Moderator: Willkommen beim offenen Chat mit dem Bewerbungshelfer Gerhard Winkler.
Gerhard Winkler: Hallo Chat-Freunde, in Deutschland hat es derzeit dreißigtausend offene Ausbildungsplätze, die wirtschaftlichen Eckdaten sehen besser aus als angenommen ... gute Nachrichten für den Bewerbermarkt! Sind Sie ganz ohne Job? Wollen Sie raus dem alten? Oder stehen Sie gerade vor dem ersten Schritt ins Berufsleben? "Kommen Sie rin, können Sie rausgucken", werben die altgedienten Personaler.
Wie stets gehen wir so vor: Sie posten, was anliegt, ich stürze mich auf Ihre Fragen. Sie kommentieren, ergänzen, merken an und verbessern mich, falls ich einmal unterhalb meiner fachlichen Möglichkeiten antworte.
Meine heutigen Fragen an Sie alle: Soll man sich mit Kollegen auf Facebook vernetzen? Was, wenn der Boss sich adden will? Soll man, kann man seine Pinnwand vor bestimmten Leuten verstecken? Wie gut muss man sich eigentlich kennen, um sich unter Kollegen online anzufreunden?
PeterS: Meine Antwort darauf: beim Anlegen eines Profils oder beim Vernetzen geht man am besten so vor wie beim Konfigurieren einer Firewall, zuerst alles dicht und dann die einzelnen Ports, die man wirklich braucht, freischalten.
Gerhard Winkler: Peter, was machst Du, wenn ein Kollege, den Du NULL leiden kannst, sich auf Facebook adden will?
PeterS: Ablehnen – was sonst. Solche Leute schaden einem meistens und wollen das auch, das ist die Motivation, die hinter dem "Wunsch" steckt.
Gerhard Winkler: Was Leute im sozialen Miteinander oft antreibt, ist Statusdenken, Angst vor Kontrollverlust und (wie bei allen Gruppenprozessen) der Horror davor, von der allgemeinen Kommunikation abgehängt zu werden und als toter Seitenkanal im allgemeinen Redefluss zu enden. Oder sind manche Kollegen einfach nur impertinent?
PeterS: Man selbst muss ja auch damit umgehen können, wenn man abgelehnt wird, und eine Ablehnung kann viele Gründe haben, nicht nur Antipathie, auch Zeitmangel ...
Gerhard Winkler: Ablehnen stärkt den Charakter. Ich fürchte aber, dass man Kollegen verletzt und sich im realen Joballtag damit Feinde schafft.
Elke2: Zu Ihrer Antwort an PeterS: ich glaube, dass es nicht nur um verletzen geht, sondern um simplen Stolz. Wenn jeder jeden zulässt, nur einer macht nicht mit, hat dieser echt ein Problem.
Gerhard Winkler: Anerkennung, Einbindung, Akzeptanz durch andere sind in einer Firma so wichtig. Als Vorgesetzter wäre ich sehr aufmerksam, ob da Ausgrenzungsprozesse im virtuellen Netzwerk stattfinden.
Elke2: Es gibt auch unangenehme Kollegen, die einen auf XING oder LinkedIn "hinzufügen" wollen, das ist sehr schwierig. Bei Facebook kommt es darauf an, ob man es privat oder geschäftlich nutzt, finde ich.
Gerhard Winkler: Hi Elke2 - wollen Sie die Beziehungen innerhalb eines Teams, einer Abteilung, einer Firma 1:1 im Web abbilden oder wollen Sie eine Netzwerkdiplomatie betreiben, die keinen ausschließt? Schwierige Frage!
Elke2: Das ist tatsächlich schwierig, da ich mir neben dem Job etwas anderes aufbauen will. Das Netzwerk bildet daher "mein anderes Berufsleben" ab. Das ist nicht geheim, aber natürlich möchte ich lieber die angenehmen Kollegen drinnen und die anderen draußen halten.
