Gerhard Winkler: Guten Abend, liebe Chatfreunde. Fein, dass Sie den Weg hierher gefunden haben! Sie wissen, Sie dürfen hier alles fragen und über alles berichten, was mit Berufs- und Jobfindung, Bewerbung, Arbeitsplatz und Berufsweg zu tun hat.
HeidiAssmann: Einen schönen guten Abend nach Berlin!
Gerhard Winkler: Guten Abend, Heidi! Mit Heidi Assmann steht Ihnen heute eine weitere, hospitierende Beraterin zur Seite.
Eine Frage habe ich heute Abend an Sie: Was wären Ihre ersten Fragen, wenn man Ihnen anträgt, ein Ihnen bekanntes Unternehmen als CEO zu führen?
chlio: Guten Abend, Herr Winkler
Gerhard Winkler: Hi, Chlio!
chlio: Was bedeutet "CEO"?
Gerhard Winkler: Chief Executive Officer. Geschäftsführer eines Unternehmens.
martin: Wenn ich zum CEO gebeten werden sollte, würde ich nach konkreten Zielvorgaben fragen, die schon bestehen oder inwieweit ich eigeninitiativ handeln kann, nachdem ich mich über den Stand der Dinge im Unternehmen schlau gemacht habe.
Gerhard Winkler: Hallo, Martin! Gute Fragen, aber bedenken Sie: Zielvorgaben haben Sie selber zu entwerfen. Oft sogar ad hoc, um im Gespräch Ihre Planungsstärke zu zeigen. Und Eigeninitiative ist eigentlich eine Grundvoraussetzung für das erfolgreiche Managen.
Claudia: Hallo Herr Winkler, hallo Frau Assmann. Um Ihre Frage von vorhin zu beantworten, was man auf das Angebot des CEO antworten würde. Wenn die Frage genauso unvermittelt kommt wie Ihnen: "Wann kann ich denn anfangen" :-)
Gerhard Winkler: Gute Antwort. Nehmen wir an, man hat zunächst einmal gefragt, ob Sie Interesse haben, den Job zu machen.
Manuel: Was ist denn mit dem alten CEO passiert und was mit seinem Co-CEO? Sollte der nicht nachrücken?
Gerhard Winkler: Das ist eine hervorragende Frage - in vielen Interviews empfiehlt es sich, auch nach dem Vorgänger zu fragen: Was hat er besonders gut gemacht? Was soll sich mit dem Nachfolger ändern? Wo ist der Mitarbeiter jetzt?
Roland: Hallo und einen schönen guten Abend. Ich habe eine Frage. Und zwar hat meine Freundin einen sicheren Job wegen eines neuen Jobs aufgegeben, da es da mehr Möglichkeiten gab, sich weiter zu entwickeln und erheblich mehr Geld gab es da auch. Leider stellt sich jetzt heraus, dass der Chef mit nichts zufrieden ist und er ständig bei allen Sachen meckert. Im Nachhinein hat meine Freundin erfahren, dass schon 4 Leute vor ihr es nicht lange dort ausgehalten haben. Leider hat sich die Situation so zugespitzt, dass sie da nicht mehr arbeiten kann. Jetzt bewirbt sie sich auf andere Stellen. Jetzt ist die Frage, wie stellt man diese Phase im Lebenslauf dar? Soll sie es überhaupt angeben? Sie arbeitet seit 1 1/2 Monaten da. Soll sie versuchen, da weiter durchzuhalten, allein schon wegen dem Lebenslauf? Wie könnte sie ihre Kündigung beim alten Arbeitgeber rechtfertigen?
Gerhard Winkler: Hallo, Roland, Unverträglichkeit mit dem neuen Boss ist ein Risiko, das man als neuer Mitarbeiter nie ganz ausschließen kann. Ihre Freundin ist in der Schnupper- und Erprobungsphase - vielleicht nimmt sie ihren Mut zusammen und sucht das klärende Gespräch mit ihrem Vorgesetzten: Was stört den Vorgesetzten? Wie kann man Erwartungen transparenter machen? Wo fühlt man sich selbst gehemmt, beschnitten, unfair behandelt? Parallel dazu kann sie sich diskret nach einer Jobalternative umschauen. Die aktuelle Beschäftigung nicht unterschlagen! Bei der Angabe des Bewerbungsgrunds und vor allem im Interview wird sich Ihre Partnerin bedeckt halten und keinesfalls schmutzige Wäsche waschen.
