Moderator: Willkommen beim offenen Chat mit dem Bewerbungshelfer Gerhard Winkler.
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Hallo, liebe Jobfinder, um diese Stunde, nach der Nikolausbescherung, knabbern wir an frisch gebrannten Mandeln und freuen uns der interessanten Fragen, die heute Abend gestellt und beantwortet werden. Wie immer: Ihre Eingaben werden auf dem Bildschirm erst sichtbar, sobald ich sie beantwortet habe. Schießen Sie los! Jede Frage ist erlaubt!
Maik K.: Hallo Herr Winkler, ich wünsche Ihnen erstmal einen frohen Nikolaus Tag! Nun zu meiner Frage: Ich arbeite momentan als Fahrradkurier auf 400 Basis und bin schon seit 10 Monaten dort angestellt. Da nach 6 Monaten der Vertrag endet, habe ich im August/September weitere 6 Monate verlängern lassen. Nun kommen wir zum eigentlichen Problem, ich wollte mit meiner Familie am Weihnachten in den Urlaub fahren. Da alles schon gebucht war, habe ich dann Ende November den Urlaubsschein ausgefüllt. Als ich ihn abgeben wollte, wurde dann aber gesagt, dass kein Urlaub für Weihnachten mehr vergeben wird. Da ich aber unbedingt Urlaub haben möchte, habe ich mit dem Chef heute geredet. Der sagt mir, wenn ich an diesen Tagen einfach nicht kommen würde, müsste ich Strafe für jeden Brief zahlen. Jetzt überlege ich mir, dort zu kündigen. Kann ich einfach einen Zeitpunkt aussuchen, wann ich gehe ? Und kann mir der Chef auch noch Strafzahlungen anhängen, wenn ich Kündige? Ich bin echt verzweifelt und weiß nicht mehr, was ich machen soll.
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Hallo, Maik. Welche Kündigungsfrist wurde im Arbeitsvertrag vereinbart? Besteht überhaupt ein schriftlicher Arbeitsvertrag? Eine für alle Seiten gute Lösung wäre, einen Ihrer Kollegen dafür zu gewinnen, dass er für Sie einspringt.
Maik K.: Ja ich habe einen Schriftlichen Vertrag, nur weiß ich nicht mehr, wo ich den hingelegt habe :(
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Maik, wenn Sie ihn trotz Suchen nicht finden (er könnte im Ordner MEINE VERTRÄGE & DOKUMENTE oben rechts im Küchenschrank sein), dann schleichen Sie zum Sekretär Ihres Chefs und erbitten Sie von ihm eine Kopie. Wenn es ein Werkvertrag ist, können Sie bezahlten Urlaub in Anspruch nehmen und innerhalb einer kurzen Frist kündigen. In jedem Fall schauen Sie in Ihren Vertrag - nicht, dass man Sie in Regress nimmt, weil Sie dem Dienstleister einen wirtschaftlichen Schaden zufügen, indem Sie einfach nicht zur Arbeit erscheinen.
Maik K.: Der Chef meint, es fehlen so viele, dass 100 % keiner mehr einspringen könnte.
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Ich fürchte, dass Sie nur zu Ihrem Urlaub kommen, wenn Sie den Vertrag aufkündigen. Allerdings besteht wohl in Ihrem Fall vermutlich eine 4wöchige Frist.
Maik K.: Ok danke. Aber mir ist es auch noch wichtig, dass ich noch meinen Lohn ausgezahlt bekomme. Wissen Sie, beim Kurier wird ja nach Briefanzahl bezahlt und diesen Monat waren es besonders viel. Und am 12. oder 13. Dezember bekomme ich meinen Lohn. Nur kann der Arbeitgeber mir dann noch mit Strafzahlungen drohen ?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Arbeitgeber drohen immer mit Sanktionen. Wie weit die gehen, wird man aus dem Vertrag ableiten. Sie könnten sich krankschreiben lassen. Das ist unfair, illoyal und Sie dürfen sich vor allem nicht beim Wassertreten in St. Peter Ording oder beim Shoppen im Alexa-Center erwischen lassen. Nicht ausbezahlte Vergütungen kann man immer noch gerichtlich klären lassen, da reagieren Richter ziemlich empfindlich, wenn man Mitarbeitern etwas vorenthält. Aber wie gesagt, am besten ist, Sie klären alles im Vorfeld, verhalten sich sauber und lassen den Konflikt nicht eskalieren.
