Moderator: Willkommen beim offenen Chat mit dem Bewerbungshelfer Gerhard Winkler.
NK: Ich muss eine Bewerbung per Post schicken. Wie soll ich meine Unterlagen in der Bewerbungsmappe stellen? Was soll ich wohin stellen? Vielen Dank!
Gerhard Winkler: Einfacher Klemmhefter, transparente Vorderseite, dezente Farbe. Anschreiben lose. Lebenslauf ohne Deckblatt. Zeugnisse absteigend chronologisch. Akademische Nachweise als Berufseinsteigerin zuerst.
NK: Vielen Dank Herr Winkler. Ich habe meinen Lebenslauf und mein Anschreiben nach Ihren Tipps geschrieben und freue mich, dass es mir gelungen ist, meine Unterlagen gut vorzubereiten. Meinen Sie mit dem losen Anschreiben, dass es gar nicht in der Mappe hinein kommt, sondern nur im Brief oder schon in der Mappe, nur nicht angeheftet? Danke!
Gerhard Winkler: Sie können ein Anschreiben in den Hefter legen oder mit dem Hefter in den Umschlag stecken. Wirklich wichtig ist der Gehalt (die äußere Form insoweit, als dass Sie sichtlich die Gepflogenheiten der geschäftlichen Korrespondenz befolgen).
Manfred: Sehr geehrter Herr Winkler, ich habe eine Frage zum Versand der Bewerbungsmappe. Stimmt es, dass das Anschreiben immer lose auf die Bewerbungsmappe gelegt werden soll (auch wenn es ein Plastik-Schnellhefter mit nur einer Schiene ist) und nicht mit eingeheftet werden soll? Viele Grüße, Manfred.
Gerhard Winkler: Das Anschreiben hat man früher separat gehalten, weil die Bewerbungsmappe zurückgeschickt wird und das Bewerbungsschreiben im Unternehmen verbleibt (bzw. dort geshreddert wird). Dass Sie es nicht einheften, hat auch den positiven Effekt, dass der Blick auf den Lebenslauf unverstellt bleibt.
Planlos: Hallo, wenn bei einer Online-Bewerbung das Anschreiben in den E-Mail Text eingefügt wird, kommt dann dasselbe Anschreiben in den PDF-Anhang, so wie Lebenslauf, Zeugnisse und Referenzen?
Gerhard Winkler: Aufwendige Bewerbung für große Unternehmen: ja, Anschreiben doppeln! Bewerbung um Assistenzfunktion, bei der man für den Boss korrespondiert, Präsentationen gestaltet und sich auch sonst formvollendet verhalten wird: ja, das Anschreiben als PDF doppeln!
ABSolution: Es geht ja heute primär um Online-Bewerbungen, oder? Ich bewerbe mich vornehmlich per E-Mail und habe Ihre Tipps dazu soweit durchgearbeitet. Habe ich das richtig verstanden, dass ich die E-Mail an den Ansprechpartner mit demselben Text versehe, den ich auch im Anschreiben (Anlage als PDF) verwende?
Gerhard Winkler: Oh, das deckt sich mit der Anfrage von Mitchatter Planlos. Sie brauchen üblicherweise das Anschreiben nicht als PDF zu doppeln. Der Mailtext reicht doch.
Planlos: Hallo Herr Winkler, ich hab eine kleinen Frage, wenn ich bei einer Onlinebewerbung das Anschreiben im E-Mail Text einfüge, wird dann das Anschreiben noch mal in den Anhang zu dem Lebenslauf und den Zeugnissen eingefügt?
Gerhard Winkler: Wie in der Diskussion bereits gesagt: Eigentlich ist das nicht notwendig, außer Sie möchten auf Nummer sicher gehen, dass jeder, an den es weiter geleitet wird, ein formidabel gelayoutetes, DIN-korrektes Anschreiben öffnen kann.
NK: Wie kann ich meine Bewerbungsmappe (pdf) komprimieren? Sie ist jetzt 11MB. Danke!
