Moderator: Willkommen beim offenen Chat mit dem Bewerbungshelfer Gerhard Winkler.
gery: Hallo Herr Winkler, zuerst einmal ein erfolgreiches neues Jahr. Vielen Dank für den Tipp beim letzten Chat mit Ihrem Tipp, mich nach dem Motto zu bewerben: Sie suchen eine Fischräucherin, ich stelle mich an den Ofen und erst danach sehen Sie sich meinen bewegten Lebenslauf an. Er hat sich totgelacht und ich habe den Job bekommen, ohne mich an den Ofen zu stellen. Ja, was soll ich sagen, seit 1.11.10 bin ich dort sehr, sehr glücklich. Vielleicht sind amerikanische Konzerne toleranter bei solchen Lebensläufen. Danke für Ihre tollen Tipps, ich hoffe nicht mehr so schnell darauf zurückgreifen zu müssen. Liebe Grüße Gery
Gerhard Winkler: Viel Glück an der Fischtheke! Wärmen Sie sich aber auch am Ofen - zumindest bei diesem Wetter.
Tina: Guten Abend Herr Winkler, mein polnisches Abitur ist in Deutschland nicht anerkannt worden. Um hier zu studieren, musste ich die Allgemeine Hochschulreife nachmachen. Wie soll ich es am besten im Lebenslauf schreiben?
Gerhard Winkler: Sie haben dazu sicher einen Kurs absolviert oder eine (Abend-) Schule besucht. Diese Lernzeit bekommt unter AUSBILDUNG einen eigenen Eintrag im Lebenslauf!
Tina: Zwei Schulen, zwei Lernzeiten, zwei Allgemeine Hochschulreife mit Note? Sieht das nicht blöd aus, ist da eine Erklärung notwendig?
Gerhard Winkler: Es ist doch so, dass Sie Ihre Zeit sowohl zum Erwerb des polnischen und dann notgedrungen auch zum Erlangen des deutschen Abis eingesetzt haben. Wenn der Lebenslauf weitgehend lückenlos sein soll, dann gehört das rein.
09/2003 – 07/2008 Oberschule Krakau (Polen)
Hochschuleignung
07/2008 – 07/2010 Volkshochschule Nebenstadt
Leistungsfächer: Französisch, Physik
Abitur, Note 2,1
Tina: Ganz lückenlos nicht. Meine Muttersprache ist Polnisch, ich lebe seit meinem 22 Lebensjahr in Deutschland. Soll unter Fremdsprachen auch Deutsch (fließend) erwähnt werden?
Gerhard Winkler: Das halte ich für überangepasst. Sie bewerben sich auf Deutsch, Sie haben einige Lebenslaufstationen in Deutschland. Notieren Sie im Lebenslauf nur echte Informationen.
Tina: Wie ist das mit doppelter Staatsangehörigkeit, auch in den Lebenslauf?
Gerhard Winkler: Ja, wenn es Ihre Wettbewerbsfähigkeit akzentuiert.
Victoria: Hallo Herr Winkler, ich möchte Ihnen alles Gute im neuen Jahr wünschen! Wir kennen uns ja schon lange und mein Mann und ich empfehlen Sie fleißig weiter, da Sie einfach ein einmaliger Experte auf diesem Gebiet sind. Jetzt meine Frage, wir versuchen uns gerade zu verändern, hatten beide ein paar Gespräche. Die Gesprächspartner waren sehr interessiert, haben nichts an dem Geld auszusetzen und würden gerne, jedoch kommt es nie zu einer Entscheidung (meist sind dies große Konzerne). Zurzeit hat eine Firma mir eine Zusage gegeben, aber kriegt die Stelle von der Konzernleitung nicht genehmigt. Die Stelle wurde schon in September beantragt. Die andere Firma wollte sich nach dem Gespräch Anfang Dezember noch in Dezember entscheiden, hat jedoch die Entscheidung auf Ende Januar vertagt. Bei meinem Mann sieht es ähnlich aus, zwei Firmen haben versprochen, im Dezember zu entscheiden, bis jetzt keine Absage, aber auch keine Zusage. Liegt es an uns, machen wir etwas falsch oder sind die Firmen heutzutage schwerfällig mit ihren Entscheidungen? Fast alle Stellen liefen über eine Empfehlung. Grüße Victoria
Gerhard Winkler: Sehen Sie das Gute daran: Sie wurden empfohlen (Das ist Gold wert). Sie haben überzeugt. (Das ist entscheidend.) In den letzten Wochen lief nicht viel. Vielleicht könnten Sie jetzt vorsichtig nachfragen.
