Moderator: Willkommen beim offenen Chat mit dem Bewerbungshelfer Gerhard Winkler.
Gerhard Winkler: Hallo, Jobfinder. Beim Golfen setzt man in kniffligen Lagen einen Rescue ein. Karrieristen jeden Alters fragen, wenn sie im Rough gelandet sind, den Bewerbungshelfer. Die erste Anfrage für den Chat von heute erfolgte per Mail: "Zunehmend wird in den Medien von "Auszeiten" berichtet, die sich irgendwelche Personen des öffentlichen Lebens nehmen (Pilawa, Kerkeling, Schmidt & Co.), was sich auch auf die "normale" Berufswelt auswirken würde und durchaus für gestresste Manager o. ä. aber auch normale Werktätige "zulässig" sei. Zuletzt in der Karrierebeilage der Berliner Zeitung. Alles nur ein Medienhype und Abgekupfere? Ah ja, letztens hieß es, dass auch Julia Roberts gerne mal bewusst nichts tut und müßig im Garten werkelt, während wahrscheinlich ihr Agent die lästige Akquise betreibt. Bleiben Sie bei Ihrer dezidierten Ansicht, dass man als normalsterblicher Berufstätiger in der Blüte seines Lebens stets irgendwie "beschäftigt" zu sein hat - sei es durch Weiterbildung, freiberufliche Tätigkeit oder Minijöbchen - oder 'darf' man Ihrer Meinung nach, nicht doch auch mal unumwunden gepflegt Marmelade kochen, (eigene) Kinder betreuen, freiwillig auf Bauernhöfen mitarbeiten oder sonst wie rumexperimentieren? Wie kommt eine solche bewusste, beabsichtigte Auszeit Ihrer Erfahrung nach bei den Personalern an und wie findet man ggf. wieder den Einstieg?" - Was denken Sie darüber?
Falls Sie keine Zeit mit Gedanken über eine berufliche Auszeit verschwenden wollen und eigene Fragen geklärt haben wollen: Jetzt ist der Moment gekommen, um sie zu stellen!
Gerhard Winkler: Alle glücklichen Auszeiter, die ich kenne, hatten so viel Geld gemacht, dass Sie sich ihre Regenerationsphasen auch leisten konnten. Sie waren Freiberufler und fanden als Spezialist ohne Schwierigkeiten wieder zurück in die Arbeitswelt. Oder sie waren Beamte und erfreuten sich ihrer Jobsicherheit. Kann man sich die Distanz zur bisherigen Arbeit finanziell leisten? Mit der Auszeit friert man ja die Ausgänge auf seinem Bankkonto nicht ein.
Wa sman sich noch fragt: Verliert man an Jobkompetenz, wenn man länger aus der Übung ist? Wird man eines Tages erneut – für einen Arbeitgeber plötzlich und unerwartet – auf die Idee kommen, seinen Schreibtisch für Weile zu räumen? Findet man überhaupt zurück in den Job? Solche Fragen sollten Sie nicht quälen, wenn die Finanzierung Ihrer Auszeit steht. Tun Sie es. Auch die Kindererziehung benötigt eine Auszeit –die ist in Deutschland gesetzlich geregelt und hoffentlich allenthalben akzeptiert.
Gerhard Winkler: Hallo, Emil, hallo Sascha ... schön, dass Sie hereinschauen! Hallo, Zahlenrodeo - was tut sich bei Ihnen?
zahlenrodeo: Zur Zeit leider nichts. Ich arbeite an Initiativbewerbungen bzw. der Vorbereitung auf Bewerbungsmessen. Alternativ denke ich über einen Jobwechsel nach.
Gerhard Winkler: Zahlenrodeo, habe ich Ihren aktuellen Lebenslauf schon gesehen?
zahlenrodeo: Ja Herr Winkler, mein Lebenslauf und meine Bewerbung ist schon von Ihnen resp. Frau Laws optimiert worden. Sie hatten mir im letzten Jahr auch mein Arbeitszeugnis geschrieben.
