Moderator: Willkommen beim offenen Chat mit dem Bewerbungshelfer Gerhard Winkler.
Gerhard Winkler: Hallo, schön, dass wir uns heute Abend treffen!
Mülli: Hallo Herr Winkler, ich habe Probleme, im Anschreiben meine Motivation zu erklären, warum ich die Stelle gerne haben möchte. Ich verkaufe heute Leasing und möchte nun in das Gewerbekundengeschäft einer Bank.
Gerhard Winkler: Hi, Mülli, Ihre Motivation ist doch klar: Sie können Leasing. Jetzt wollen Sie Ihre Beratungskompetenz auch im Geschäftskundenbereich testen.
Mülli: Das ist aber doch recht dünn, oder einfach nur schreiben, suche eine neue Herausforderung. Die Bewerbungen als Branchenfremder mit fast 46 Jahren kamen leider immer wieder zurück.
Gerhard Winkler: Nur eine neue Herausforderung suchen, das reicht argumentativ gewiss nicht aus. Was ein Jobanbieter Ihnen zutraut, hängt davon ab, was er von Ihnen über Ihre bisherigen Erfolge und Leistungen erfährt. Gehen Sie ins Detail – vor allem in Anschreiben und Lebenslauf!
Mülli: Wie erkläre ich auch einen Branchenwechsel im Vertrieb - ist dies überhaupt möglich Ihrer Meinung nach?
Gerhard Winkler: Oh ja. Der echte Vertriebler verkauft morgens Butter, mittags Fische und abends seine Mutter. Bei Ihrer Berufssparte kommt es doch auf die Fähigkeit an, sich gegenüber Kunden durchzusetzen. Das Produkt verstehen, das schaffen die meisten. (Außer der Typ, der mir meine letzten Laufschuhe verkauft hat.) Die Frage ist: Sind Sie ein guter Vertriebler?
Andi: Ich denke schon das ich ein guter Vertriebler bin, nur das heutige Produkt passt wohl nicht mehr so ganz zu mir.
Gerhard Winkler: Andi, Produkte haben Zyklen. Wenn das von Ihnen betreute Produkt am Nullpunkt ist, ist es Zeit, sich zu verabschieden. Sie können nicht Ihrer Ware so lange die Treue halten, bis Ihre Kunden Sie auf der Straße verleugnen.
Hilde: Guten Abend, Herr Winkler! Ich stoße derzeit bei Bewerbungen häufig an Grenzen wegen mangelnder zeitlicher Flexibilität (Situation: keine Teilzeitstellen verfügbar, daher bewerbe ich mich auf Vollzeitpositionen; Grundschulkind in Betreuung von 7-16 Uhr; teilweise längere Arbeitszeiten möglich, wenn Kind anderweitig betreut). Wie "verkaufe" ich diese mangelnde Flexibilität positiv?
Gerhard Winkler: Ihre Worte beweisen doch, dass Sie sich (hoffentlich nicht auf Kosten des Kinds) so flexibel wie nur möglich verhalten. Sorgen Sie erst einmal dafür, dass Sie dem Jobanbieter gegenüber sitzen. Dann bringen Sie Ihr Bewerberthema durch (das ist Ihre besondere Befähigung.) Dann verhandeln Sie erst einmal den Job. Und erst dann wird der Bereich Verfügbarkeit angegangen. Klären Sie das Grundlegende immer zuerst!
MB: Hallo Herr Winkler, ich habe zwei Fragen zum Thema Bewerbungen. Ich stehe derzeit vor dem Abschluss meines Studiums als Diplom-Informatiker. Für wie wichtig halten Sie es in der Zwischenzeit, sich ehrenamtlich zu engagieren, z. B. beim THW? Sollte man schon während des Studiums an Soft Skills arbeiten und z. B. nebenbei noch eine NLP-Ausbildung absolvieren?