HeidiAssmann: Unverträglichkeiten machen das Leben nicht einfach. Man zieht daraus seine Lehren - im schlimmsten Fall. Weitersuchen und im Falle eines Jobinterviews keinesfalls schlecht reden. Auch und gerade dann, wenn es schwer fällt.
Gerhard Winkler: In vielen Fällen ist es ja einfach so, dass man eng und intensiv zusammenarbeitet. Wenn die Erwartungen, Arbeitsweisen, die Kooperationsformen und die Ethik ganz auseinander fallen, wird man das auch im Jobinterview sagen können. Nicht anschwärzen, nichts schlecht reden, aber Differenzen benennen. Jobverhältnisse zu beschreiben ist stets eine Gratwanderung. In solchen Fällen würde ich die Interviewpassagen vorab durchspielen und mich auf eine diplomatische Version des Geschehens festlegen.
Arnold: Guten Tag Herr Winkler. Ich habe eine Frage zu meinem Arbeitszeugnis. Im ersten Abschnitt steht bei mir: Arnold ... wurde von … bis … in unserem Unternehmen zum Elektroniker… ausgebildet. Im Anschluss an die erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung könnten wir ihm ein auf 12 Monate befristetes Arbeitsverhältnis in der Abteilung Betriebsbereitschaft anbieten. Das „könnten“ scheint mir grammatikalisch falsch zu sein. Was denken Sie, sollte man wegen so etwas nochmals das Arbeitszeugnis ändern lassen bzw. kann man das noch ändern lassen?
Gerhard Winkler: Hi, Arnold, Glückwunsch zur abgeschlossenen Ausbildung! Könnten die Ihnen etwas anbieten, wenn sie nur wollten oder konnten die Ihnen tatsächlich etwas anbieten oder können sie es jetzt? Mit anderen Worten: Wurden Sie schon übernommen?
Arnold: Herr Winkler, soll ich nun für zukünftige Bewerbungen, bis mein Zeugnis verbessert wird, das alte Zeugnis mitschicken oder lieber gar keins?
Gerhard Winkler: Ein fehlerhaftes Zeugnis besser nicht mitschicken!
Michael: Guten Abend, Herr Winkler. Seit Juli gehe ich nicht mehr arbeiten. Im Anschreiben starte ich mit meiner über 10-jährigen Berufserfahrung. Am Ende des Anschreibens notiere ich, dass ein Arbeitsbeginn sofort erfolgen kann. Ist das Vorgehen legitim und wie lange kann ich das rechtfertigen? Im Lebenslauf habe ich den Beginn der Arbeitslosigkeit nicht vermerkt. Das Zeitfenster für den letzten Job habe ich geschlossen, also - 06.2009.
Gerhard Winkler: Hi Michael, nach 10 Jahren Jobpraxis fühlen Sie sich zur Zeit sicher heraus katapultiert, ausgeschlossen, verletzt und unfair behandelt. Tragen Sie es mit Fassung. Sie haben viele Leidensgenossen, und alle durchlaufen dieselben Phasen. Wichtig ist, dass man Schock, Trauer und Verlustbewältigung nicht überdehnt, sondern sich auf die eigene Kraft besinnt und sich neue Ziele setzt. Momentan machen Sie mit ihrer Bewerbung alles richtig.
Michael: Danke für die Antwort. "Herauskatapultiert" trifft den Nagel auf den Kopf. Vor meiner Kündigung hatte ich geplant, Elternzeit zu nehmen. Nun überlege ich, bei anhaltender Arbeitslosigkeit dennoch die Partnermonate zu beantragen. Kann ich das Anschreiben trotzdem mit meiner Berufserfahrung beginnen und erst im letzten Drittel auf die Elternzeit eingehen?
Gerhard Winkler: Falls Sie Elternzeit in Anspruch nehmen, dann notieren Sie das am Ende des ersten Teils im Anschreiben, in dem Sie von ihren Jobpositionen, den Arbeitgebern, den Aufgaben und Pflichten berichten.
zahlenrodeo: Guten Abend, Herr Winkler. Können Sie schon absehen, wann Sie mit der Erstellung meines Arbeitszeugnisses durch sind bzw. wie lange es insgesamt dauern wird?