Gerhard Winkler: Ich muss da noch einmal reinschauen. Mir ist nicht klar, weshalb Sie noch nicht ihren Wunschjob haben.
zahlenrodeo: Dann schicke ich Ihnen meinen Lebenslauf und meine letzte Bewerbung gleich zu. Die letzte Absage bekam ich, da ich weniger Berufserfahrung hatte als eine Mitbewerberin.
Gerhard Winkler: OK. Ich schaue, ob ich etwas nachjustieren muss.
Bono: Was ist Ihrer Meinung nach der Grund, dass Personalverantwortliche Probleme mit Bewerbern haben, die einen ungeraden Lebenslauf (Patchwork) haben?
Gerhard Winkler: Hauptprobleme mit Bewerbern, die einen durch Brüche und Leerzeiten gekennzeichneten lebenslauf vorlegen: Fachliche Kompetenz schwer einzuschätzen. Vertrauenswürdigkeit, Verlässlichkeit, Belastbarkeit, Durchhaltevermögen unklar. Motivation fragwürdig.
Pritt: Sie schrieben u. a.: "Hauptprobleme mit Bewerbern: Motivation." -- In den Stellenanzeigen verraten die Jobanbieter wenig bis nichts über die gewünschte Motivation (im Gegensatz zu den Qualifikationen) und eine Standardmotivation gibt es wohl nicht. Welche Signale über meine Motivation sollte ich dem Jobanbieter senden; im Anschreiben; im Lebenslauf; im Telefonat; im Bewerbungsgespräch? Bitte Beispiele.
Gerhard Winkler: "Motivation" beantwortet die Frage: Was bewegt Sie, sich ausgerechnet bei dieser Organisation zu bewerben? Warum wollen Sie sich dirt vertraglich binden? Was gewinnt die Orgnaisation? Und genau so wichtig: Was haben Sie persönlich davon? Mögliche Antworten, die immer konkretisiert werden müssen: Die Organisation profitiert enorm von Ihrem Engagement. Sie können dort Ihr Leistungspotential voll ausschöpfen. Sie sind die Fachperson, die mit ihrem Wissen und Können eine Lücke schließt. Sie arbeiten an der Lösung von Aufgaben mit, für die Sie der Spezialist sind etc.
Bono: Enthält ein Lebenslauf längere Lücken oder andere Ungereimtheiten, sollte man dann bereits im Anschreiben erklärend darauf eingehen? Mein Lebenslauf ist leider auch vielen Unternehmen zu ungerade! Ich habe derzeit auch einen Job, der eigentlich unter meiner Qualifikation ist! In der Bewerbung gehe ich mit folgenden Satz darauf ein: Leider enthält mein Lebenslauf einige Schlenker: Da ich niemals auf Sozialleistungen angewiesen sein wollte, habe ich teilweise auch berufsfremde Tätigkeiten und kurzfristige Aushilfsjobs angenommen. Insgesamt habe ich aber über 18 Jahre in kaufmännischen Aufgabenfeldern (einschließlich Ausbildung zum IHK geprüften Bürokaufmann) gearbeitet und sehe hier auch meine beruflichen Stärken.
Gerhard Winkler: Ohne Ihren Fall zu kennen: Ich würde mich immer hüten, im Anschreiben zu erklären, zu erläutern, zu rechtfertigen, zu kommentieren. Ja, nur anzugeben, was war, fällt einem sehr schwer. Doch Ihre Ausführungen schwächen Sie enorm! Leider ist die Redeeinleitung, die kein Vorgesetzter hören möchte.
eiskalt: Hallo - Thema Auszeit: Wie *erklärt* man eine sehr lange (unfreiwillige) Zwangspause? Ist es ratsam, bereits im Anschreiben darauf einzugehen? Wenn ja, wie macht man das ohne in Erklärungsnot zu geraten oder es nach Rechtfertigung aussieht?