Gerhard Winkler: Lieber MB, haben Sie überhaupt die Zeit für einen Einsatz bei den Schlauchboot-Paddlern oder einer anderen Non-Profit-Organisation? Falls ja: Es ist immer gut, wenn Sie am Ort, wo Sie wohnen (und wo hoffentlich auch ein Arbeitgeber sitzt), in einem Verein mitmachen. Zu den Soft Skills: Die beweist man quasi nebenbei, beim Jobben, bei sinnvollen Freizeitbeschäftigungen. NLP ist eine Sammlung von praktisch halbwegs funktionierenden, aber durch keine Wissenschaft je bewiesenen Methoden zur Selbsterfahrung und zur Kommunikation und vielleicht ist es insgesamt mehr ein schönes Versprechen als eine seriöse Praxis. Wenn Sie nicht ins Trainergeschäft wollen und die Thesen auch nicht als Offenbarung ansehen, sehe ich nicht umwerfend viel an praktischen Nutzen.
Gerhard Winkler: Liebe(r) Zahlenrodeo, wie ist es Ihnen seit dem letzten Chat ergangen?
zahlenrodeo: Guten Abend Herr Winkler. Ich warte auf eine Antwort von Ihnen zu Standort & Ziel. Ansonsten habe ich eine Absage auf eine von Frau Laws optimierte Bewerbung bekommen, ohne zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden zu sein.
Gerhard Winkler: Dann müssen wir die Absage analysieren!
RED: Hallo zusammen! Ich habe mich vor kurzem initiativ bei einer Firma beworben und bekam keine Antwort. Nach meinem Nachhaken nach 2 Wochen hatte sich herausgestellt, dass die Mail nicht ankam. Also noch mal gesendet an die direkte Person. Aber es gab kein Echo. Nachdem ich noch mal nachhakte, hatte sie mir mitgeteilt, sie habe die Mail direkt weitergeleitet. Das war vor 1,5 Wochen. Seither keine Reaktion. Uff Kein: "Vielen Dank für ..." Wie kann ich denn hier noch mal nachhaken, ohne auf die Nerven zu gehen?
Gerhard Winkler: Warum haben Sie Angst zu nerven? Andere solange zu nerven, bis sie das Richtige tun, ist in vielen Jobs doch geradezu ein Bestandteil der Arbeitsplatzbeschreibung. Bewerberanliegen sind immer eine Störung und manchmal eine Zumutung. Das darf wiederum Sie nicht stören.
RED: Noch ein Nachtrag: Die Firma ist gerade auf der Messe in Berlin.
Gerhard Winkler: RED, sind Sie ein Berliner? Hin zur Messe!
RED: Nein, leider nicht. Aber den Gedanken hatte ich auch schon. Also gut, weiterhaken.
Gerhard Winkler: Auf der Messe werden Sie vielleicht nicht die richtigen Ansprechpartner finden - egal, Sie sollten die Leute in ein längeres Gespräch verwickeln. Ich würde gegen Ende des Messetags am Stand vorsprechen, dann, wenn Sie keine Interessenten oder Kunden blockieren.
RED: Das heißt, Gutstellen mit der Dame am Telefon und versuchen durchzufragen bis zur Stelle, die anscheinend die Mail hat. Ich lese gerade XING. Hier könnte man doch auch unaufdringlich die zarten Banden knüpfen?
Gerhard Winkler: XIng ist ein neutraler Platz, wo man ohne zu stören anklopfen, sich vorstellen, nachfragen darf.
jo: Sollte man immer nachhaken, wenn man eine Bewerbung abgeschickt hat und keine Antwort erhält? Das habe ich bisher nie gemacht. OK, ich habe bisher keine positive Antwort auf eine Bewerbung erhalten, meist Absagen, aber sollte das etwa an meinem nicht durchgeführten Rückruf liegen? Ich glaube ja kaum. Manchmal dauerte es sehr lange, bis eine Absage auf dem Tisch lag. Hm, es kann doch nicht sein, dass ich das in irgendeiner Weise beeinflussen kann.
Gerhard Winkler: Kaum ein Jobanbieter schätzt es, wenn man nachhakt. In manchen Berufen kommen Sie nur dann schnell zum Ziel, wenn Sie vorhaken. Rufen Sie an! In der Regel ist man nach einem Anruf als Bewerber nicht klüger. Die vielen Ausnahmen bestätigen aber, dass man mit Glück die richtige Person zum glücklichen Zeitpunkt erwischt hat - und das ist oft das banale Geheimnis erfolgreicher Selbstvermarktungsaktionen.
zahlenrodeo: Das mit dem Nicht-nerven-wollen, verstehe ich gut. Ich habe mich vor 2 Monaten im öffentlichen Dienst beworben. Ich wurde schnell zum Gespräch eingeladen, aber danach kam nichts. Auf telefonische Nachfrage wurde mir vor 4 Wochen mitgeteilt, dass die Stelle besetzt wurde, aber seitdem kam auch keine Absage. Was kann ich davon halten und wie soll ich reagieren?