Gerhard Winkler: Ich kann’s nur mit Apple Mac.
NK: Ich habe auch ein Mac!
Gerhard Winkler: Oh, ich habe drei. Nö, 4.
Meine Mitstreiterin Sigrun Laws hat die aktuellen Freeware-Hilfsmittel recherchiert. Ihr Tipp:
Bei der Erzeugung eine geringere Qualität oder Auflösung anfordern.
Kostenlos PDFs generieren mit: www.chip.de/downloads/PDFCreator_13009777.html
Komprimieren zum Beispiel mit www.chip.de/downloads/Free-PDF-Compressor-1.12_20842691.html
zed: Hallo Herr Winkler, vielen Dank für Ihren Bewerbungs-Kurzcheck. Ich habe nun mehrere Einladungen zu Bewerbungsgesprächen erhalten. Dazu habe ich folgende Fragen: Wie antworte ich souverän, wenn ich auf mein abgebrochenes Studium angesprochen werde? Ich hatte eine ernsthafte psychische Erkrankung, die mich auch noch Jahre danach keinen festen Tritt im Leben finden ließ. Soll ich das als "Lebenskrise" umschreiben? Wenn man eine Krankheit im Gespräch erwähnt, kommt manchmal die Frage: "Darf man denn fragen, was für eine Art Krankheit das war?" Will man dann nicht näher darauf eingehen, macht das doch misstrauisch. Auch die Jahre nach meinem abgebrochenen Studium habe ich sehr viele und lange Lücken in meinem Lebenslauf. Ehrlich gesagt, war ich ALG II Empfänger, hatte mich ziemlich hängen lassen und keine Motivation, irgendetwas zu machen. Das kann man so im Bewerbungsgespräch natürlich nicht sagen, aber ich weiß nicht, wie ich möglichst souverän reagiere, wenn ich darauf angesprochen werde. Beste Grüße, zed.
Gerhard Winkler: Wissen Sie was: Ich würde dem Gesprächspartner in die Augen schauen und sagen: Ich hatte eine Depression und ich habe wieder herausgefunden. Und dann tragen Sie noch einmal die Argumente vor, die dafür sprechen, dass man Ihnen diese Bewährungschance gibt.
Katinka: ich habe am Montag ein Vorstellungsgespräch für meinen Traumjob. Haben Sie Tipps, wie ich am besten mit der Nervosität umgehen kann? Atemübungen?
Gerhard Winkler: Bitten Sie um Wasser oder Kaffee. Sie können, wenn Sie einen Blackout haben, immer zuerst langsam einen Schluck trinken. Versuchen Sie nicht, Ihre Aufgeregtheit zu überspielen. Gehen Sie aber auch nicht verbal darauf ein. (Keine Meta-Kommentare in einer Performance-Situation!) Nervosität teilt manche Merkmale mit aktivem Interesse. Darum: Vorbeugen, den Blickkontakt halten, zustimmend nicken. Lächeln. Widmen Sie Ihre Nervosität in Übereifer um. Nach einer Weile beruhigen Sie sich sowieso. Ich würde den Lebenslauf vor mir auf den Tisch oder auf den Schoß legen. Wegen dieses Profils wurden Sie ausgewählt. Diese zwei, drei Blätter geben Ihnen Kraft, Ruhe und Zuversicht.
Katinka: Danke für die Tipps, werde ich beherzigen. Das Vorstellungsgespräch habe ich bekommen, nachdem ich Ihre Vorschläge beherzigt habe und mein Anschreiben und Lebenslauf komplett umgeschrieben habe. Und auch das Deckblatt habe ich verbannt. Also vielen, vielen Dank an Sie!
Gerhard Winkler: Gern geschehen! Empfehlen Sie mich weiter!
findnix: Hallo Herr Winkler, manchmal habe ich bei einem Vorstellungsgespräch das Gefühl, dass mein Gegenüber gar nicht weiß wer ich bin, sondern erst in meiner Gegenwart die Unterlagen studiert. Was soll man da für einen Eindruck bekommen?