Gerhard Winkler: An alle ungeduldigen Klienten: Bitte 2 x täglich per Mail nachfassen!
Dani: Als ausgebildeter Handwerker möchte ich mich nun in einem anderen Berufsfeld bewerben. Wie erkläre ich meinen Wechselwunsch am besten in einer Bewerbung?
Gerhard Winkler: Ich würde zunächst meine Joberfahrung notieren, meine Ausbildung, mein Wissen und Können. Kann man aus diesen Daten bereits ableiten, dass Sie die Aufgaben in einem andersartigen Bereich meistern?
Ruth: Wie formuliere ich meine Gehaltsvorstellung?
Gerhard Winkler: Hi Ruth! Wie Sie die Gehaltsvorstellung ausdrücken, hängt von Ihrer Situation ab: Einsteigerin, Jobwechslerin, Jobsuchende …
Ruth: Ich bin suchend und keine Einsteigerin.
Gerhard Winkler: "Meine letzte Vergütung betrug 30T Euro." - Dann sind Sie aus dem Schneider. Oder: "Entsprechend meiner letzten Vergütung beträgt meine Gehaltserwartung 30T Euro."
HeidiAssmann: @Ruth: Meine Gehaltsvorstellung beläuft sich auf.... (Angabe als Jahresgehalt)
tiko: Noch eine Frage zum möglichen Gehalt: beide Stellen, sowohl in der Mutter- als auch der Tochtergesellschaft sind Traineestellen, allerdings mit einem Unterschied von 800Euro brutto im Monat, bei fast gleichem Aufgabengebiet (Unternehmensentwicklung). Man sagte mir bereits, dass eine Anpassung an das höhere Gehalt wohl stattfinden wird. Was wäre daher eine gute Antwort falls das Thema Gehalt/Gehaltsanpassung zur Sprache kommt?
Gerhard Winkler: Tiko, zu Ihrer ersten Frage weiter oben (in dieser Mitschrift nicht abgedruckt): Sie haben den Betriebsratsvorsitzender durch Blickkontakt mit einzubeziehen, ich sehe aber keine besondere Aufgabe, ihn irgendwie argumentativ überzeugen zu müssen. Seien Sie nett zu ihm. Was die Gehaltsdifferenz angeht: Sie wissen davon, also sprechen Sie es an - aber erst dann, wenn die Gehaltsdiskussion vom Arbeitgeber eröffnet worden ist.
tiko: Vielen Dank für die Antworten. Wäre es überzogen, das gleiche Gehalt zu fordern wie in der Muttergesellschaft? Bzw. muss ich mich trotz entsprechender Qualifikationen mit weniger Gehalt zufrieden geben, da das Gehaltsgefüge in der Tochtergesellschaft im Allgemeinen und im Besonderen für Trainees niedriger ist?
Gerhard Winkler: Tiko, Sie sind so clever, dass Sie die Gehaltsdifferenz gecheckt haben. Jetzt seien Sie so hart und verhandeln Sie eine Gleichstellung. Oder zählen Durchsetzungsfähigkeit und Verhandlungsgeschick nicht zu Ihrem Kompetenzprofil?
Claudia: Würde gern das Thema Gehaltsvorstellung nochmals diskutieren. Ich beantworte die Frage in meinem Anschreiben sehr ungern. Ich bin im gemeinnützigen Bereich tätig. Gehälter/Schmerzgrenzen schwanken sehr. Ich möchte einerseits nicht zu niedrig und auch nicht zu hoch liegen, sondern das erst im Gespräch ausloten. Was schreibt man stattdessen, wenn das ausdrücklich gefordert wird?
Gerhard Winkler: Claudia, Sie beuten sich derzeit selbst aus. Und Sie sind – mit Verlaub – einfach zu feige, Ihre geldwerte Leistung in einen Jahresbetrag umzurechnen. Finden Sie einen Preis für Ihr Leistungsangebot und zackern Sie nicht so herum wie Ihr Bewerbungshelfer in den ersten Jahren seiner gemeinnützigen beruflichen Existenz.
Arnold: Kann ich Ihnen ansonsten mein komplettes Arbeitszeugnis und einen Lebenslauf für den 15€ Check zuschicken? Hatte das schon mal probiert vor ca. einem Monat mit meinem Lebenslauf und dem Anschreiben zwei Mal probiert! Haben Sie da etwas schon erhalten?