Gerhard Winkler: Es ist schon schwer, wenn Sie auf Ihrer Hierachieebene bleiben. Stellen Sie sich vor, Ihr Boss ist mit der Mannschaft auf Facebook verbandelt und er gewährt den Teammitgliedern unterschiedliche Verbindungsgrade.
PeterS: Stimmt, ist in dem Fall eine schwierige Entscheidung. Was sagt der Experte denn dazu ? Ja oder Nein?
Gerhard Winkler: Oh, ich bin kein Facebook-Experte. Ich finde nur, dass Facebook-Verbandelungen von Co-Workern weit über das Private hinausgehen.
Elke2: Oder alle sind mit Ihrem Chef verbunden, nur Sie werden nicht reingelassen.
Gerhard Winkler: In diesem Fall würde ich mein XING-Profil auf aktiv suchend umstellen und mich anderweitig orientieren.
Nexus: Meiner Meinung nach sollte Privates und Geschäftliches immer getrennt werden. Kollegen auf Facebook hinzufügen, kann man machen, man sollte ihnen dann aber nur beschränkten Zugriff auf das eigene Profil geben. Dank einiger Privatsphäreneinstellungen, die Facebook mittlerweile auch ein wenig leichter auffindbar gemacht hat, ist das sehr gut möglich.
Gerhard Winkler: Hallo, Nexus, wie reagieren denn Freunde und Kollegen, wenn man sie partiell ausschließt? Empfindet man das nicht als einen Ausdruck fehlenden Vertrauens?
Nexus: Eine weitere Möglichkeit, um wirklich nur geschäftliche Kontakte zu pflegen, stellt XING dar. Hier ist es vielleicht auch besser, ein Netzwerk auf beruflicher Basis aufzubauen. Facebook dient mir zum Beispiel nur dazu, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Bei XING hingegen finden sich ausschließlich geschäftliche Kontakte.
Gerhard Winkler: Meine Metapher ist: XING ist der berufliche Stammtisch, Facebook eher der Küchentisch. Am Stammtisch hat man seinen Platz, im Nebensaal gibt's Vorträge und zwischen Toilette und Ausgang stolpert man über bunte Angebote wie Salsatanz, Rundflug über Berlin oder ein buheinesischer Kochkurs.
Nexus: Es kann schon mal vorkommen, dass sich Freunde dann bei Facebook ausgegrenzt fühlen. Allerdings ist es ein Phänomen bei sozialen Netzwerken, dass man alte Bekannte, vielleicht sogar aus der Schulzeit, wiederfindet, mit denen man eigentlich nicht viel zu tun hatte. Ich sehe keinen Grund, dass diese dann vollen Zugriff auf mein Profil haben sollten. Anders verstehe ich es auch, wenn ich nicht vollen Zugriff auf manche Profile habe. Es liegt wohl jedem selbst offen, ob er mit Kollegen "befreundet" ist oder nicht. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Passend dazu: www.giga.de/macnews/newsticker/gericht-bestatigt-apples-kundigung-wegen-facebook-post-250410
Gerhard Winkler: Ist es nicht so, dass man einerseits die schiere Zahl der Kontakte als Erfolgsmeldung verbucht? Dass man als Anklopfer die Akzeptanz durch andere sucht? Wenn alle Welt sich online verbandelt und verknüpft, ist es dann nicht segensreich, mit aller Welt befreundet zu sein?
Nexus: Aber was bringen einem Kontakte in einem sozialen Netzwerk wie Facebook. Wenn man nur darauf konzentriert ist, möglichst viele Freunde zu haben, hat man doch schon den kompletten Bezug zur Realität verloren. Ein soziales Netzwerk im wirklichen Leben ist persönlicher und eben auch "echt".
Gerhard Winkler: Virtuelle Netzwerke sollten reale Verbindungen abbilden. Machen Sie sich einen guten Namen in der Wirklichkeit und lassen Sie ihn in der Virtualität leuchten.
Nexus: Ich sehe gerade, Sie haben auch "nur" 86 Freunde in Facebook. Diese werden Sie wohl auch persönlich kennen nehme ich an?