Maik K.: Wenn ich mir jetzt den Vertrag nachkopieren lasse, kann ich dann aussuchen. wann ich kündigen will und muss ich ein Kündigungsschreiben entwerfen?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Prüfen Sie, was in Ihrem Vertrag steht. Prüfen Sie vor allem die Vereinbarung zur Kündigung und die angedrohten Sanktionen im Fall einer Pflichtverletzung. Leiten Sie Ihr Handeln daraus ab - in solchen Sachen gibt das Web ganz guten Rat, solange er von juristisch versierten Personen kommt.
Maik K.: Tut mir leid, aber ich will nie der Typ Ich-meld-mich-jetzt-krank-hab-keinen-Bock-zu-arbeiten sein. Kenne das schon von vielen und so etwas will ich nun wirklich nicht tun.
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Einfach krank zu feiern, vor allem ohne rechtzeitige Ansage, ist absolut schofel. Da haben Sie vollkommen recht!
Maik K.: Könnte ich ihnen den Vertrag morgen vielleicht per Mail zusenden ? Vorausgesetzt ich verstehe nicht wirklich, was im Vertrag steht ?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Klar doch.
Maik K.: OK, danke, kann ich auch ein Foto vom Vertrag machen ? Habe leider keinen Scanner zu Hause. Und die Mailadresse finde ich bestimmt auf Ihrer Seite oder ist für dieses Thema eine andere Adresse vorhanden?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: gwinkler@jova-nova.com. Fotografieren Sie leserlich!
Georg73: Guten Abend, Herr Winkler. Herzlichen Dank für Ihr Chat-Angebot! Meine Frage lautet: wie bewerbe ich mich als selbständiger Unternehmensberater am besten? Initiativ? Bei offenen Stellen immer vorab anrufen, wie es oft empfohlen wird?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Haben Sie bisher für einen einzigen Auftraggeber gearbeitet? Weiß der von Ihren Wechselabsichten? Oder sind Sie ein echter Freelancer, der selbst akquiriert?
Georg73: Meine letzten Aufträge habe ich bereits seit längerem abgewickelt, da ich dieses Jahr meine Promotion abgeschlossen habe.
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Sie haben neben der Promotion als Consultant gearbeitet.Jetzt sind Sie frei und sofort verfügbar für die nächste berufliche Aufgabenstellung. Ich würde alle Bewerbungswege nutzen: Profile einstellen, auf Offerten reagieren, Personalvermittler anrufen, in Firmen anrufen, Initiativmails verschicken. Nehmen Sie sich vor, täglich 10 bis 20 Anrufe zu tätigen (wenn Sie richtig gut im Akquirieren sind, natürlich mehr.)
Georg73: Korrekt. Momentan suche ich eine Festanstellung und überlege, übergangsweise bei einer Zeitarbeitsfirma zu arbeiten. Ist dies empfehlenswert und aufgrund Ihrer Erfahrung auch eine Möglichkeit zu einer Festanstellung zu gelangen? Oder ein Malus im CV?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Ich tippe mal, Sie kommen aus dem IT-Umfeld. Klar sind Fachkraftverleiher heilfroh, wenn Sie bei denen anklopfen. Aber warum nicht gleich zu einem Dienstleister, der Sie gut bezahlt?