Gerhard Winkler: Bitte alles noch einmal mailen!
chlio: Kommen wir heute endlich zum angekündigten Thema "Warum bei uns beworben?"?
Gerhard Winkler: Chlio, was schreiben Sie zu diesem Punkt in Ihrer Bewerbung?
martin: Herr Winkler, ich möchte Pressesprecher werden, bin Journalist und will mehr auf die Seite eines Unternehmens oder einer Behörde kommen. Leider klappt es einfach nicht bei den Bewerbungen. Ich war bei Ihnen im Seminar und meine Präsentation ist optimiert, ein sehr gutes Werbefoto habe ich beiliegen. Gute Zeugnisse etc sind auch vorhanden. Langsam frage ich mich woran es liegt, dass ich zu keinem Vorstellungsgespräch komme. Speziell für die Bankenbranche könnte ich zusätzliche Qualifikationen vorweisen. Ist der Schritt vom Journalisten zum Pressesprecher zu groß? Ist ein Zwischenschritt zu PR- und Öffentlichkeitsarbeit ratsam?
Gerhard Winkler: Suchen Sie sich ein paar kleine, exotische Start-up-Firmen, die froh sind, wenn man ihnen etwas Gutes tut und machen Sie für die ein bisschen PR-Arbeit. Bündeln Sie ein paar Arbeitsproben und dann bewerben Sie sich aufs Neue.
martin: Auch wenn es nicht Pressesprecher ist? Ich habe demnächst ein Vorstellungsgespräch. Hier wird die Frage „Warum haben Sie sich bei uns beworben?“ wohl gestellt werden. Ich habe schon für verschiedene Medien gearbeitet, jetzt handelt es sich allerdings um einen Verlag, ein Metier, in dem ich noch nicht tätig war. Es geht noch dazu um einen auf eine Berufsbranche und deren auf Technik spezialisierten Verlag. Vorher habe ich mich mit „normalen“ Medienthemen und teils speziell mit Telekommunikation beschäftigt. Wie soll ich das im Gespräch verpacken im Hinblick auf die Fragen, warum ich mich beworben habe und warum ich mich am besten für die Stelle eigne. Die Stelle interessiert mich vorrangig aufgrund der guten Position und des Entwicklungspotentials etwas Neues aufzubauen.
Gerhard Winkler: Es interessiert Sie, sich auf lange Sicht hin zu einem Experten in einer interessanten Sparte zu entwickeln. Sie verstehen sich darauf, technologische Themen zu vermitteln und Sie sehen das als Chance, sich auf eine spannende Schlüsseltechnologie zu konzentrieren.
chlio: Ich habe eine Stellenanzeige gefunden mit den Aufgaben, die mit meiner letzen Tätigkeit nicht übereinstimmen, sondern damit, was ich vor 10 Jahren machte (und was ich logischerweise jetzt ziemlich vergessen habe). Wie erkläre ich, dass ich bereit bin, mich in den Stoff wieder einzuarbeiten (soll/darf ich versprechen, dass das nicht sehr lange brauchen werde?)?
Gerhard Winkler: Sie konkurrieren mit Leuten, die den Job gerade machen oder aktuelles Absolventenwissen haben. Gehen Sie die Aufgabe so an: Unter welchen Umständen würden Sie als Jobanbieter sich selber einstellen? Welche Argumente würden Sie überzeugen?
chlio: Ich würde gerne schreiben können, dass ich mehrjährige Erfahrung mit genau diesen Aufgaben hatte, die in der Stelleanzeige aufgelistet sind und dass ich mich gerne in diese Richtung weiter entwickeln möchte. Aber wie erkläre ich, warum gerade bei diesem Arbeitgeber? Nicht deswegen, dass er der erste passende ist oder dass sein Büro sehr nah zu meiner Wohnung ist oder?
Gerhard Winkler: Vielleicht sammeln Sie alle Ihre Pro-Argumente und tragen die erst einmal telefonisch dem Jobanbieter vor. Und fragen dann, ob Sie sich mit diesem Profil und Erfahrungshintergrund bewerben können. Die Frage „Warum nur dort“ beantworten Sie im Gespräch damit, dass Ihnen die Anzeige aufgefallen ist, und Ihnen nach Ihrer Recherche, das Unternehmen aus den Gründen A und B besonders gut gefällt.
chlio: Meine damaligen Zeugnisse sind sehr gut (und von einer guten Firma: von IBM Deutschland!), ich habe mein Können (damals) gut zeigen können und mit MitbewerberInnen, die nur Absolventenwissen haben, wage ich zu konkurrieren. Aber die Zeit für das Auffrischen der vergessenen Kenntnisse und für das Erlernen der Neuigkeiten soll man haben.