Carinthia: Hallo Herr Winkler, wie fragt man am Besten vorsichtig nach, wenn eine Antwort schon länger auf sich warten lässt?
Gerhard Winkler: „Hallo, mein Name ist Winkler. Ich wage es nach dem tollen Vorstellungsgespräch vom 13. Dezember, mich wieder in Erinnerung zu bringen. Sie wollten sich noch vor Weihnachten entscheiden. ... wie Sie damals ankündigten, für mich.“
anaktoron: Einen guten Abend alle zusammen und natürlich die besten Wünsche für das neue Jahr. Thema: "don’t call us we call you!" Ist es opportun zu einer Bewerbung, auf die man innerhalb 4 Wochen keine Nachricht erhalten hat, telefonisch dazu nach zu fragen? Im "normalen" Geschäft (Ausschreibung, Pflichtenheft u. ä.) ist dies übliche Praxis.
Gerhard Winkler: Opportun im Sinne von angezeigt und ratsam ist es schon. Beim Kontakten hat man mehr als einen Versuch frei.
frau_schoeni: Hallo Herr Winkler, bei mir (w, 38) geht es um das Thema Wiedereinstieg in die Berufswelt nach Burn-out-Pause in Kombination mit Bewerbung trotz Überqualifikation. Im Klartext, ich habe nach 15 Jahren Werbebranche (Beratung) 1,5 Jahre (eigenfinanziert) Pause gemacht und möchte jetzt in den Einzelhandel (Schmuck), um hier Erfahrungen zu sammeln für eine spätere Selbständigkeit. Nun bin ich für die Position als Verkäuferin (Teilzeit) sichtlich überqualifiziert und befürchte, dass man mich nicht einlädt oder einstellt. Ich habe zwar auch ein Zeugnis über Einzelhandelstätigkeit aus den 90ern, aber seitdem gab es nur noch Zeugnisse aus teilweise namhaften Werbeagenturen. Diese sind nicht relevant für die Stelle im Verkauf - trotzdem beifügen?? Außerdem ist auch die "Pause" so ein Thema. Ich habe bereits ein Schreiben (unter Berücksichtigung Ihrer Tipps) aufgesetzt, aber ich denke, es klingt immer noch viel zu "ich kann viel mehr". Ich bin ein selbstbewusster Typ, es fällt mir schwer, mein Licht unter den Scheffel zu stellen, doch genau dies möchte ich bewusst tun, um nicht wieder in die gleiche Burn-out-Falle zu tappen bzw. um eine Teilzeitstelle zu bekommen. Was können Sie mir raten? Herzlichen Dank im Voraus.
Gerhard Winkler: Mein erster Gedanke ist: Wie kommen Sie von so einem Verkäuferinnenjob wieder weg? Mein zweiter Gedanke: Wie werden Sie das aushalten? Nichts korrumpiert mehr als das ständige Gefühl ohnmächtiger Überlegenheit. Als selbstbewusste Frau würde ich meinen Lebenslauf in die Tasche stecken und persönlich im Geschäft aufkreuzen. Wozu lang im Anschreiben begründen und darstellen, wenn ein Lächeln und ein paar goldene Worte genügen?
frau_schoeni: Wieder weg kommt man mit einer Kündigung, wenn man genug Startkapital und Erfahrungen gesammelt hat, um dann ein eigenes Lädchen zu eröffnen (was mein Ziel ist). Diese Tätigkeit soll mir Erkenntnisse über Kunden- und Kaufverhalten bringen, damit ich besser einschätzen kann, was mich erwartet. Und zum Thema selber aufkreuzen: Wie gerne würde ich das, aber in einem großen Konzern wie Swarovski haben die Verkäuferinnen vermutlich nix zu entscheiden. Zumal ich nicht wüsste, um welche Filiale es in meiner Stadt geht. Also doch bewerben mit allen Zeugnissen?
