweisen. Schreibblock, Stift. Warum nicht Visitenkarten …
Torsten: Ich wollte noch mal meine Erfahrung mit Absagen einbringen. Bislang habe ich nach jeder Absage noch einmal den Kontakt gesucht, um die Gründe dafür zu erfahren. Bis heute hat nicht ein Unternehmen Stellung bezogen. Es kommen immer nur Standardsprüche.
Gerhard Winkler: Torsten, die dürfen sich ja nicht outen, die Jobanbieter haben zurecht Schiss, dass da ein AGG-Rechtsanwalt aus substantiellen Auskünften einen Strick dreht. Wie immer ist der Gerechtigkeitsfanatiker jene soziale Kraft, die Gutes will und Mieses schafft.
Liebe Leute, danke für Ihre vielen guten Beiträge! Alle unbeantworteten Fragen beantworte ich im Chatprotokoll. Morgen finden Sie es auf jova-nova.com, dem einzigartigen Info-Portal für funktionales Bewerben! Lassen Sie sich impfen! Stecken Sie sich auch nicht mit dem November-Blues an. Bleiben Sie dran! Nerven Sie ruhig die Jobanbieter, aber nur durch Beharrlichkeit und Vermarktungseifer. Schönen Abend!
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
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