Gerhard Winkler: Dann frischen Sie Ihre Kenntnisse auf und bewerben sich gleichzeitig!
Jana: Guten Abend Herr Winkler, ich bin Diplom-Kauffrau. Sollte ich mein Titel "Dipl.-Kffr." vor meinem Namen schreiben? D. h. in der E-Mail in der Signatur unter dem Text, im Anschreiben zu meiner Anschrift sowie im Lebenslauf?
Gerhard Winkler: Oh ja. Im Absenderfeld des Papier-Anschreibens, in den Kommunikationsdaten von Mail und Lebenslauf. Nicht in der Unterschrift.
chlio: Janas Frage und Ihre Antwort motivieren mich, auch eine Frage zu stellen: ich bin Diplom-Mathematikerin (ich habe an einer Universität studiert). Soll bzw. darf ich auch überall schreiben "Dipl.-Math. chlio … ?
Gerhard Winkler: Oh, haben Sie das bisher nicht gemacht? Freiwillig auf diesen Adelstitel verzichtet? Mathematik ist die Königin der Wissenschaften; tragen Sie ihre Auszeichnung mit Stolz und Freude.
Kerstin: Hallo Herr Winkler, hallo Frau Assmann. Ich habe eine Erfahrung aus Bewerbungsgesprächen. In jedem Unternehmen, in dem man gearbeitet hat, gibt es Gründe, warum man es dort ausgehalten hat und was einem an seiner Arbeit Spaß gemacht hat oder einfach nur interessant und spannend war. Das habe ich ausgeführt, um die Klippen der Verärgerung über ein manchmal ungeplantes Ende zu umschiffen. - Meine Frage lautet: Wie ist das mit der Datensicherheit, wenn man die Zeugnisse per Mail verschickt. Ich wäre lieber gern konservativ.
Gerhard Winkler: Liebe Kerstin, auf die positiven Aspekte des früheren Jobs einzugehen, ist eine wirklich kluge Strategie! Zum Verschicken von Nachweisen als PDF: Jobanbieter stellen so etwas nicht ins Web und sie verschicken es auch nicht weiter. Keine Angst vor Identitätsklau!
rostockerin: Herr Winkler, ich habe letztes Jahr meine Ausbildung abgeschlossen und bekam mit der Übernahme einen auf ein halbes Jahr befristeten Vertrag. Da der Bedarf an meiner Stelle nicht wirklich bestand, gab mir das Unternehmen quasi damit eine Verlängerung, bis ich eine Stelle für meinen Berufseinstieg gefunden hätte. Was ich nicht tat, denn es ging mir persönlich sehr bescheiden. Eine weitere Verlängerung wäre drin gewesen, doch ich wollte auch dies nicht. In meinem Arbeitszeugnis steht im letzten Satz geschrieben "… wir bedauern ihr Ausscheiden sehr!" Meine Frage ist: Wie nur soll ich im Bewerbungsgespräch meine anschließende Arbeitslosigkeit (von 2 Monaten) begründen? Es scheint mir ungünstig zu sein an der Stelle mit 'Depression' zu antworten. Herzlichen Dank für eine Antwort!! Und vor allem, dass Sie uns all diese Möglichkeiten rund ums Bewerbercoaching ermöglichen!!
Gerhard Winkler: Sagen Sie doch, wenn man Sie fragt, dass Sie Liebeskummer hatten, weil sich Ihr Lebenspartner von Ihnen getrennt hat. Warum tricksen, wenn man auch entwaffnen kann.
login-ner: Hallo zusammen, wie geht man als Frau der Frage nach dem Alter beim Bewerbungsgespräch aus dem Weg? Reicht es zu sagen, dass man eine langfristige Herausforderung sucht?
Gerhard Winkler: Falls Sie Ihr Alter nicht im Lebenslauf angegeben haben und im Interview danach gefragt werden, sagen Sie es einfach.