Gerhard Winkler: Swarovski: Bringen Sie in Erfahrung, wer rekrutiert. Wenn es die Geschäftsführung vor Ort ist, gehen Sie dorthin. Ihre Überqualifizierung wird im Lebenslauf ins Auge fallen wie die gelbe Flagge bei einem Segler. Keine Ahnung, was die gelbe Flagge genau bedeutet - aber als Jobanbieter dreht man meist sofort ab!
frau_schoeni: Die gelbe Flagge kann beides bedeuten, "Alles gesund an Bord" oder "mein Schiff ist verseucht". Ich denke, Sie meinten dann eher letzteres. Der HR-Ansprechpartner ist leider nicht vor Ort, ich werde aber trotzdem mal mein Glück in den Filialen versuchen. Wenn nicht, bleibt nur der schriftliche Sprung ins Haifischbecken, zum Glück kostet eine Online-Bewerbung kein Porto. Trotzdem Danke für Ihren Input und alles Gute für 2011.
Gerhard Winkler: Rufen Sie doch in einer Filiale an und fragen Sie, wie das mit den Jobkandidaten geregelt wird. Sie würden am liebsten persönlich vorbeikommen. Wenn Sie einfach hingehen, kann es passieren, dass Sie im ungelegenen Augenblick auftauchen. Im Einzelhandel sollte man wirklich den Moment abpassen, wo es im Verkaufsraum ruhig ist - probieren Sie es aus und mailen sie mir, was sich ergeben hat!
frau_schoeni: .Das werde ich machen, danke Ihnen!
Wüstenfuchs: Guten Abend aus Abu Dhabi
Gerhard Winkler: Hallo, Wüstenfuchs! What's up in Abu Dhabi? Minus 7 Grad in Berlin, minus 1 Grad in Hamburg und München, später kräftiges Tauwetter im Westen - wie ist bei Ihnen das Bewerbungswetter?
Wüstenfuchs: Das Wetter ist hier grad sehr schön. Luft +25 Grad und Wassertemperatur +22 Grad.
Marvin: Bewerbungswetter ist gut. Ich hatte heute ein Interview.
Gerhard Winkler: Wie verlief das? Heiß oder frostig? Oder hat man Sie aufs Glatteis geführt?
Marvin: Gespräch lief eigentlich gut, aber die alte Diskrepanz, dass die Leistungen meines universitären Studiums immer in den gleichen Topf geworfen werden wie zum Beispiel bei einem BA-Studenten.
Gerhard Winkler: Beschwören Sie die Unterschiede nicht wortreich. Belegen Sie sie an zwei, drei kurzen augenfälligen Beispielen.
Marvin: In meinem Interview heute hatte ich konkret die Situation, dass mein Gegenüber keine universitäre Ausbildung hatte und deshalb auch meine aufwendige Ausbildung nicht recht einschätzen - würdigen konnte oder wollte. Das passierte schon öfters. Wie geht man am besten vor in so einem Gespräch?
Gerhard Winkler: Fragen Sie ihn, was er sucht. Den rein praktischen Typ oder den methodisch versierten mit dem vertieften Fachwissen und den erwiesenen Soft Skills
London: Guten Abend, Herr Winkler und alle Mitchatter! Ich (w, 32) möchte mich nach längerer Zeit im Ausland (ein Großteil des Studiums und 8 Jahre Berufserfahrung in der Online Marketing-, SEO-, Medienbranche) in Deutschland bewerben. Ich habe fast ausschließlich in Großbritannien gearbeitet, wo Arbeitszeugnisse absolut unüblich sind. Ich kann eventuell 1-2 von bisherigen Arbeitgebern als Gefälligkeit bekommen, aber hätte einige Zeit dazwischen, für die ich absolut keine Chance habe, diese nachträglich ausstellen zu lassen. Ich habe auch gehört, dass ich versuchen sollte, die Zeugnisse rückdatieren zu lassen, da ansonsten Probleme mit dem Arbeitgeber vermutet werden. Wie kann ich die Sache am besten angehen, und wie sollte ich das Thema in meinem Anschreiben ansprechen?