Georg73: Jein, von der Ausbildung bin ich Historiker, zudem zweites Staatsexamen in Records Management, dann in die Privatwirtschaft als Knowledge Manager+Research, zuletzt im Beratung/Vertrieb von Bildungsdienstleistungen und erfolgreicher Aufbau des Auslandskundengeschäfts für einen Auftrageber. Adecco gab mir jüngst eine Absage.
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Sie können und sollten sich bei jedem Dienstleister, jedem Unternehmen bewerben, das Wissensmanagement benötigt, mit Riesenmengen an Content umgeht oder das einen vertriebsstarken Berater braucht.Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein. Wie schnell Sie etwas finden, hängt nur davon ab, wie stark Sie auftreten. Leute wie Sie sind doch Gold wert. Sie sind Wissensspezialist in einer Wissensgesellschaft.
Georg73: Jetzt bin ich aber baff. Ihre Aussagen sind offen gesagt genau das, was mir hilft. Wahrscheinlich arbeite ich meine Stärken angesichts der ernüchternden Resonanz nicht stark genug heraus, z.B. steht die Antwort auf ein Telefoninterview aus. Man sagte mir eine Antwort bis Ende November zu, eine Mail von mir vom 2.12. (Freitag) blieb bislang unbeantwortet. Ergo: Anrufen?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Sie sind Jobbewerber. Bewerber sind alle einsam. Durchbrechen Sie die Schweigespirale. Rufen Sie an. Sie brauchen nicht wirklich einen Anlass. Sie haben ihn schon: Sie haben ein Leistungsangebot zu machen oder Sie wollen erfahren, warum man drauf nicht reagiert.
Bernd: Hallo Herr Winkler, heute hatte ich ein Mitarbeiter-Gespräch. Es wurden Themen angesprochen, die aus Sicht meines Vorgesetzten Verbesserungspotenzial haben.Ich hätte erwartet, dass mein Vorgesetzter mir kontinuierlich ein Feedback zu meiner Leistung gibt. Hier hat er aber damit quasi ein Jahr gewartet, wodurch auch die Vertrauensbasis gestört wurde. Natürlich wurden Maßnahmen getroffen (Seminare, etc...) und schriftlich festgehalten, was mir die Frage stellt: Ist es richtig, ein Jahr mit dem Feedback zu der abgegebenen Leistung zu warten und dann dem Mitarbeiter zu sagen, was er vor als Beispiel 5 Monaten in einer Situation anders hätte machen können oder sollen?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Genau das würde ich dem Chef MÜNDLICH noch einmal sagen. Ein Jahr Wartezeit bis zu einem Feedback ist viel zu lange. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ein Vorgesetzter nicht immer sofort (oder bei der nächsten Gelegenheit, mit Ihnen in Ruhe unter vier Augen zu sprechen) reagiert – er macht damit einen groben Führungsfehler. Sie erwarten anlassbezogene und zeitnahe Rückmeldung. Formulieren Sie das NICHT schriftlich. Was man gesprächsweise lösen kann, macht man per Mail zum Riesenproblem.
Rico: Guten Abend Herr Winkler. Nochmals vielen Dank für den lehrreichen Workshop Anders bewerben. In meiner Nachbereitung ist mir aufgefallen, dass Sie im Bewerbungsanschreiben den Absender bzw. den Bewerber mit dem akademischen Abschluss nennen. Wie verhält es sich denn nun bei zwei verschiedenen akademischen Graden? Bei würde es in etwa so aussehen: Dipl.-Ing. (FH) Vorname Nachname M. Eng.
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Hi, Rico. Klar geben Sie im Schriftverkehr und auf Profilseiten immer alle Ihre Titel an. Ja, das ist elitär und es diskriminiert alle ebenso starken und ebenso tüchtigen Mitmenschen ohne förmlichen Abschluss. Doch das nehmen wir im Interesse des korrekten Nachweises Ihres Bildungsstands solange in Kauf, bis die nächste förmliche Anweisung aus Brüssel oder Berlin kommt, dass wir uns ab sofort alle nur noch mit Vornamen anreden, genderkonforme Kameradschaft schwören und unterschiedslos von uns allen gleich Gutes denken. (Ich zum Beispiel tu das schon, bin Vorbild und fühle mich deshalb nicht besser!)