Nick Angel: Egal ob stellensuchend im Lebenslauf steht oder eine Tätigkeit in einem berufsfremden Bereich aufgeführt wird, beides weckt Bedenken bei Personalverantwortlichen! Wie sehen Sie das?
Gerhard Winkler: ALLES und JEDES weckt Bedenken bei Personalern. Notieren Sie, was Sache ist und machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie derzeit joblos sind oder außerhalb Ihres angestammten Bereichs jobben. Dass Sie joblos sind ist ein triftiger Bewerbungsgrund und dass Sie Ihre existenz sichern, hebt Sie als Leistungsanbieter sehr positiv von den vielen unselbständigen Leistungsempfängern ab.
Dani: Noch eine Frage zur Bewerbung per E-Mail: Soll ich mein Anschreiben direkt in die E-Mail setzen und den Rest als Anhang in die PDF-Datei? Oder ist es besser, die gesamte Bewerbung in die PDF-Datei zu schreiben, und in der E-Mail nur den Hinweis darauf, dass sich die Bewerbung dort befindet?
Gerhard Winkler: Anschreibenbetreff = Mailbetreff. Anschreibentext = Mail. Eigene Adressdaten kommen unterhalb der Unterschrift und schließen den Mailtext. ab.
Michael: Im Anschreiben und im Lebenslauf beschreibe ich meine Arbeit. Im Arbeitszeugnis tut es der Arbeitgeber nochmals. Nun tauchen manche Schlagwörter doppelt bzw. dreifach auf. Besonders einfallsreich komme ich mir da nicht vor, aber ich finde keine alternativen Beschreibungen.
Gerhard Winkler: Keine Angst, für vieles gibt es Synonyme. Bewerben frischt den Wortschatz auf. Ansonsten: Es ist nicht schlimm, wenn dieselben Begriffe Ihrer Kompetenz, Ihrer Leistungen und Ihrer Tätigkeiten mehrfach in den unterschiedlichen Dokumenten auftauchen. Sie haben Ihre Bewerberbotschaft. Senden Sie sie auf allen Kanälen! Kommen Sie nie auf die Idee, das was Sie zu sagen haben, auf die verschiedenen Textsorten aufzuteilen.
annaro: Hallo Herr Winkler, aus etwas komplizierten Gründen fehlen mir zwei Arbeitszeugnisse (das vorletzte und das vorvorletzte), die ich erst in zwei Wochen zur Verfügung habe. Nun habe ich aber einen sehr interessanten Job gesehen, auf den ich mich unbedingt bewerben möchte. Wie gehe ich am besten vor? Kein Zeugnis beilegen? Anrufen und fragen, wie lange die Bewerbungsfrist noch läuft? Wenn die dann sagen, nur noch bis morgen oder so, kann ich fragen, ob auch nur das letzte Zeugnis und die noch davor liegenden Zeugnisse reichen ? Alles nicht ideal.
Gerhard Winkler: Geben Sie im Anschreiben eine Referenzperson an, die man anrufen kann. Das Arbeitszeugnis können Sie einfach nachreichen.
Silke: Hallo Herr Winkler, ich würde mich gerne auf eine Stellenausschreibung bewerben, die bereits seit Ende Juni auf der Homepage der Bundesagentur für Arbeit ausgeschrieben ist. Sollte es zu einem Vorstellungsgespräch kommen und ich gefragt werden, weshalb ich mich nicht schon früher beworben habe, wüsste ich nicht genau, was ich antworten soll. Was würden Sie in diesem Fall empfehlen?
Gerhard Winkler: Sie haben sich sofort beworben, nachdem Sie Kenntnis des Jobangebots erhalten haben.
woke: Hallo Herr Winkler, hallo Frau Assmann, aufgrund einer Sozialauswahl wurde mir betriebsbedingt gekündigt. Gebe ich dies bei dem kurzfristigen Eintrittstermin mit an? Ich meine im Zeugnis erscheint es ja sowieso.
Gerhard Winkler: Im Anschreiben würde ich nie darauf eingehen, weshalb man mir gekündigt hat. Allenfalls in der Wendung "Eine betriebsbedingte Kündigung sehe ich als Chance, …"
Gerhard Winkler: Vielen Dank für Ihre vielen guten Fragen! Das Protokoll finden Sie morgen auf formyourself.de und auf jova-nova.com! Schönen Abend!
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
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