Gerhard Winkler: Hallo London! Lassen Sie sich von Ihren Arbeitgebern vielleicht ein Empfehlungsschreiben ausstellen. Im Lebenslauf listen Sie getreulich Ihre Zuständigkeiten, alltäglichen Pflichten, Leistungen und Erfolge auf - das gehört sich sowieso. Bei Ihnen ist das noch essentieller, weil man in keinem Zeugnis nachlesen kann. Die Referenzschreiben fungieren dann als indirekter Beweis dafür, dass die Lebenslaufdaten korrekt sind.
Ich verstehe nicht, warum man die Zeugnisse auch noch rückdatieren sollte. Auf welche Zeitabschnitte?
London: Danke für Ihre Antwort! Empfehlungsschreiben sind ebenso unüblich, dies wird hier alles durch mündliche Referenzen erledigt (der potentielle Arbeitgeber erkundigt sich telefonisch bei 1-2 vorigen Arbeitgebern nach dem Bewerber. Es ist dem Bewerber überlassen, wer als Referenz benannt wird). Empfehlungsschreiben kann ich, wenn überhaupt, nur von meinem letzten Arbeitgeber (2006 bis Sommer 2010) bekommen, und als persönlichen Gefallen von einem Arbeitgeber von 2002 bis 2003. Für die Zeiten dazwischen ist das nicht mehr möglich, teilweise existieren die Firmen auch nicht mehr oder die entsprechenden Personen arbeiten inzwischen ganz woanders. Würde ein Empfehlungsschreiben, was zum Beispiel mehr als ein Jahr nach dem Austritt aus der Firma erstellt wurde, überhaupt noch als glaubwürdig eingestuft?
Gerhard Winkler: Dann erstellen Sie einfach eine separate Liste mit Referenzpersonen für alle Jobs. Aufgeführt sind: Name, Jobtitel, Firma, Mail und telefonische Durchwahl. Ihr Bewerberjob ist es, aktiv Vertrauen zu bilden und nicht eine Dokumentensammelstelle zu betreiben.
London: Das ist eine gute Idee und ich werde das auch soweit wie möglich betreiben. Allerdings waren einige dieser Jobs Kurzverträge, die durch Agenturen zustande gekommen sind, und eine lückenlose Liste wird sich wohl nicht erstellen lassen.
Gerhard Winkler: Das prüft vermutlich keiner so penibel nach. Im Lebenslauf viele gute Jobs. In der Referenzliste eine ausreichende Anzahl an Verweisen. Probieren Sie es so!
LisaM: Herr Winkler, kann ich bei den Referenzen angeben dass ich diese erst auf Anfrage freigebe, da ich dann erst den Kontakt herstellen würde (ich bekomme diese Referenzen schon geklärt)?
Gerhard Winkler: Knüpfen Sie Ihre Bewerbung nicht an Bedingungen.
SeineExzellenz: Ich wünsche allen ein gesundes erfolgreiches neues Jahr. Wird der Wehrdienst r im Punkt Ausbildung oder Berufserfahrung aufgeführt
Gerhard Winkler: Hallo. Hochwürden! Den Wehr-Zivil- und Sozialdienst rubriziere ich stets unter Ausbildung.
seeker: Herr Winkler, im Januar 2010 habe ich meinen Lebenslauf und mein Anschreiben nach Ihrem Kurzcheck umgestellt. Im April dann, nach einem halben Jahr arbeitssuchend, habe ich einen Job bekommen. Nun nach knapp 9 Monaten spüre ich, wie in meiner Vorfirma, eine Schieflage. Nicht meine Schuld, wirtschaftlich bedingt. Und schon schaue ich mich wieder um. Mein Lebenslauf wird nun Stück für Stück ungleichmäßiger, das heißt durchtrennt von zwei mal arbeitssuchend (2 x ½ Jahr) sowie 12 Monate in einer insolvent gegangenen Firma. Und nun? Wie ist Ihre Einschätzung, soll ich mich rechtfertigen? Soll ich mich neu bewerben oder lieber abwarten, bin ja erst 9 Monate da? Vielen Dank.