Christian H.: Guten Tag, ich habe 2003 meinen Abschluss zum Industriemechaniker gemacht und nebenberuflich 2009 meinen Abschluss zum staatlich geprüftem Techniker. In dieser ganzen Zeit bin ich bei der Firma beschäftigt, in der ich auch ausgebildet wurde. Innerbetrieblich komme ich leider nicht weiter und meine Qualifikation verliert mit jedem Jahr mehr an Wert. Soll ich meine Firma abschreiben oder haben Sie noch Tipps?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Hi Christian. Keine spannenden Aufgaben, keine Aufstiegschancen, keine Weiterbildungen, kaum Gehaltsverbesserung: Prüfen Sie, wie vermarktbar und konkurrenzfähig Sie auf dem Jobmarkt derzeit sind. Zwingen Sie sich zu fachlichen Weiterbildungen, wenn Sie merken, dass Sie langsam abgehängt werden. Mustern Sie den Jobmarkt durch: Was wird von einem staatlich geprüften Techniker heute erwartet? Und dann betreiben Sie sehr diskret, aber auch sehr energisch den Jobwechsel. Ihr Vertrag bindet Sie nicht für immer! Prinzipiell ist es gut, nach der Ausbildung etwas mehr von der Welt zu sehen.
Stevens: Hallo Herr Winkler, zwei Bewerbungen mit Hilfe der Infos und Anregungen aus Ihrer Internetseite und zwei Gespräche! Hoffe das klappt dabei auch so gut. Haben Sie einen entscheidenden Tipp, was wird momentan so gefragt oder halten sich die traditionellen Fragen standhaft?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: 3 Sachen braucht man fürs Jobinterview:
1. eine gute Story
2. nicht zu brave Antworten auf die erwartbaren Standardfragen
3. eine vertiefte Kenntnis des eigenen Lebenslaufs, so wie dieser dem Rekrutierer vorliegt
Rekrutierer saugen sich keine Fragen aus dem Finger, die schauen immer auf den Lebenslauf. Lösen Sie in der Vorbereitung Ihren Werdegang in einzelne Episoden auf und beantworten Sie zu jeder die Fragen: Warum dorthin? Wie lief es dann? Wieso ist es gerade so gelaufen? Wozu dort weg?
Michael: Also ich suche seit 8 Jahren einen neuen Job, habe mich zwischenzeitlich zum Fachinformatiker weitergebildet und wurde in all den Jahren nicht ein einziges Mal eingeladen. Vor ein paar Monaten habe ich einen neuen Weg eingeschlagen und zwei weitere Ausbildungen gemacht. Aber auch hier schaut es sehr schlecht aus. Zählen heute gute Ausbildungen und Erfahrung nicht mehr?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Jobanbieter haben einen Horror vor der Praxisferne. Ihr Lebenslauf zeigt Abschlüsse, aber vermutlich kaum Jobeinträge. Abhilfe schafft: In persona antreten und sich vorstellen. Man kann Lebensläufe wegklicken. Menschen schickt man schwerer weg.
Michael: Na ja, bin seit 11 Jahren in meiner Firma, Aufstiegschancen gleich null, Lohn ist auch zu niedrig. Ich will seit Jahren raus. In meinem Lebenslauf stehen natürlich nur mein Zivildienst, eine Firma, in der ich ein Jahr beschäftigt war und meine jetzige Firma. Wie soll ich da Berufserfahrung sammeln, wenn man keine Chance bekommt?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Klar, das Schicksal verteilt die Chancen. Damit Sie nicht leer ausgehen, rütteln Sie solange am großen Jobsack, bis etwas für Sie rausspringt. Nicht klagen! Beharrlich Jobbeziehungen anleiern!