Gerhard Winkler: 1. solange man nicht im Upper Management ist: anrufen und nachfragen, auch wenn man damit nervt. 2. Wenn Sie trotz zweimaligen Nachhaken über mehrere Wochen nichts hören: Bewerbung vergessen. Es ist sinnlos, sich über die mangelnde Höflichkeit von Jobanbietern beklagen zu wollen.
Architekt aus Frankfurt: N’Abend!
Gerhard Winkler: Hallo, was baut man Neues in Frankfurt?
Architekt aus Frankfurt: Wollte nur mal kurz hallo sagen und dem Bewerbungshelfer für seine Arbeit danken. Bin als Student auf die Seite aufmerksam geworden und nun nach dem 7. Anlauf bei meinem Traumjob gelandet. Allerdings nicht mittels Bewerbung, sondern über Kontakte. Die mit Hilfe von jova-nova.com optimierten Zeugnisse glänzen bestens.
Gerhard Winkler: Glückwunsch! Berichten Sie bei Gelegenheit mir oder den Chat-Kollegen heute doch etwas genauer, wie Sie Ihre Kontakte genutzt haben.
Architekt aus Frankfurt: In Frankfurt baut man derzeit unter anderem Altes: Die Großmarkthalle wird saniert und erhält einen Anbau in Form eines Hochhauses für die EZB. Das technische Rathaus wird abgerissen, an gleicher Stelle werden Gebäude in Form der historischen Altstadt aufgebaut.
Gerhard Winkler: Die alte Großmarkthalle gehörte zu den schönsten Gebäuden. Irgendwo stand ein Artikel, der sich gegen den Abriss des Technischen Rathauses gewandt hat - ich fand es allerdings immer grob und grässlich - wie aus Mannheim verpflanzt.
Architekt aus Frankfurt: Jetzt, wo es abgerissen wird, merkt man erst, welche Qualitäten es hat. Seit die braune Fassade raus ist, sieht es hübscher aus.
Gerhard Winkler: Für alle Chatter, vor allem die aus Berlin: Wenn Sie mal eine richtige Stadt am Fluss sehen wollen, besuchen Sie Frankfurt am Main!
Pritt: Im vergangenen Jahr habe ich viel Zeit (14 Monate) und Geld in ein postgraduales Zertifikatstudium mit branchenbekannten Dozenten investiert. Wie vermarkte ich das am besten in meiner Bewerbung? Aus der Bezeichnung des Zertifikates geht der Inhalt nur begrenzt hervor. Daher denke ich daran, Studieninhalt und Dozentennamen auf einer extra Seite im Anhang darzustellen. Zuviel des Guten?
Gerhard Winkler: Ich würde das Aufbaustudium im Lebenslauf unter AUSBILDUNG notieren, und den Eintrag mit Schwerpunkten und den Dozentennamen anreichern. Natürlich auch mit Abschluss und Note!
xaverwien: Welche Durchlaufzeit brauchen Sie für die Erstellung einer Optimierung? Bin 40 und habe doch schon einige Arbeitgeber hinter mir, es scheint, als ob ich mich trotz hoher Qualifizierung unter meinen Wert verkaufe. Ich denke, dass auch von Ihnen optimierte Anschreiben hier in Wien Erfolg haben könnten.