Gerhard Winkler: Ja, privat bin ich ein No-Add. Können Sie mal schauen, wie viel ich auf meinen zweiten Facebook-Konto jova-nova.com habe?
Nexus: Auf der Fanseite von jova-nova.com befinden sich 240 "gefällt mir". Ob das mit "Freunden" gleichzusetzen ist? Beides ist man mit wenigen Klicks....
Turbo: Hallo Herr Winkler, Ich bin 36 Jahre alt und will als Chemiker von der Produktion in die F&E wechseln. Formal erfülle ich die Voraussetzungen: Postdoc in USA, 4 Jahre Erfahrung in Prozessforschung und -entwicklung. Seit 5 Monaten in neuem Job in der Produktion (große Pharma-Firma, gutes Gehalt, Probezeit erfolgreich beendet), aber leider ist es nicht mein Traumjob. Ich habe den Wechsel in den letzten Jahren öfters probiert, ohne Erfolg. Dies liegt vielleicht auch an meiner Persönlichkeit: ich bin sehr schüchtern (kann mir z.B. kein Profil bei XING oder LinkedIn vorstellen), kann mich anscheinend nicht so gut verkaufen, dazu komme ich mir auch wie ein wissenschaftliches Leichtgewicht vor, d.h. ich habe wenig Selbstbewusstsein. Was können Sie mir raten?
Gerhard Winkler: Hallo Turbo. Ihr Name weist darauf hin, dass Sie eigentlich ein Durchstarter sind. Sie warten vielleicht nur auf den zündenden Funken. Berufliches Selbstbewusstsein bildet man nicht allein. Sie sind angewiesen auf die Bestätigung, das positive Feedback, die Ermutigung durch andere. Das klappte bisher wohl nicht so gut ... sonst würden Sie nicht über ein defizitäres Selbstwertgefühl klagen. Bilanzieren Sie zunächst alle Ihre bisherigen Leistungen und Erfolge im Lebenslauf. Oder machen Sie dazu ein Mindmap. Bauen Sie Ihre Story auf. Erzählen Sie von dem, was Sie bislang bewirkt und geschaffen haben. Finden Sie Zuhörer, die das toll finden und Ihnen das auch sagen!
Turbo: Hallo Herr Winkler, OK, danke für die Antwort. Das stimmt schon mit dem Feedback, aber wie gesagt, ich bin eher schüchtern. Außerdem meint es ja auch nicht jeder gut mit einem. Sie haben schon Recht, ich weiß nicht genau, wie ich mich einschätzen soll. Ich hatte jedoch eines der besten Diplome an unserer Uni. Die Stellen, die ich will, sind ebenso überlaufen. Ich weiß nicht, wie ich wettbewerbsfähiger werden kann und wie ich Feedback einholen kann.
Gerhard Winkler: 1. Fangen Sie an, sich selbst zu loben. 2. Fordern Sie Lob von anderen ein. 3. Klären Sie im privaten Kreis ab, warum Ihre Lieben Sie nicht loben. Tun Sie zeitgleich nur lobenswerte Dinge. Terminieren Sie mit ihrem Boss ein Mitarbeitergespräch. Lassen Sie sich ein Zwischenzeugnis ausstellen. Fangen Sie etwas Neues an, das Ihnen Anerkennung, Fortschritte und Belohnungen bringt: Golfen, Gitarre, Mitarbeit in der Ludwigshafener Suppenküche. Möglichst verknüpft mit anderen Menschen.
Turbo: Ja, aber ich bin halt sehr kritisch, nehme nicht jedes Lob an und gebe vor allem nicht gerne an. Ich habe schon das Problem, dass man mir vorgeworfen hat, ich komme nicht authentisch rüber. Ich erkläre mir das unter anderem damit, dass ich die Verkaufssituation im Vorstellungsgespräch mit meiner kritischen Art schlecht verbinden kann, zumindest nicht vorteilhaft.