Michael: Na klar, irgendwann verlässt einen aber der Mut. Ich meine, ich verfolgte acht Jahre meinen Traum von der Informatikbranche (habe die komplette PC-Geschichte mitgemacht) und bin dennoch nicht ein einziges Mal eingeladen worden. Ich wurde dann zu einem Bewerbungstraining geschickt, die haben mich nach Hause geschickt, weil man nicht wusste, was zu verbessern sei. Meine Bewerbung war auch schon bei Ihnen. Es gab gute Tipps, aber dennoch blieb die Resonanz komplett aus. Jetzt mit meinen neuen Ausbildungen (Fitnesstrainer, Foodcoach) genau dasselbe Problem.
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Sie konnten keinen Arbeitgeber für sich gewinnen. Können Sie Auftraggeber und Kunden finden? Nehmen Sie sich einen Monat Zeit und recherchieren Sie beharrlich und verbissen, welche IT-Geschäftsideen für ein Small Business in den USA oder sonst wo, wo Entrepreneur kein Schimpfwort ist , gerade umgesetzt werden. Oft startet etwas in einem anderen Land und kommt dann als Idee zu uns.
Außerdem: Was immer Fitnesstrainer und Foodcoach mit Ihnen erarbeiten: Bleiben Sie dran. Finden Sie zwischen Schokosnacks und Wurzelsuppe den gesunden Mittelweg. Die Industrie und alle Konturenversteher tun so, als ob jeder zarte Hinweis auf trostlose Unfitness und ihre dramatischen Folgen schon einen Anschlag auf die personale Würde darstellt. Klar, jeder hat das Recht, die eigene Oberfläche, den eigenen Umfang und die eigene Dichte nach seiner Façon zu gestalten und auszuleben. Wir sind, wie wir sind. Wollen wir die leibhaftige Frechheit gegenüber dem eigenen Körper sein?
Klaus: Hallo Herr Winkler, ich versuche mich bisher erfolglos im Berufseinstieg. Seit März habe ich mein Diplom (Kommunikationswissenschaften) erhalten (sehr gut) und verfüge auch ansonsten über viele wesentliche "Assets", die immer wieder in herausfordernden Stellenausschreibungen zu finden sind: Auslandserfahrung, Führungserfahrung, soziales Engagement, etc. Da mein Studium jedoch sehr generalistisch aufgebaut war, verfüge ich über wenig fachliche Kenntnisse, habe ja kein Ingenieursstudium gemacht oder klassisch Betriebswirtschaft. Jedoch sind das genau meine Konkurrenten beim Berufseinstieg in den Bereichen Strategie, Organisation, Marketing, Assistenz, etc. Ich habe es nicht durch Praktika geschafft, ausreichend Branchenkenntnisse aufzubauen, was mir vielleicht als Generalist eine Möglichkeit verschafft hätte, in eine Querschnittsfunktion einzusteigen. Mittlerweile bin ich etwas ratlos.
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Unbedingt ein Praktikum machen - Parlament, Dienstleister, KMU, großes Unternehmen, Non-Profit-Organisation, egal was.Am besten natürlich in einem Bereich, den Sie später beackern wollen. Sich zugleich weiter bewerben. Und die gesamte Bewerbung argumentativ auf einen bestimmten Bereich, eine bestimmte Position ausrichten! Sie haben sich die ganze Zeit gefragt: Was will der Markt? Überlegen Sie jetzt: Was will ich genau tun? Suchen Sie dann die Leute, die Sie das machen lassen.
Klaus: Nachtrag: Da ich im Studium vor allem in Werbe- und Kommunikationsagenturen gearbeitet habe, fehlt mir das Branchen-Know-how, um mich beispielsweise bei einem Automobilhersteller im Marketing zu bewerben. Ich lehne es jedoch ab, weiterhin in einer Werbeagentur zu arbeiten, weil mir die Leute und vorallem das Umfeld nicht (mehr) gefällt. Das habe ich leider erst gegen Ende des Studiums bemerkt.