Gerhard Winkler: Seeker, Sie sind doch eigentlich ein Finder. Ich würde 1. engagiert weiterarbeiten. 2. mich zugleich sehr diskret bewerben. Gründe: Sie tun sich immer viel leichter, sich aus einer ungekündigten Position heraus zu bewerben. Sie haben einen wasserdichten Wechselgrund. Sie sichern Ihre Lage ab.
Teilnehmer: Hallo zusammen, Herr Winkler, ich bin mir nicht sicher wie ich eine berufliche Station in meinem Lebenslauf darstellen soll. 1. Option: Ich nenne nur den wenig bekannten Namen des Arbeitgebers und überlasse dem Leser, die Arbeit zu googlen. 2. Option: ich erkläre die Besonderheit des Arbeitgebers und meiner Arbeit und habe einen viel zu langen Text in meinem Lebenslauf.
Gerhard Winkler: Hallo, Teilnehmer. Ich erläutere so gut wie nie das Geschäft eines Arbeitgebers. Grund: Man hat alles, was man erfahren will, innerhalb von 3 Sekunden auf dem Bildschirm. Früher, im letzten Jahrhundert, hat man den Geschäftszweig, die Größe etc. immer gern mitnotiert - ich erinnere mich noch gut (der Bewerbungshelfer schaut versonnen in den Kamin).
Itanius: Soll ich bei Bewerbungen per E-Mail nach dem Abgesang und vor der Signatur noch "Anlagen" vermerken oder kann man verzichten?
Gerhard Winkler:
Mit freundlichen Grüßen aus Itani
Alexander D. Groß
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Signatur
Gerhard Winkler: Keinerlei Anlagenvermerke in der Mail und ich mache auch keine mehr in Anschreiben-PDF, die zum Ausdruck bestimmt sind.
Marvin: Macht es Sinn, als Studienabgänger Initiativbewerbungen an Headhunter zu schicken oder suchen die nur Leute, die schon weiter in ihrer Karriere sind?
Gerhard Winkler: Kommt darauf an, ob Sie schon in Jobs Verdienste erworben haben oder (etwa in einer Promotion) versilberbares Spezialistenwissen erworben haben. Generell: eher nicht.
LisaM: Apropos Kündigung, diese liegt zum 31.3.2011 vor. Wird dies im Lebenslauf schon so aufgeführt, oder einfach seit xx.xxxx?
Gerhard Winkler: Ich würde im Lebenslauf nicht vermerken, dass mir gekündigt wurde. Im Anschreiben vielleicht, wenn man daraus ein Argument für die Bewerbungsmotivation ziehen will. Sie sind bis zum Ende des Vertragsverhältnisses in Ihrer Position.
SeineExzellenz: Gebe ich bei Kindern das Alter an oder reicht das Geschlecht, zum Beispiel 1 Sohn?
Gerhard Winkler: 2 Kinder (11 und 7 Jahre).
Tina: Ich möchte auch meine Unterlagen optimieren lassen. Das Anschreiben ist für mich die Hölle!
Gerhard Winkler: Das Anschreiben ist für mich das Hauptgericht! Und ich koche wirklich gern!
Juliette: Guten Abend, Herr Winkler und alle Teilnehmer. Wie komme ich im Anschreiben über die "Die ist zu alt - wird sofort aussortiert"-Hürde? Ich bin 53, by the way. Und bewerbe mich für Assistenzpositionen auf höherem Level.
Gerhard Winkler: Schwierige Frage. Sie dürften gemäß AGG wegen Ihres Alters nicht diskriminiert werden, doch das ist ja keine Antwort auf Ihre Schwierigkeiten. Bei älteren Bewerbern spiele ich die Erfahrung aus, die Verlässlichkeit und wenn möglich, die kontinuierliche Weiterbildung. Ich achte darauf, dass man auf dem Bewerberfoto nicht müde und verbraucht wirkt.