Gerhard Winkler: Turbo, sind Sie kritisch, weil Sie ein wacher Geist sind oder weil Sie selber Kritik abblocken wollen?
Turbo: Beides. Ich empfinde sowohl Lob als auch Kritik oft als unangebracht. Im Job versuche ich mir das natürlich nicht anmerken zu lassen, aber daher eventuell auch der Vorwurf, nicht authentisch zu sein.
Gerhard Winkler: Nehmen Sie Kritik ernst, aber nicht persönlich. Nehmen Sie Lob an und tragen Sie selbst zu einer Kultur des wechselseitigen Lobens bei.
ohnejob: Ich bin ohne Ausbildung bis jetzt, aber warum soll das immer an mir liegen und nicht mal an der Gegenseite? Man selber schraubt seine Ansprüche runter und das Gegenüber will im Grunde, dass man alles kann? Das kann doch nicht normal sein, zumal manche Fragen im Interview echt zu wünschen übrig lassen. Man muss sich das alles nicht bieten lassen oder doch?
Gerhard Winkler: Nehmen Sie die Fragen sportlich und als Vorlage, um mit jeder Antwort zu punkten. Ja, der Bewerbungsprozess ist eine Zumutung, weil man in Ihnen bohrt und gräbt und nachhakt und zweifelt und kritisch sieht. Das liegt daran, dass es nicht auf unserem Gesicht vermerkt ist, ob wir ausbildungs- oder jobtauglich sind. Und dass unser Lebensweg immer Fragen aufwirft.
ohnejob: Da kann man Spanisch und Englisch, da heißt es, wieso können sie kein Russisch. Hat man keinen Führerschein, heißt es, es kann sie keiner fahren und holen. Herabsetzungen wie, ach, Sie leben von Sozialhilfe? Wo bin ich, dass man so mit einem umgeht, es liegt auch mal an dem Gegenüber, dass ich keine Ausbildung bekomme. Es liegt nicht an mir!
Gerhard Winkler: Sie sind nicht gekommen, um sich für Ihre aktuelle Lage zu entschuldigen. Sie sind angetreten, weil Sie Ihre Lage positiv verändern und sich zugleich nützlich machen wollen.
ohnejob: Was soll man bzw. was soll ich machen, wenn man alles ausgeschöpft hat? Es liegt nicht an mir.
Gerhard Winkler: Sie haben es so oft versucht. Mit Anlauf. Mit Selbstvertrauen. Mit aller Kraft. An welchem Punkt haben Sie genau die Hürde gerissen?
ohnejob: Hürden gibt es meinerseits keine, aber wie schon geschrieben, man verlangt Russisch, obwohl man Spanisch und Englisch kann, man verlangt und verlangt, aber man gibt keine Chance und das bei weit über 200 Bewerbungen und dabei muss man sich oft noch dumm anreden lassen: „das kann doch nicht sein, 2 Jahre und noch keine Ausbildung.“
Gerhard Winkler: In Berlin gibt es einige Beratungsangebote für Ausbildungssuchende in Ihrer Lage. Gewiss auch in Ihrer Stadt! Gehen Sie dorthin, arbeiten Sie dort kurz die letzten zwei Jahre auf – aber in Hinblick darauf, wie Sie sich besser für die Verhandlungsphase rüsten!
ohnejob: Hier im Dorf eher nicht, und die vom Jobcenter wollen einen nur einen 400€ Job andrehen.
Gerhard Winkler: Ein Mini-Job kann Sie zwischenzeitlich durchaus weiterbringen!
ohnejob: Warum und wie soll ich mich rechtfertigen, dass ich schon länger auf der Suche bin? Zumal ich unverschuldet auf der Suche bin, was soll ich da machen? Und warum denkt das Gegenüber immer, es hat einen in der Hand und verlangt im Grunde alles?