Gerhard Winkler: Wie Ihr Name sagt: Sie finden nix dabei, den Interviewer mit einem Mini-Vortrag in Ihr Profil einzuweisen. Ich würde das sogar tun, wenn die Gesprächspartner mir zu Beginn des Interviews meinen Lebenslauf dreistimmig vorsingen! Man kann wahre und gute Dinge nicht oft genug aussprechen. Das Eignungsprofil bzw. Erfahrungsprofil gehört dazu!
findnix: Warum wird man nicht immer zu einem Gespräch eingeladen? Durch eine Mappe lern ich mit Sicherheit nicht mein Gegenüber kennen, dahinter steckt ein Mensch, verstehen das die Arbeitgeber nicht?
Gerhard Winkler: Ihre Mappe bildet Ihre Jobeignung ab. In allen Mappen stecken Menschen und Schicksale. So mancher, der Sie nicht einlädt, macht sich durchaus Gedanken über Sie und Ihren bisherigen Weg. Dass man Sie als Mensch respektiert, steht doch außer Frage.
findnix: Aber dennoch sollte sich mein Gegenüber mit meinen Unterlagen befasst haben, man lädt mich ja schließlich ein, oder macht das die nette Bürotante?
Gerhard Winkler: Sie können als Bewerber keine Handlung erzwingen, auch nicht moralisch forcieren. Sie können nichts weiter tun, als die Arbeit von Jobanbietern zu erleichtern und ihnen die Chance auf ein Erfolgserlebnis zu verschaffen.
findnix: Ich such und such und find nix, da verzweifelt man schon, vor allem, wenn man nicht mal eingeladen wird, und dann doch mal eingeladen und doch eine Absage – wozu?
Gerhard Winkler: Lernen Sie Golfen, wenn Sie erfahren wollen, dass etwas auf Dauer wirklich nicht klappt. Jobsuche klappt früher oder später. Und selbst der desparate Golfer locht irgendwann ein.
findnix: Man macht und tut, hat Erfahrungen, bewirbt sich und trotzdem Misserfolge, das kann es doch nicht immer sein!
Gerhard Winkler: Sie können es eben nicht vorab wissen, wie lange ein Durststrecke sein wird. Verlieren Sie nicht den Mut. Man findet irgendwann etwas, auch wenn man dazu sich selbst oder einen Job neu erfinden muss.
Rheinländerin: Hallo Herr Winkler, ich hätte da Fragen bezüglich eines Zwischenarbeitszeugnisses: Ist eine Danksagung in Verbindung mit einer Ausstellungsbegründung angebracht?
Gerhard Winkler: Ja klar. "Wir nutzen die Gelegenheit, um unserer schönen Rheinländerin für die stets gute Zusammenarbeit und für die wertvollen Dienste zu danken. Auch für die Zukunft …"
Rheinländerin: Geht denn auch "Wir danken ihr für die konstruktive und erfolgreiche Zusammenarbeit", wenn zuvor vom Bedauern einer betriebsbedingten Kündigung die Rede ist mit Ausscheidungsdatum Ende Mai?
Gerhard Winkler: Sorry, ich dachte, es geht um ein Zwischenzeugnis. Generell gilt: Ein Zeugnis ohne Dank und gute Wünsche am Ende ist wie ein Tritt in den Hintern, während man aus dem fahrenden Auto geschubst wird.
Rheinländerin: Ja, geht es ja auch, aber sollte da nicht schon der Grund für ein Zwischenzeugnis drinstehen, ich muss mich ja während meiner Nochbeschäftigung noch weiter bewerben.
Gerhard Winkler: Ihnen wurde gekündigt? Sie bekommen aus Kulanz oder Sympathie ein Zwischenzeugnis? Schön, aber fragen Sie Ihren Boss auch, ob er als Referenz fungieren kann.