Gerhard Winkler: Die Auszeit erklären bringt argumentativ null - deshalb im Anschreiben allenfalls am Ende als eine Begründung für die besonders hohe Motivation erwähnen.
eiskalt: *Ich bin sehr motiviert, bald Ihre neue Mitarbeiterin zu sein* Klingt nach leerer Floskel!
Gerhard Winkler: „Als Ihre neue Mitarbeiterin in der Speiseeisprodukton kann ich meine Erfahrung in der Gelatineherstellung und mein Molkereifachwissen wirkungsvoll und nachhaltig umsetzen.“
Michael: Ich möchte endlich wieder in den Berufsalltag zurückkehren. Seit einer mehr als 1,5 jährigen Auszeit bin ich immer noch auf der Suche nach einer Anstellung im Energiebereich!
Gerhard Winkler: Diese Auszeit war Ihnen sicher aufgezwungen worden. Was können Sie zur Energieversorgung beitragen?
Michael: ich bin Diplom-Betriebswirt und habe Energie und Recycling Management studiert.
Gerhard Winkler: Energie und Recycling Management: Das ist doch eine Wachstumsbranche. Warum sind Sie noch nicht im Geschäft?
Michael: Mein Beitrag zur Energieversorgung sind Kenntnisse in sämtlichen Bereichen der Versorgung, zum Beispiel Versorgungsrecht, Versorgungswirtschaft, grundlegende BWL, etc.
Gerhard Winkler: Sie wollen aber mit Ihrem Einsatz in einer Organisation nicht sämtliche Bereiche der Energieversorgung abdecken. Was wollen Sie genau tun?
Michael: Ich habe nur 10 Monate Berufserfahrung seit meinem Studienende und bin schon 30 Jahre alt! Diese Zahlen passen bei den meisten Personalern wohl nicht ganz zusammen!
Gerhard Winkler: Das ist eine Situation, in der ich als 30-jähriger Einsteiger immer zuerst zum Telefon greifen würde. Wenn Sie kurz umreißen, was Sie befähigt und direkt fragen, ob Ihr Alter ein Hindernisgrund ist, kann man Ihre Bewerbung nicht kommentarlos verschwinden lassen. Im Gespräch überzeugt man weit eher als in einem Schreiben. Rufen Sie an, verkaufen Sie Ihr Leistungspotential! Dies sagt ich Ihnen als Meistertexter!
Michael: ich habe in diesen 10 Monaten bereits erste Berufserfahrung im Projektmanagement sammeln können, hier möchte ich mich weiterbilden und weiterentwickeln. Diese generalistische Ausbildung macht mich eigentlich zu einer vielseitig einsetzbaren Person, aber selbst bei Initiativbewerbungen zog ich bisher immer den Kürzeren.
Gerhard Winkler: Entwerfen Sie sich in der schriftlichen Bewerbung versuchshalber als (angehender) Spezialist.
Michael: Selbst wenn ich durch diese Vielseitigkeit die Anforderungen der Stellenausschreibungen in vollem Umfang erfüllen konnte, standen mir stets Berufserfahrung (zu viel oder zu wenig) und das entsprechende Alter im Wege. Selbst wenn ich mich nun als "angehender" Spezialist versuchen sollte, hätten die Unternehmen doch wieder einen weiteren Grund mir abzusagen, da sie sich mich nicht mehr formen können oder sehe ich das falsch?!
Gerhard Winkler: Die Bereitschaft sich formen zu lassen drücken Sie im Gespräch so aus: „Ich möchte jetzt erst einmal Team- und praktische Projekterfahrung gewinnen und meinen Platz als Produktmanager für Sternenfeuer unter den erfahrenen Kollegen finden.“ Haben Sie sehr lange studiert? Falls ja, weshalb?
Michael: Ich habe 9 Semester studiert. Habe mit 23 Jahren angefangen und mit fast 28 Jahren mein Studium beendet.