Gerhard Winkler: In den nächsten Tagen bin ich voll ausgebucht und zudem mit einem Projekt beschäftigt. Bei mir ist wieder Anfang Juli mehr Luft. Klar kommen meine Bewerbungen auch bei den Österreichern an ... Leistung spricht immer eine klare Sprache ... die versteht man auch dort unten im 1. Bezirk. Starten Sie vielleicht mit einem Kurzcheck - da kriegen Sie sehr viele Anregungen und wenn Sie doch für eine Optimierung votieren, wird der Kurzcheck-Preis von der Optimierungsgebühr abgezogen.
marktobsek: Hallo Herr Winkler, ich danke Ihnen für die Optimierung 1 meiner Bewerbungsunterlagen. Eine besondere Bewerbung steht bei einem bekannten Autohersteller an, bei der ich sogar Beziehungen habe. Das Anschreiben auf die Stellenausschreibung anzupassen macht mir doch erhebliche Schwierigkeiten. Obwohl es sich um eine ähnliche Position handelt. Und über Stellen anderer Orientierung ganz zu schweigen. Im Anschreiben die Anforderungen des Unternehmens zum Teil hinein zu nehmen und zu sagen „ich bin gut“ fällt mir schwer. So was wie eine Schreibblockade?
Gerhard Winkler: Sie haben die Anforderungen der Stelle im Kopf - jetzt breiten Sie die Tatbestände Ihrer Ausbildung und der Studi-Jobs so aus, dass Ihr Anschreiben eine immanente Antwort auf das Anforderungsprofil gibt. Schauen Sie nicht in sich, schauen Sie auf Ihren Lebenslauf. Da stehen alle Anschreiben drin, die Sie in dieser Kampagne noch texten.
marktobsek: Könnten Sie bitte nur bei dem Anschreiben für den Autokonzern helfen. Mein Bekannter hat, glaube ich, schon seine Beziehung spielen lassen, ohne mein Go abzuwarten. Ich befürchte, wenn ich zu lange brauche oder Fehler mache, dass es daneben geht und die einmalige Chance durch die Lappen geht.
Gerhard Winkler: OK. Nehmen Sie bitte mit mir per Mail Kontakt auf!
marktobsek: Danke. Könnte mir Ihr E-Book "100 beste Anschreiben " weiterhelfen?
Gerhard Winkler: Nein. Sie haben bereits ein Anschreiben (oder sogar zwei!) - alle anderen leiten Sie daraus und aus dem Lebenslauf ab. Im schlimmsten Fall texte ich noch eins.
jo: Hallo Herr Winkler, bin bereits 41 Lenze. Habe irgendwann mal eine Lehre zum Steuerfachgehilfen gemacht, dann ein Studium der Sozialwesen geschmissen und schließlich nach, was weiß ich wie vielen Semestern, Wirtschaft mit Diplom abgeschlossen. Leider habe ich keinen Job gefunden. Habe in der Zwischenzeit in der Altenpflege gearbeitet, danach ein Fachwerkhaus umgebaut, in das ich mit meinen Eltern eingezogen bin. Jetzt habe ich mich endlich exmatrikuliert und arbeitslos gemeldet. Leider habe ich, da ich bei den Eltern im Haus wohne und keine getrennte Wohnung für mich vorhanden ist - ein Stockwerk ist noch nicht fertig - keinen Anspruch auf ALG II. Egal auch. Von der ARGE bekomme ich zu hören, dass ich keinerlei Praxiserfahrung habe und ich deswegen nicht vermittelbar bin. Zuerst habe ich das geglaubt, aber das kann nicht sein. Ich habe nicht so lange studiert, um jetzt irgendwelche Hilfsjobs zu machen. Jetzt überlege ich, da ich auf dem regulären Arbeitsmarkt nichts finde, mich bei Zeitarbeitsfirmen zu bewerben. Wie gehe ich es an, von den Zeitarbeitsfirmen nicht als Hilfsarbeiter eingestellt zu werden? Ich möchte mich als Mitarbeiter im Rechnungswesen, also Buchhaltung, bewerben. Leider fehlen mir da die aktuellen Kenntnisse der jeweils gängigen Buchhaltungssoftware. Ich habe bereits vor einem Jahr in einer Steuerberatungspraxis, in einem Schnupperpraktikum, die Datev-Software nutzen können und konnte sie nach ca. einer Woche bedienen. Wenn ich irgendwo rein komme, kann ich mich da schnell in jedes Problem rein arbeiten. Das habe ich während meines Studiums gelernt. Wie würden Sie da vorgehen oder hätten sie einen anderen Vorschlag?!