Rheinländerin: Zum Glück habe ich die Dankesformel noch eingefordert! Ich glaube, mein Arbeitgeber ist da einfach unwissend.
Gerhard Winkler: Unwissenheit ist die besondere Durchtriebenheit von Arbeitgebern.
Rheinländerin: Meine Freundin hat auch ein Arbeitszeugnis (jedoch Studentenpraktikantin) bekommen, dort war eines unklar, ob es nun positiv ist oder ein "Geheimcode" dahintersteckt: "Sie verfügte über eine sehr gute Auffassungsgabe und hat selbst komplexe Zusammenhänge sofort verstanden."
Gerhard Winkler: Ey, sie ist Jungakademikerin! Es ist ein bisschen beleidigend zu erfahren, dass man selbst komplexe Zusammenhänge verstanden hat. Hat sie kapiert, wo das Kopierpapier lagert? Konnte sie einen Zusammenhang zwischen Mausbewegung und Cursorwanderung herstellen?
Rheinländerin: Ich weiß es nicht, oh je, hört sich ja nicht gut an, muss man dann nicht noch auf den eingebetteten Zusammenhang schauen?
Gerhard Winkler: Klar, wenn da folgt: „So überarbeitete sie multidimensionale Pivottabellen zur Berechnung des Materialflusses unserer internationalen Produktionsstätten und Zwischenlager in Johnestown, Malaise-Ville und Stinkelfingen.“
Rheinländerin: Ich habe das erhaltene Zwischenzeugnis selbst ergänzen und ändern können, habe dies auch nun getan, auch mit Referenzen drin - kann ich Ihnen das schicken, vielleicht ist es dann einfacher?
Gerhard Winkler: Ich schaue kurz drüber.
julchen: Hallo, Herr Winkler. Wie geht man am besten mit fehlenden Zeugnissen um? Zum Beispiel habe ich am Anfang meiner Diplomarbeit mit einer Firma zusammengearbeitet, das lief aber nicht so gut und deshalb habe ich kein Zeugnis gefordert.
Gerhard Winkler: Fehlende Zeugnisse sind Zeugnisse, die Sie nicht mehr herbeischaffen können. Kümmern Sie sich nur um das, was sich positiv ändern lässt und ignorieren Sie den Rest.
Ida: Guten Abend Herr Winkler, mein großes Thema ist: Finden der beruflichen Identität. Welche Fragen sollte man sich unbedingt stellen, wenn man den Platz in der Lern- und Arbeitswelt wegen beruflicher Neuorientierung aus eigenem Antrieb neu definieren muss. Was ich bis jetzt nach der Umorientierung gemacht habe und mache, war oder ist ziemlich unspezifisch (Folge fehlender beruflicher Identität und dem Gedanken mal sehen, nehme ich an) und lässt sich nicht mit einem Beruf oder Satz beschreiben.
Gerhard Winkler: Skribbeln Sie auf ein Blatt, was Sie bisher gemacht haben. Was davon wichtig und weiter zu verfolgen ist, überschreiben Sie rot. Was nützlich sein könnte, blau. Was Sie nicht mehr machen wollen, streichen Sie durch. Schreiben Sie auf einem weiteren Blatt das auf, was Sie bisher noch nicht tun konnten, weil Sie keinen gefunden haben, der Sie dafür bezahlt. Finden Sie Ihre Einsatzfelder. Übermalen Sie, heben Sie Zuschreibungen heraus. Ordnen Sie das Ganze. Definieren Sie sich. Vielleicht nur provisorisch. Und dann schauen Sie, für wen Sie wo das tun können. Vermarkten Sie sich.
Ida: Danke schön für die Tipps, ich werde sie direkt umsetzen. Was mir fehlte war eine Vorgehensweise, meine derzeitige Position zu analysieren. Was die eigene Person betrifft, hat man ja oft einen blinden Fleck. Heute weiß ich, es ist so wichtig zu wissen, wo man steht und hin will, sonst gerät man ständig in Schwierigkeiten.