Gerhard Winkler: Ich bin ziemlich sicher, dass Sie nur ihr Vermarktungsverhalten ändern sollten: Direkt ansprechen, den telefonischen oder persönlichen Kontakt suchen, schriftliche Bewerbung nachreichen.
Michael: Haben Sie denn einen Tipp wie ich mein Vermarktungsverhalten ändern könnte? Sollte ich mal Ihren Bewerberdienst in Anspruch nehmen?
Gerhard Winkler: Ich bin als Betriebswirt ein angehender Spezialist für transveganische Sternenergie, habe mein 1,9-Studium in 9 Semestern innerhalb der Regelzeit absolviert, bin aber aufgrund einer ersten Ausbildung plus 2 Jahren Berufserfahrung nicht der typische Absolvent. Können Si emit einem tüchtigen, befähigten, willigen und formbaren 30er etwas in Ihrem Produktmanagement anfangen? – Mein Bewerberdienst eignet sich für alle, die bereit sind, etwas Geduld aufzubringen, bis ich mich um ihren Fall kümmere. Sorry, aber trotzdem Sigrun Laws mir Arbeit abnimmt, bin ich mit der Bewerberberatung ein bisschen hintendran … (Falls ich mich mal nicht rühre: Sigrun Laws sigrun.laws@jova-nova.com anschreiben!)
mitleserin: Hallo! Ich bin Absolventin und stehe gerade vor meinem (aller)ersten Vorstellungsgespräch (keine Auszeit daher in Sicht bzw. geplant). Leider (?) bin ich eine eher zurückhaltende Person und hab eher wenig Kontakt zu Menschen, sodass ich mir diesbezüglich Gedanken mache, ob ich "wortgewandt" genug bin, um auch spontan auf Fragen reagieren zu können, auf die mir keine Antwort einfällt. Denn ich will auch nicht einfach irgendwas daher reden, das widerstrebt mir.
Gerhard Winkler: Mitleserin, schön, dass Sie das Wort ergreifen! Überlegen Sie vor dem Jobinterview, was der Rekrutierer sich über Sie merken soll. Das flüstern, suggerieren, hämmern Sie dann ein. Sie haben eine Botschaft. Bringen Sie die rüber! Trainieren Sie unbedingt, auf alle Fragen konkret, anschaulich, faktisch und spezifisch zu antworten. Keine Allgemeinplätze und Generalisierungen! Reden Sie wie ein alttestamentarischer Prediger. Nennen Sie die Weide Weide. Und nicht etwa: Rast- und Futtergelegenheiten. Sagen Sie Gras zum Gras und Kunden zu den Schäfchen.
mitleserin: Und falls mir selbst bei sehr guter Vorbereitung auf die meist gefragten Fragen dann bei einer unvorhergesehenen Frage spontan nichts einfällt, wie fülle ich die Zeit oder wie reagiere ich? Schweigen oder Herumstottern ist ja keine Lösung.
Gerhard Winkler: Aus Winklers Regeln zur Selbstvermarktung: "Nutzen Sie jeden Anlass - auch die dreiste Unterstellung oder die Stressfrage, um gut über sich zu sprechen." Sie haben eine Agenda. Die bringen Sie durch. ERHOFFEN Sie unvorhergesehene Fragen. Die fordern Sie mächtig heraus, unerschütterlich von sich Gutes anzuführen und zu berichten. Wenn Sie sich dabei wiederholen: Umso besser! Dann prägt sich das Ganze auch mehr ein.
München: Hallo Herr Winkler! Ich war bei Ihrem Bewerber Seminar in Berlin. Was mache ich mit meiner Position Assistentin der Geschäftsleitung? Nachdem dies immer als "Hiwi"-Position wahr genommen wurde, habe ich jetzt Projektmanager Marketing & Sales als Assistenz GF in den Lebenslauf geschrieben? Was meinen Sie? Grüsse aus München
Gerhard Winkler: Ich würde den Titel so lassen - das steht ja auch im Zeugnis. Und ich würde eben in Anschreiben und Lebenslauf klar herausarbeiten, welche Funktionen ich übernommen habe. Schon im Workshop war ich ein bisschen verblüfft, dass man den Assistentinnen-Job anscheinend so gering schätzt. Hey, Sie waren die rechte Hand des Chefs: Sie haben das Geschäft auf die harte Tour erlernt!