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Sie sind doch Einsteiger ... kommunizieren Sie Ihre Begeisterung für Automotive! Das und Ihre Marketingkompetenz reichen doch aus.
Anne: Guten Abend Herr Winkler, ich soll als Vorbereitung für ein Vorstellungsgespräch einen Bewerber-Personalbogen ausfüllen, der ziemlich detaillierte Fragen enthält. Unter anderem soll ich mein Gehalt aus all meinen bisherigen Stellen angeben (sogar aufschlüsseln nach Grundgehalt, Boni, etc.). Muss ich das machen und wenn ja, muss ich ehrlich sein?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Machen Sie da, wo Sie sich nicht präzis äußern wollen, nur summarische Angaben, und da, wo Sie nichts preisgeben wollen, da stricheln Sie mutig: -----. Beantworten Sie nur die Fragen, die Sie für zielführend und angemessen halten.
AXEL: Schönen Guten Abend Herr Winkler, vielen Dank für Ihre Chathilfe, meine Frage ist die: Ich habe in 2011 versucht, mich selbständig zu machen, was leider nicht geklappt hat. Seit April 2011 war ich arbeitslos und quasi damit beschäftigt. Leider hat die Finanzierung nicht geklappt, was sich aber erst jetzt herausgestellt hat. Wie verpacke ich dieses Ereignis in meinem Lebenslauf?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer:
seit 04.2011 Gründer und Geschäftsführer, NAME (Rechtsform), Ort
Darunter dann Ihre Aktivitäten: Geschäftsplan, Kundenakquisition etc.
AXEL: Herzlichen Dank, aber daran sieht ja der Personaler einerseits, dass es nicht geklappt hat und ich mich ja nur aus der Not heraus bei Ihm bewerbe, werde ich nicht als Wackelkandidat angesehen, der vorerst gescheitert ist, um einen aktuellen Buchtitel aufzugreifen, der dann bei nächster Gelegenheit wieder in die Selbständigkeit stürmt und damit eher Kosten als Nutzen bei der Firma verursacht?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Es gibt Anschmierer, die sind nicht vorerst gescheitert, sondern auf ewig abgeschmiert. Sie sind kein Wackelkandidat. Wenn der Job gut ist, bleiben Sie dran.
Ida: Guten Abend an alle. Das Vorstellungsgespräch wird mit der Frage " Ja, dann erzählen Sie doch mal von sich" eingeleitet. Wo fange ich optimalerweise an, wo höre ich am besten auf?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Erbitten Sie per Mail (gwinkler@jova-nova.com) mein kostenloses Arbeitsblatt BEWERBERSTORY.
Toni: Hallo, ich habe am Freitag ein Vorstellungsgespräch. Ich bin ganz aufgeregt. Was soll ich sagen, wenn ich die Frage bekomme, warum ich aus meinen Job jetzt wechseln möchte? Weitere Frage ist nach meinen Gehaltswünschen. Wie hoch soll es sein? Ich denke an 75.000 Euro pro Jahr. Die Stelle ist Bauleiter. Vielen Dank für die Antwort.
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Hi Toni, was sind Ihre wahren inneren Gründe dafür, dass Sie wechseln wollen? Geben Sie doch einfach die an! Wahre Gründe sind oft egoistische Gründe. Egoistische Gründe sind starke Gründe. Jobanbieter können leichter mit dem rechnen, was Sie und Ich rHandelnin hohem Maß bestimmt und Antreibt.
Gehaltsfrage, Gehaltsvergleiche: http://crosswater-job-guide.com/wp/gehaltsvergleiche
Toni: Hallo Herr Winkler, wie soll ich mich kleiden zum Vorstellungsgespräch. Es ist ein Bauunternehmer. Ich bewerbe mich als Bauleiter. Soll ich im Anzug kommen oder mit Jeans und einen Hemd mit Sakko?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Gibt es geschäftliche Anlässe, bei denen Sie einen Anzug tragen müssen? Dann immer Anzug! Auch im Zweifel: Anzug. Jeans plus Hemd mit Sakko: die typische Verlegenheitslösung!