Fokus: Hallo Herr Winkler, ein frohes neues Jahr! Eine Frage zur Gliederung meines bunten Lebenslaufes: Bin seit 15 Jahren berufstätig, davon die ersten 7 Jahre durchgehend als Angestellter, anschließend überwiegend selbstständig, unterbrochen von einer weiteren Anstellung. Jetzt will ich mich wieder um eine (hoffentlich lange) Anstellung bewerben. Mein Dilemma: Mein Angestellten-Leben stelle ich zur Not auf 0,5 - 1 Seiten dar. Mein Selbstständigen-Leben besteht hingegen aus einer größeren Anzahl von Projekten, für die ich, je nach Komprimierung, 4-6 Seite benötigen würde. Wie gieße ich das vom Layout her in ein werbendes Format, bei dem ein Personaler - der möglicherweise reine Angestellten-Lebensläufe gewohnt ist - nicht die Übersicht verliert? Den großen Zeitraum der Selbstständigkeit will ich ungern als "nur eine Station" im Lebenslauf abbilden, weil meine Kompetenz in den Projekten liegt und nicht im Innehaben von Positionen. Wie treffe ich bezüglich der Darstellung die Erwartungshaltung des Personalers? Sicher ist eine erfolgreiche Rückkehr nicht nur eine Frage des Layouts, aber fangen wir mal damit an.
Gerhard Winkler: Der Lebenslauf darf meiner Ansicht nach drei Seiten nicht übertreffen. Lösung 1: Projekte auf Auftraggeber, Titel, Volumen begrenzen oder eine separate Projektliste abgeben.
anaktoron: Thema: nicht mehr als drei Blätter Lebenslauf, hingegen 2 Blätter Projektliste ja. Wenn ich ein PDF generiere, dies online verschicke - was ist der Unterschied, außer dass der Adressat 2 zips öffnen muss?
Gerhard Winkler: Der Lebenslauf ist die bündige Leistungsbilanz. Wer sich eingehender damit beschäftigen will, der nimmt sich die Projektliste vor.
eliot: Hallo Herr Winkler, was halten Sie von einem gut gemachten Bewerbungsflyer als Initiativbewerbung?
Gerhard Winkler: Lieber Eliot, legen Sie den perfekten Lebenslauf vor. Kontakten Sie aktiv - persönlich, am Telefon, per Mail. Basteln Sie niemals Flyer, auch dann nicht, wenn Sie in einer von der Agentur für Arbeit bezahlten Maßnahme sitzen und es als Wochenarbeitsauftrag erhalten haben.
FlorianG: Hallo Herr Winkler, trotz Beherzigung aller Ihrer Tipps, Ihrer Optimierung, guter Ausbildung und momentanem Top-Job finde ich keine passende Stelle. Ich möchte nach Hamburg umziehen, habe aber bisher rund 80 Absagen erhalten. Auf 100 Bewerbungen folgten ca. 3 Vorstellungstermine. Daraus schließe ich, dass die Bewerbung anscheinend nicht passt. Habe verschiedene Bekannte gefragt, niemand hat etwas zu meckern. Was kann ich noch tun?
Gerhard Winkler: Mailen Sie mir bitte Ihre Unterlagen mit Verweis auf den Chat.
SeineExzellenz: Führe ich Kündigungsfristen im Anschreiben mit auf
Gerhard Winkler: Ich stehe Ihnen ab dem 1.3.2011 oder nach Vereinbarung zur Verfügung.
christian: Ich bin nach 3 Jahren Beruf (Projektingenieur Dipl-Ing bei einem Energieversorger) auf der Neuorientierung. Habe nun die Chance, etwas mehr in Richtung Fachplaner (Ausschreibung etc. zu gehen), da mir dies manchmal fehlte. Bin aber eigentlich in langfristiger Sicht eher an Produktentwicklung im Bereich Erneuerbare Energien interessiert und habe die Befürchtung, mit einem zu sehr planungslastigen Job in der Karriere mich zu sehr auf diese Schiene einzuengen. Benötige einen Tipp, wie ich vielleicht etwas mehr kaufmännisches Know-how bekommen kann. Danke.