München: Okay. Danke. Werde ich es so versuchen. Ja, leider zeigt die Erfahrung in den Gesprächen anderes. Ich wäre auch nie auf den Trichter gekommen, dass die Position als solches wahrgenommen wird. Mein Gespräch für die Stelle als Produktmanager bei Fressnapf ist nächste Woche. Was ist eine gute Antwort auf die Frage, warum sollten wir gerade Sie nehmen, alle bringen Erfahrung als Produktmanager mit, warum gerade Sie?
Gerhard Winkler: Holen Sie ein Foto von Ihrem Schnuffi aus der Mappe und zeigen Sie es denen. Sagen Sie: "Mein Partner sorgt dafür, dass ich mich in den Job voll reinknien werde."
München: Ich würde für die Stelle als Produktmanager bei Fressnapf von München nach Krefeld bei Düsseldorf umziehen - nur wegen des Jobs. Klingt das etwas nach Verzweiflung? Ist es eine Muss-Tat, weil ich mich bereits in der Arbeitslosigkeit befinde? Sollte ich besser einen privaten Grund vorschieben, macht es das glaubwürdiger, besser in der Argumentation?
Gerhard Winkler: Ich gehe dorthin, wo mir der Napf gefüllt wird. Nun gut. Sie haben kein Problem damit, München zu verlassen, wenn der Job stimmt.
München: Leider habe ich das Zeugnis - von meinem letzten Arbeitgeber (bis 31.07.2010 beschäftigt) immer noch nicht erhalten, nach bereits 2-maligen netten Erinnern wurde es mir für Mitte September zugesichert, kam aber nicht. Ich benötige es dringend für Fressnapf. Wie schreibe ich eine weitere Erinnerungsmail, ohne gleich mit dem Anwalt zu drohen, aber freundlich und bestimmt zu wirken?
Gerhard Winkler: Zeugnis vorformulieren, hinschicken, Frist setzen und rechtliche Schritte ankündigen, falls man die erneute Frist verstreichen lässt.
München: Habe eine Gehaltsspanne von x2.000 - x4.000 Euro angegeben. Wie schaffe ich es in der Verhandlung, nicht beim untersten Wert festgenagelt zu werden?
Gerhard Winkler: Ich würde Sie unten festnageln - In Zukunft NIE MEHR eine Spanne angeben.
München: Am Besten gar keinen Gehaltswunsch angeben? Auch wenn explizit gefordert? Falls konkreter Gehaltswunsch zu hoch ist und ich mich aus dem Rennen katapultiere, erfahre ich es ja nie, dass das Gehalt der Grund hierfür war. Oder?
Gerhard Winkler: Machen Sie im Anschreiben einen realistischen, nicht zu bescheidenen, auf 1000 Euro abgerundeten Alles-Inklusive-Gehaltsvorschlag.
Moni: Hallo, ich bin schon seit einer halben Ewigkeit auf der Suche nach einer neuen Anstellung. Meine Unterlagen habe ich ja schon von Ihnen überarbeiten lassen, positives Feedback bekomme ich, aber bis ins Vorstellungsgespräch habe ich es trotzdem noch nicht geschafft. Potenzielle Arbeitgeber zu finden ist auch sehr schwer, über die Jobsuchmaschinen inserieren viel zu viel Zeitarbeitsfirmen und Vermittler.
Gerhard Winkler: Nehmen Sie sich eine Woche Zeit und telefonieren Sie 150 Firmen an. Wenn Sie damit fertig sind, gehen Sie in das nächst gelegene Thermalbad oder auf den Golfplatz und nehmen Sie eine Mini-Auszeit.
Moni: Gut gesagt, allerdings weiß ich gar nicht wo ich ansetzen soll, weil ich mich für keine bestimmte Branche bewerbe.