Gerhard Winkler: Erst einmal Glückwunsch zum erfolgreichen Studienabschluss! Das schafft nicht jeder. Sie haben wirklich etwas Positives geleistet! Mit Ihrem Profil tun sich die üblichen Unternehmen, bei denen sich BWLer bewerben, oft schwer. Dabei haben Sie doch so eine breit gefächerte Erfahrung. Sie haben dank Ihres Studiums des Sozialwesens und Ihrer beruflichen Erfahrung ein weitaus besseres Standing als die Berufsanfänger. Ich würde unbedingt bei Non-Profit-Organisationen anfragen, Lehrverpflichtungen übernehmen, mir überlegen, ob man mit diesem Background nicht in die Beratung gehen kann.
jo: Hm, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Non-Profit-Organisationen. Ich habe all meine Energie bisher auf der üblichen Schiene eingesetzt, aber nur Ablehnung verspürt. Vielleicht haben Sie recht? Ich bin irgendwie so verbohrt. Ich denke also in eine Richtung, die ich einschlagen sollte, die ich bisher nicht eingeschlagen habe. Könnten sie das noch ein bisschen detaillierter beschreiben. Mir fällt im Augenblick kein Berufs- oder Arbeitsbereich ein oder meinen Sie meine Studienziele, meinen Background? Nein, ich kann mit Non-Profit-Organisationen nichts anfangen. Hm, muss mal kurz googeln. OK, ich hab’s verstanden, danke für den Rat.
Gerhard Winkler: Verbände, Soziale Einrichtungen, Maßnahmeträger, Beratungsfirmen ... Nicht vergessen: Sie sind alles, was Sie sind, nicht nur ein (frischgebackener) BWLer. Machen Sie sich nicht klein. Bringen Sie Ihre ganze Erfahrung ins Spiel!
jo: Cool. Und ich begann schon, mich immer kleiner zu machen. Echt dumm von mir. Wenn Sie mal in der Nähe von Kassel sind, müssen wir unbedingt mal einen trinken gehen. Vielen dank und viele Grüße!
Gerhard Winkler: Gehen Sie dorthin, wo man Sie allein schon deshalb schätzt, weil Sie einen unverwechselbaren Werdegang und ein ganz besonderes Profil haben.
Miriam: Guten Abend Herr Winkler. Ich studiere derzeit im vierten Semester International Business and Management an einer Fachhochschule und möchte wissen, wie Sie die Chancen für einen Konzerneinstieg bei durchschnittlichen Noten (zwischen 2,3 und 3,3) und viel außerstudentischem Engagement einschätzen. Bei Praktikumsbewerbungen habe ich bisher nur Absagen erhalten. Besteht die Chance auch nach ein paar Jahren in einem mittelständischen Unternehmen in einen Großkonzern zu wechseln?
Gerhard Winkler: Man müsste sich die Praktikumsbewerbungen genauer anschauen. Ihr breites Engagement hört sich doch sehr vielversprechend an. Seit dem es auf der Welt unterschiedlich große Unternehmen gibt, also etwa seit den Phöniziern, diskutieren die Mitarbeiter, ob man vom Großen zum Mittleren wechseln kann (und soll) und vice versa. Finden Sie den Einstieg und achten Sie beim Aufstieg auf die vielversprechenden Seitenlinien.
Catharina: Hallo Herr Winkler, langsam sind wir verzweifelt, die Arbeitgeber reagieren entweder gar nicht oder fragen nach 6 Wochen mal, ist Ihre Bewerbung noch gültig, man antwortet ja, und wieder still ruht der See. Morgen war Vorstellungstermin für ne Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann, heute kam Anruf von denen, sie wollten nur mitteilen, sie können nur Hotelfachmann oder Restaurant anbieten, was völlig anderes also. Gesucht haben die aber Azubis zum Veranstaltungskaufmann. Andere suchen für ein (unbezahltes) Praktikum absolvierte Hochschulstudenten. Ist doch echt krass.
Gerhard Winkler: Hallo, Catharina. Ich würde jetzt als Mutter selbst aktiv werden und zum Hörer greifen. Ihr Sprössling ist vielleicht einfach zu lieb und zu vorsichtig bei der Ansprache. Knien Sie sich rein und fragen Sie, wieso man mit dieser Fülle an praktischer Erfahrung keinen Ausbildungsplatz bekommt.