Gerhard Winkler: Sie brauchen einen sicheren Stand. Ein klares Ziel. Koordinierte Bewegungen. Ein gutes Gefühl für Rhythmus. Und Sie müssen am Ende beherzt durchschwingen. – Oh je, wir reden ja schon wieder vom Golfsport …
jk: Herr Winkler, wenn man einen Eingliederungszuschuss bekommt, sollte man das im Anschreiben vermerken?
Gerhard Winkler: Ja, wenn Sie in die Situation geraten sind, dass man einen Arbeitgeber dafür bezuschusst, dass er Sie zahlt, ist das ein wichtiges Argument! Ich würde sogar vorab anrufen und das mit einfließen lassen.
Rheinländerin: Hm, ich wäre mit Eingliederungszuschuss vorsichtig, das war auch mein "Vorteil" als Arbeitskraft und nun habe ich das Gefühl, ich war sowieso nur für ein Jahr eingeplant! Und nun die Kündigung ...
Gerhard Winkler: Ein Jahr Job ist für manchen schon ein Hauptgewinn. Hauptsache, man kommt rein! Alles Weitere ergibt sich dann.
Katinka: Kennen Sie eigentlich den ProfilPASS? Ist es sinnvoll, sich einen solchen zu erarbeiten? "Er dient der systematischen Ermittlung und Dokumentation eigener Fähigkeiten und Kompetenzen, unabhängig davon, wie und wo sie erworben wurden. Er regt dazu an, sich mit dem eigenen Handeln und den dabei genutzten Kompetenzen intensiv auseinander zu setzen, und unterstützt, sich die persönlichen Stärken bewusst zu machen".
Gerhard Winkler: Es gibt sehr viele gute Wege, die zur Selbsterkenntnis und zu einem positiven Selbstbild führen. Wählen Sie die Mittel, die Ihrem Wesen und Ihrer Vorgehensweise am besten entsprechen. Es ist gut, seine eigenen Stärken zu analysieren. Am fruchtbarsten ist es, wenn Ihre guten Qualitäten durch das Feedback und die Bestätigung von Anderen gespiegelt werden.
Andy: Hallo Herr Winkler, ich habe meinen Lebenslauf chronologisch "rückwärts" geordnet. Von den Punkten "Berufserfahrung" über "Berufsausbildung" zu "Schulbildung" reiht sich alles harmonisch in einer Zeitlinie ein. Beim Punkt "Weiterbildung" möchte ich allerdings mehrere berufsbegleitende Maßnahmen angeben, die zeitgleich zur beruflichen Tätigkeit standen. Ist es elegant, diese Punkte unter der Überschrift "Weiterbildung" nach der Schulbildung zu setzen?
Gerhard Winkler: Hi Andy, es reichen die Rubriken: BERUFLICHE PRAXIS AUSBILDUNG - WEITERBILDUNG - KENNTNISSE & FÄHIGKEITEN - ENGAGEMENT ... PERSÖNLICHE DATEN. Der Lebenslauf MUSS NICHT insgesamt (das heißt rubrikenübergreifend) chronologisch aufgebaut seien.
Corinna: Hallo Herr Winkler, ich bin gerade im Erstellungsprozess einer Bewerbung und die Stellenausschreibung verlangt ein Motivationsschreiben. Haben Sie hierzu vielleicht ein paar hilfreiche Tipps? Es handelt sich dabei ja um eine eher ungewöhnliche Anforderung. Vielen Dank. Corinna.
Gerhard Winkler: Motivationsschreiben für eine ungewöhnliche Anforderung: In den ersten beiden Dritteln die Leistungsbilanz vorlegen. Im dritten Teil auf den Bewerbungsgrund und den Konnex mit der Organisation eingehen.
NK: Ist Schrift Adobe Caslon Pro 10.5 ok für das Lebenslauf?