Carina: Lieber Herr Winkler! Ich weiß, ich könnte Ihnen auch einfach eine E-Mail schreiben, aber das würde ich mir nur wieder vornehmen und dann doch wieder verplanen, deshalb auf diesem Wege! Hat sich eben einfach so ergeben, weil ich gerade durch Zufall auf Facebook den Link zum Chat gefunden habe und ich neugierig geworden bin. Ich war heute in einem Seminar zum Thema "Bewerbungsgespräche erfolgreich führen" und mir ist klar geworden, dass mich Ihr Seminar letztes Semester an der Bundesagentur für Arbeit in München einfach bestens vorbereitet hat und ich mich nicht weiter auf die Suche nach Tipps machen muss, weil ich bereits bestens informiert bin. Das habe ich heute festgestellt und freue mich sehr darüber. Jetzt muss ich nur noch endlich die Zeit finden, meine Unterlagen zu überarbeiten und mich zu bewerben! Also, um zum Punkt zu kommen: Vielen Dank! Sie sind einfach klasse! Einen schönen Abend und herzliche Grüße.
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Danke für die Blumen! Ich werde das gleich an Frau Langen und Herrn Brendli in München weitergeben!
Georg73: Herr Winkler, herzlichsten Dank für Ihre Zeit und Ihre Antworten! Ich wünsche Ihnen einen schönen Nikolausabend.
Hausmann: Guten Abend Herr Winkler, hallo in die Runde, Thema Arbeitslosigkeit: Angeben oder nicht? Wie sieht es mit den Hilfen der Agentur bzw. Jobcenter aus? Einmal empfahlen Sie im Chat, den möglichen Eingliederungszuschuss durchaus als Pluspunkt anzugeben. Es kann sich ja nicht jeder selbstständig machen wie zum Beispiel als ausgebildete Krankenschwester. Ansonsten Pluspunkte sammeln durch ehrenamtliches Engagement? Oder halbwegs akzeptierte "Auszeiten" (Kinder, Pflege der Eltern, im Ländle der Hausbau? Oder der Wiedereinstieg durch 400-Euro-Jobs? Eine Kombination aus alle dem? Wie ist da Ihre Meinung?
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Sie sind ohne Arbeit. Jetzt nichts tun: Dann glaubt man bald selbst, nichts zu sein. Man hat nichts auf den Tisch zu legen. Und man resigniert: Nichts zu machen! Ihre Überlegungen: Bringt es Geld? Trainiere ich damit meine Arbeitsfähigkeit? Wertet es den Lebenslauf auf? Bringt es mich unter die Menschen? Könnte es als Sprungbrett dienen? Beweise ich meinen Bürger- oder Gemeinsinn?
Toni: Mein Chef mobbt mich und er hat mir gekündigt. Ich suche nun eine neue Herausforderung.
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Ihr Chef hat sich widersprüchlich verhalten – man schickt jemanden doch nicht in die Wüste, wenn man ihn weiter quälen kann. Oder er wollte sie loswerden und hat es unelegant, aber wirkungsvoll geschafft. Jetzt sind Sie frei. Und vermutlich ziemlich fertig. Suchen Sie keine neue Herausforderung. Suchen Sie einen Chef mit Beißhemmung. Arbeiten Sie zugleich daran abzustellen, was andere daran reizt, Sie zu mobben.
Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer: Vielen Dank für die vielen tollen Fragen! Danke an die 21 Chatter: Maik K., Maik, senaxl, AXEL, , Hausmann, emil, Eric, karl, Georg73, Stevens, Rico, Michael, Bernd, pons1959, Ida, schildi, Carina, Herr P., Christian H., Toni, Anne
Schönen Rest-Niko-Abend! Bonne nuit, bis dann!
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
Zurück zur Übersicht »