Gerhard Winkler: Liebe Moni, fangen Sie an, sich festzulegen. Das Sie prinzipiell offen sind, hat Ihnen keine Tür geöffnet.
loewe56: Bei mir hat sich (leider) nix geändert (auch mein Status ist unverändert). Nach wie vor bin ich in meiner "Tretmühle" und nach wie vor im Prinzip eigentlich "unzufrieden". Aber es ist halt leicht gesagt in meinem Alter, mal was Neues anzufangen. Mein Banker hat mir jedenfalls davon abgeraten irgendeine Art Druck auf meinen AG auszuüben, weil ich dann u. U. ganz schnell einen anderen Status habe, nämlich den ohne Beschäftigung.
Gerhard Winkler: Sie sind in einem Job. Für Bewerber ist das eine Pole-Position. Betreiben Sie geduldig und diskret den Wechsel. Signalisieren Sie doch zugleich diskret Ihrem Arbeitgeber, dass er an den Jobbedingungen ein paar Stellschrauben verändern kann, damit Sie als glücklicher Manager mehr leisten. Unterschätzen Sie nicht die Macht der subtilen und geduldigen Diplomatie!
Helga: Schönen Abend, Herr Winkler. Die Frage, "welches sind Ihre Schwächen", was kann man da als Antwort geben außer das abgedroschene „ich bin ungeduldig“ oder „ich bin sehr direkt“ oder „ich neige zum Perfektionismus“. Das wird leider nicht mehr abgekauft. Was ist Ihre Meinung?
Gerhard Winkler: Was machen Sie beruflich?
Helga: ich bewerbe mich derzeit als Bankkauffrau, da das auch meine Ausbildung ist. Bis jetzt habe ich in dem Bereich keine Chance gehabt und bin schon über 10 Jahre im Vertrieb und der Auftragsbearbeitung tätig.
mitleserin: Zur Frage von Helga: Mittlerweile hab ich auch so viele "Bewerbungstipps" gelesen, dass fast nichts mehr "erlaubt" ist zu sagen. Wenn Perfektionismus z.B. nicht mehr glaubwürdig ist - was mache ich denn dann, wenn genau das aber meine tatsächlichen Schwächen darstellt? Ich dachte immer, man soll authentisch sein. Dass andere Bewerber das einfach vorgeben, obwohl sie gar nicht perfektionistisch sind (nur daher kann ja die Unglaubwürdigkeit kommen) - dafür kann ich ja nichts.
Gerhard Winkler: Hinterlassen Sie unbedingt den Eindruck, authentisch zu sein, aber seien Sie es um Himmelswillen nicht! Warum antworten Sie immer alle mit Adjektiven? Perfektionstisch, ungeduldig etc. Warum antworten Sie nicht mit einem ganzen Satz? "Für meine Diplomarbeit habe ich das Zeitlimit voll ausgekostet, weil ich sie perfekt haben wollte."
Helga: @ Mitleserin: vielen Dank für die Antwort, aber ich denke, dass das leider bei Personalern nicht mehr gut ankommt, da sie es schon 1000 mal gehört haben.
Gerhard Winkler: Die Schwächen einer Bankkauffrau, die im Vertrieb und in der Auftragsbearbeitung leidet und jetzt wieder für ein Finanzinstitut arbeiten möchte: „Ich bin ein Zahlenmensch. Im Vertrieb musste ich mir die Methoden der Verkaufspsychologie erst mühsam aneignen.“
mitleserin: Vielen Dank für Ihre Antworten, Herr Winkler! Noch kurz zur Gehaltsvorstellung: als Berufsanfänger schaut man in den Tabellen nach, was "üblich" ist. Aber das schwankt ja auch stark. Was in dem konkreten Unternehmen wirklich möglich ist, kann man aus keiner Tabelle schlussfolgern. Also doch ein Schuss ins Blaue. Falls man nicht die Erwartung des Arbeitsgebers trifft - ist es dann problematischer, zu hoch oder zu niedrig angesetzt zu haben?