Catharina: Herr Winkler, okay, bin heute nur deprimiert, aber das nutzt ja keinem, also weiter geht’s. Aber die Unhöflichkeit bzw. Nichtreaktion einiger Arbeitgeber regt echt auf. Liebe Grüße.
Gerhard Winkler: Unhöflichkeit, Passivität, Gedankenlosigkeit - halten Sie sich damit nicht auf. Nehmen Sie das als die Begleitumstände, die nicht zu ändern sind. Aber jetzt müssen Sie vielleicht selbst eingreifen und aktiv alle Ausbilder noch einmal anrufen, die schon einmal Ihrem Sohn abgesagt haben oder die auf Tauchstation gegangen sind.
Catharina: OK, Herr Winkler, werde ich machen. Wünsche Ihnen einen schönen Abend.
Pritt: Werden berufsbezogene Social Networks, wie z. B. XING und LinkedIn (nicht Facebook oder MySpace) aus Sicht von HR-Abteilungen heutzutage als ernsthafte und erfolgversprechende Kandidatenquellen angesehen? Insbesondere auch in weniger internet-affinen Branchen, wie z. B. Industrie, Handel, Banken, Verwaltungen, ...?
Gerhard Winkler: Ja! Pflegen Sie Ihre Profile, Ihre Kontakte und (wenn es wirklich Sinn ergibt) auch Ihre eigene Homepage. Letztere ist ein gutes Tool für Kreative, Denker, Berater, Helfer, Texter, Gestalter, IT-Leute.
Daniel: Hallo Herr Winkler, ich studiere in Dresden und möchte jetzt in einer anderen Stadt ein Praktikum machen. Deshalb brauch ich in der neuen Stadt eine Wohnung und es wäre schön, wenn mir das Unternehmen bei der Suche behilflich ist oder gar eine Wohnung zur Verfügung stellen kann. Soll das überhaupt ins Anschreiben rein und wenn ja, ist die Formulierung gut: "Sehr freundlich wäre es, wenn mir das XYZ-Unternehmen beim Finden einer Wohnung in A-Stadt behilflich sein könnte."
Gerhard Winkler: Lieber Daniel, schreiben Sie so was bitte nie in das Anschreiben, selbst, wenn Sie sich bei einem Wohnungsbauunternehmen verdingen wollen. Wenn Sie eine Kurzzeitwohnung brauchen, wenden Sie sich an die Mitwohnzentrale. Mit dem Unternehmen reden Sie nur über Ihr Praktikum.
testie: Guten Abend. Ich habe derzeit den Eindruck, dass die Zeitarbeitsfirmen nur ihre „Pools“ auffüllen wollen. Bei manchen ist es eindeutig, bzw. wurde mir sogar bestätigt. Trotzdem wird weiter ausgeschrieben, zum Teil auf Stellen, auf die ich mich bereits beworben habe. Kann bei einigen Zeitarbeitsfirmen nachvollziehen, dass meine Bewerbung gelesen wurde. Auf Nachfragen bekommt man dennoch keine Antwort. Die zweite Möglichkeit ist, dass man nichts für mich hat. Warum heißt es dann immer, dass die Zeitarbeit so ein Karrieresprungbrett ist (sein soll)? Hat man da als Berufsanfänger derzeit auch keine Chancen mehr (um Berufserfahrung sammeln zu dürfen) - vom Auto mal abgesehen? Welche Erfahrung haben Sie mit diesem Thema?
Gerhard Winkler: Zeitarbeitsfirmen haben Geschäftsstellen, die haben Türen und durch eine davon spazieren Sie herein. Nehmen Sie alle aus diesem Chat nur eine Botschaft mit: Wenn Sie etwas erreichen wollen, dann gehen Sie direkt zu den Leuten. Für die fortgeschrittenen Karrieristen gilt: Gehen Sie nur zu den richtigen Leuten und passen Sie dafür den richtigen Moment ab. Oder kennen Sie Leute, die Karriere gemacht haben und anders vorgegangen sind?
testie: Leider ist es nicht so ohne Weiteres möglich. Die meisten sind bis zu 40 km entfernt. Hatte auch schon „Vorstellungsgespräche“ mit demselben Ergebnis: Aufnahme in die Kartei - auf telefonische Nachfrage kommt mein Profil derzeit für die Kunden nicht in Frage. Diese Antwort erhalten ich von so ziemlich allen Zeitarbeitsfirmen, bei denen ich registriert bin (sehr viele inzwischen!).