Gerhard Winkler: Adobe Caslon Pro ist eine bewährte und gute Schrift. Bringt vielleicht nicht den Kick des brandheißen, ultracoolen, trendigen Jungkarrieristen.
jk: Herr Winkler, wir wohnen derzeit sehr weit im Süden Deutschlands. Ich bewerbe mich auf Grund meiner Qualifikation praktisch weltweit. Bei Vorstellungsgesprächen merke ich allerdings, dass die Leute auf meinen derzeitigen Wohnort erstaunt reagieren. Ich bin gerade wegen meiner Qualifikation auf Flughäfen angewiesen. Würden Sie empfehlen, dass wir schon im Vorfeld zum Beispiel ins Rhein-Main Gebiet umziehen? Ca. 80 % meiner Bewerbungen sind derzeit in Frankfurt.
Gerhard Winkler: Können Sie keine Scheinadresse angeben? Wenn es wirklich so schlimm ist, dann würde ich klar kommunizieren: Ich bin flexibel. Ich behalte meine Erstwohnung in der Probezeit. Sie müssen den Umzug nicht bezahlen.
t4r: Hallo Herr Winkler und Danke für Ihre Eingebungen bei Ihrem Seminar. Ein Job war mir zu dem Zeitpunkt auch schon sicher, obschon die Gehaltsverhandlung eine kurze Sackgasse war - sprich: weit unter meinen Vorstellungen und Marktwert. Das ist immer noch nicht leicht zu akzeptieren. Andererseits: lieber eine Aussicht mit einer interessanten Entwicklungsmöglichkeit als keine. Haben Sie einen Vorschlag zur optimalen Verweildauer, um dem Eindruck des Job-Hoppings zu entgehen?
Gerhard Winkler: Ein, besser zwei Jahre! Jobhopper wird man heute oft unfreiwillig. Viele Organisationen lassen sich doch selbst vom Motto leiten: Heuern, feuern und stets die gute Absicht beteuern.
Serpentina: Guten Abend Herr Winkler, meine Frage betrifft das Anschreiben. Einerseits soll man keine Vorlagen oder Teile davon verwenden. Andererseits sind bis dato alle Wörter schon erfunden und geschrieben. Was ist Ihre Meinung hierzu?
Gerhard Winkler: Liebe Serpentina: Ihr Anschreiben darf es insgesamt (mit allen Wörtern) nicht zweimal geben. Und (so gut wie) alle Wörter darin sollten konkrete Substantive und starke Verben sein.
Zeus: Als promovierter Akademiker (Geisteswissenschaftler) bewerbe ich mich seit geraumer Zeit ohne Erfolg. Meine Anschreiben sind in der Regel 2 Seiten lang, da mit fast 50 Jahren doch einiges an Berufserfahrung dazu kommt. Sind 2 Seiten zu lang? Es gelingt mir nicht, die wesentlichen Fakten auf eine Seite zu konzentrieren. In den meisten Empfehlungen betont man deutlich eine Begrenzung auf eine Seite. Gruß Zeus.
Gerhard Winkler: Lieber Zeus, Informationsauswahl, Verdichtung auf das Wesentliche, Selbstbeschränkung sind doch gerade unsere Stärken als Männer des Geistes! Kürzen Sie heftig und man beschäftigt sich länger mit Ihrer Bewerbung! Jedern Jobanspruch kann man auf eine Seite verdichten.
Gerhard Winkler: Liebe Chatter, danke für Ihre Fragen! Ihnen allen viel Glück und viel Erfolg!
27 unterschiedliche IPs im Chat (Ohne Moderator und Experte): NK, Serpentina, trude, vanilla, peat, emil, Julebule, Andy, JS, Manfred, Ida, Edmond, t4r, zed, Planlos, Rheinländerin, julia, mk, Neugier2011, marina, findnix, ABSolutions, Marx, Katinka, Zeus, jkordel, julchen, Corinna
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
Zurück zur Übersicht »