Gerhard Winkler: Orientieren Sie sich als Einsteigerin an Tabellen und an allen Infos, die Sie kriegen können. Notieren Sie die Werte. Kalkulieren Sie den Standort des Unternehmens (teure Großstadt?), die Unternehmensentwicklung, das Angebots- und Nachfrageverhältnis auf dem Jobmarkt ein. Ich würde nur in begründeten Fällen einen Gehaltswunsch äußern, der höher ist als die größte Zahl, die Sie notiert haben.
Helga: Herr Winkler, danke für den guten Tipp, nur noch eine Frage heute Abend. Ich hatte am 6.9 ein Vorstellungsgespräch bei einer Bank, habe auch einen Nachfassbrief geschrieben. Nach einigen Tagen habe ich auch angerufen, um nach den Stand des Bewerbungsverfahrens zu fragen. Meine Ansprechpartnerin hat sich für den Nachfassbrief rechtherzlich bedankt und sie war angenehm überrascht, dass ich mich auch telefonisch erkundigte und sagte, dass die Entscheidung am 01.10 fällt. Bis heute habe noch nichts bekommen (kein Antwort, keine E-Mail, kein Brief) Ist es ratsam, nochmals anzurufen und zu fragen, wie es aussieht?
Gerhard Winkler: Klar, rufen Sie an. Oder wollen Sie, dass Sie die nächsten Tage an nichts anderes mehr denken können? Danke fürs Mitmachen! Tschüss!
moebius: Hallo Herr Winkler, in Social Communities kommen sogenannte "Empfehlungen" immer mehr in den Trend. Taugen entsprechend Empfehlungsschreiben in einer Bewerbung etwas und wie grenzen Sie Empfehlungsschreiben inhaltlich und formal von Arbeitszeugnissen ab? In welchen Fällen empfiehlt sich ein Empfehlungsschreiben statt (oder neben) einem Zeugnis in einer Bewerbung? Leider gibt es auf jova-nova.com noch kein eigenes Kapitel für Sinn und Zweck von Empfehlungsschreiben.
Gerhard Winkler: Gefälligkeitsschreiben sind meist nicht substantiell, unfundiert, unspezifisch und weit ab von der Sprache der Leistungsbeschreibung. Da sie alle gleich klingen, wird man sie nicht ernst nehmen. Als Lobgesang auf die Soft Skills sind sie einfach nicht ernst zu nehmen. Empfehlungsschreiben sind dann gut, wenn sie von realen Begebenheiten handeln: Auftrags- oder Lernverhältnisse, gemeinsame Projektarbeit, Leistungen und Erfolge, die Sie über einen beobachteten Zeitraum erbracht haben etc.
Löwenbräu: Hallo Herr Winkler: Ich bräuchte einen genialen winklerguten Opener für eine Initiativbewerbung - ohne den Ansprechpartner zu kennen. Danke.
Gerhard Winkler: "Sehr geehrter Herr Hofersee, als Chefbrauer der Löwenbräu AG in München bin ich maßgeblich an der Entwicklung von Premum Neukölln, eines untergärigen, alkoholfreien Bieres für den Berliner Markt beteiligt." - Starten Sie einfach direkt mit dem stärksten Argument in Ihrem Arsenal.
Sam: Eines Vorab, in diesem Lande ist man mit 47 Jahren zu alt! Es bring herzlich wenig zu diskutieren über Zuwanderung und sonstiges. Es ist einfach so.
Gerhard Winkler: Sam, als Balletratte oder Fußballer sind Sie mit 47 wahrscheinlich zu alt für den Job. In den meisten anderen Jobs macht Erfahrung einen attraktiver.
Gerhard Winkler: Die Zeit ist ledier schon um. Schade! Auf Wiederchatten!
zahlenrodeo: Noch einen schönen Abend Herr Winkler und vielen Dank.
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
Zurück zur Übersicht »