Gerhard Winkler: OK, die Meister der Personalüberlassung haben Sie durch. Dort gibt es vielleicht wirklich nichts zu holen.
Anna: Hallo Herr Winkler, ich möchte aus der Forschung in die Industrie wechseln. Da es bisher nicht geklappt hat, mache ich derzeit eine Weiterbildung. Dort ist auch ein kurzes Bewerbungstraining dabei. Dort hat man mir empfohlen, ein Qualifikationsprofil zu schreiben, z. B. wo man denn schon Erfahrung im Projektmanagement hat. Einerseits finde ich es nett, weil man dann seine Qualifikationen losgelöst vom Lebenslauf zusammenfassen kann (z. B. Projekte während ehrenamtlicher Tätigkeit und während Promotion) und der Lebenslauf so kürzer wird. Auf der anderen Seite frage ich mich, ob das jemand liest. Was ist Ihre Meinung?
Gerhard Winkler: Der Lebenslauf ist Ihr Qualifikationsprofil. Ihr Anschreiben ist Ihr Vortrag über Ihr Qualifikationsprofil. Ihre Bewerberstory ist Ihr Erfahrungsbericht, der unter anderem verklart, wie es zu diesem Qualifikationsprofil gekommen ist. Im Rahmen eines Bewerbungstrainings ein Qualifikationsprofil schreiben zu lassen, entlastet den Dozenten. 30 Minuten Stillphase. In der Zeit kann man sein iPhone besurfen.
Chorist: Hallo Herr Winkler, da Sie immer gerne Erfolgsgeschichten hören, kann ich Ihnen berichten, dass nach fast einem halben Jahr sparsamer, aber gezielter Suche sich nun endlich etwas getan hat. Nach erfolgreichem "Vorsingen" in der dritten Runde vor dem Vorstand gehe ich davon aus, demnächst endlich einen Vertrag im Hause zu haben. Ihre Webseite hat mich vom Entwurf des Anschreibens (nach x Jahren ohne sich bewerben zu müssen gar nicht so einfach) über die Gestaltung des CV bis zur Vorbereitung auf jede einzelne Gesprächsrunde führend begleitet, wenn es auch ab und zu gewöhnungsbedürftig war, Ihren teils recht selbstbewussten Standpunkten zu folgen. Der Kurzcheck der Unterlagen hat vielleicht (Sie würden sagen: mit Sicherheit ;-) ) ebenfalls dazu beigetragen, dass ich überhaupt Einladungen zu Gesprächen bekommen habe. Vielen Dank also...
Gerhard Winkler: Haben Sie schon einmal von einem Missionar gehört, der konträre Ansichten gelten lies? An dieser Stelle sei es noch einmal gesagt: Jede Bewerbungsmethode ist OK, solange sie zum Ziel führt.
xaverwien: Was halten Sie von diesen Firmenportal, wo man sich ganz genau registrieren muss, um sich überhaupt bewerben zu können? Wie kann man sich da noch von der Masse abheben? Dort kommt als Feedback bloß, danke für den Eintrag, dieser wird bearbeitet und man hört nie wieder etwas.
Gerhard Winkler: Kann sein, dass Sie nie etwas hören. Was aber, wenn Sie hören, dass andere Bewerber erhört worden sind? Registrieren Sie sich!
Pritt: Welches ist das stärkste Bedürfnis eines Mitarbeiters in der HR-Abteilung?
Gerhard Winkler: Jemandem sein Leid zu klagen. Haben Sie schon je von einem Mitarbeiter irgendeiner Abteilung gehört, der nicht froh wäre, gegenüber irgendwem sein Herz auszuschütten?
Gerhard Winkler: Das war es schon. Danke fürs Mitmachen!Einen schönen Abend! Viel Glück und Erfolg bei der Ausbildungs- oder Jobfindung!
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
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