Gerhard Winkler: Lassen Sie sich auf den Fachplaner-Job ein, wenn er attraktiv, spannend und perspektivenreich ist. Kaufmännische Praxis erwerben Sie dann, wenn Sie sie brauchen.
christian: Okay, meine Frage war ja auch eher bezüglich eines Coachings denn bewerbungstypisch. Vielleicht kurz: Besser kostenlosen Mentor finden (zum Beispiel bei der Zielbranche) oder professionellen Coach?
Gerhard Winkler: Schauen Sie sich zunächst um, ob es in der Organisation ein Mentorenprogramm gibt oder jemand, der Sie unter seine Fittiche nimmt.
Itanius: Ich habe einen Abteilungsleiter per sozialem Netzwerk angefragt, ob ich als Absolvent eventuell für ihn interessant wäre. (Am Online-Stellenportal des Unternehmens vorbei, weil es dort keine relevante Stelle für mich gibt. Von Initiativbewerbungen war dort nichts vermerkt.). Nun möchte er meine Unterlagen inklusive einer Zusammenfassung der Diplomarbeit. Reicht es, wenn ich ihm mein Dossier gebe (also Lebenslauf, Nachweise & Zeugnisse) oder sollte ich zusätzlich das Initiativ-Bewerbungs-Anschreiben als PDF oder direkt in die Mail schreiben?
Gerhard Winkler: Texten Sie das Anschreiben als Mail. Mit der Überzeugungsarbeit fangen Sie ja von vorn an – das Telefonat war nur der Türöffner.
reseda: Hallo Herr Winkler, ich hätte gerne mal Ihre Meinung gehört, zeigt ein neuer Mitarbeiter, der nach einer für diesen Job als Mitarbeiterförderung angebotenen Schulung zum Ausbau bestimmter Kompetenzen in den ersten Tagen bezüglich baldiger Teilnahme nachfrägt, nun Motivation und Einsatzfreude oder betreibt dieser Selbstdemontage? Viele Grüße.
Gerhard Winkler: Freuen Sie sich, dass man Hoffnungen in Sie setzt und verlieren sie nicht die Geduld. Ansprüche anmelden ist eine Kunst, die viel Fingerspitzengefühl verlangt.
ratlos: An wen richtet man am besten Initiativbewerbungen per Mail, wenn kein Ansprechpartner auf den Unternehmensseiten zu finden ist oder man von unaufgeforderten Bewerbungen absehen soll? Telefonischer Kontakt ist bei ersterem ja unmöglich.
Gerhard Winkler: Sehr geehrte Damen und Herren.
iThink: Hallo Herr Winkler, wenn man sich drei mal bei dem gleichem Unternehmen bewirbt, auf drei unterschiedliche Stellen wohlbemerkt, zeugt das eher von Flexibilität oder von "ich weiß nicht was ich will"? Kurze Erklärung: Zwei Bewerbungen habe ich schon hinter mir. Einmal war einer besser als ich, das zweit mal kam ich leider nicht zum Vorstellungsgespräch. Dieses Unternehmen sucht aber des Öfteren Leute, daher kann ein drittes mal schon folgen.
Gerhard Winkler: Wenn sie gute Gründe haben, auch die Position #3 gut auszufüllen, dann bewerben Sie sich!
Gerhard Winkler: Liebe Chatteilnehmer ... ich muss mich verabschieden. Vielen herzlichen Dank für Ihre guten Fragen!
LisaM: Guten Abend und vielen Dank für die Antworten
seeker: Herr Winkler und alle Anderen: Ich bedanke mich für den Chat. War mein erstes Mal, werde bestimmt mal wieder "reinschauen". Alles Gute für 2011. Viel Glück für alle "Suchenden (Seeker)". PS von mir: Glück ist, wenn man für den gewünschten Erfolg sehr geduldig sein kann. Tschüss
33 unterschiedliche IPs im Chat (Ohne Moderator und Experte).
Namen: grip, gery, London, eliot, emil, andreaz, frau_schoeni, christian, Tina, LisaM, Carinthia, Birte_Hamburg, luise, FlorianG, Itanius, anaktoron, GuMe, Marko, Juliette, NY, Wüstenfuch, iThink, reseda, d, ratlos, SeineExzellenz, Bewerberin, Victoria, Fokus, Gerhard Winkler, Luis, kathrin, Teilnehmer, Marvin, seeker
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Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
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