Gerhard Winkler: Streichen Sie das Wort "Schuld" aus Ihren Überlegungen. Sie machen dem Ausbilder einen geschäftlichen Vorschlag und verhandeln den. Nicht mehr, nicht weniger.
ohnejob: Ich fühl mich nicht mehr schuldig, schon lange nicht, die sind ja schuld, dass sie mir keine Ausbildung geben. Kann man auch im späteren Alter eine Ausbildung noch machen? Ich bewerbe mich jetzt schon wieder für 2012.
Gerhard Winkler: Bewerben Sie sich. Nehmen Sie zugleich Kurzeit- oder Neben-Tätigkeiten an. Arbeiten Sie an Ihrer Selbstdarstellung. Lassen Sie nicht locker, aber seien Sie bereit, aus den letzten 24 Monaten zu lernen.
Sebastian: Hallo Herr Winkler, ich bin jetzt fast 1 Jahr auf Jobsuche. In den letzten Interviews werde ich darauf sehr offensiv angesprochen. Was haben Sie bislang unternommen? Wie viele Bewerbungen haben Sie verschickt und wie viele Gespräche haben Sie geführt? Wie würden Sie mit den Fragen umgehen?
Gerhard Winkler: Wenn Sie ein Mann der Zahlen sind, dann antworten Sie präzise: „123 Bewerbungen, 24 Gespräche, 8 x von mir selber abgesagt, weil ich wirklich meinen Traumjob suche.“ Es wäre gut, wenn Sie neben den Bewerbungsaktivitäten noch etwas anderes gemacht haben. Kind aufgezogen, Roman geschrieben, Familienangehörige gepflegt, ein Haus renoviert...
Sebastian: Selbstverständlich, dazu gehört natürlich das Thema berufliche Weiterbildung. Mir ist nicht ganz klar, welchen Zweck die Fragestellung im Jobinterview hat. Die Zahl liegt bei ca. 160 Bewerbungen und 25 Gesprächen. Soll hier lediglich die Motivation des Bewerbers getestet werden? Ich möchte in einem Jobinterviews vermeiden, über verpasste Chancen oder Wahrscheinlichkeitsrechnungen (ist mir tatsächlich passiert) zu philosophieren.
Gerhard Winkler: "Ich habe 160 Bewerbungen abgeschickt, bin 25mal eingeladen worden und habe selbst einige Male dankend abgesagt. Ich habe klare Vorstellungen, was ich für eine Firma leisten kann und unter welchen Bedingungen ich beste Leistung bringe." – Oder: „Wenn wir uns darüber unterhalten, weshalb ich noch keinen Vertrag unterschrieben habe, kommen wir ins Reich der reinen Spekulation. Lassen Sie uns doch konkret darüber reden, was ich für Sie tun kann. Dann sprechen wir über sichere Prognosen.“
Anton: Hallo Herr Winkler, ich bin gerade dabei, mich beruflich zu verändern. Ich bin aktuell im Finanzbereich selbständig und außerdem Assistent des Geschäftsführers. Ich habe mich vor 2 Wochen als Finanzierungsberater für das Vermittlergeschäft beworben bei einer bekannten Firma. Gestern erhielt ich die Einladung zum Telefoninterview mit dem Geschäftsführer. Leider fiel dieser aus, das Sekretariat hatte den Termin scheinbar doppelt vergeben. Heute rief dann eine Kollegin an und entschuldigte sich auf meinem AB und bot einen neuen Termin an. Ich solle, wenn weiterhin Interesse besteht, anrufen. So weit so gut. Jetzt meine Frage. Ich wollte morgen Vormittag anrufen und einen neuen Termin ausmachen. Würden Sie sagen, das war ein Test? Oder nur ein Versehen?
Gerhard Winkler: Hallo Anton, was wollten die testen? Ob Sie eine hohe Frustrationstoleranz haben? Nun, ich finde eher Schusseligkeiten passieren. Betreiben Sie keine Motivforschung. Sind Sie sicher, dass Sie ausgerechnet ins Finanzvermittlungsgeschäft wollen? Haben Sie sowieso auf Facebook und im Leben keine Freunde?
Anton: Danke. Schussel hab ich mir schon gedacht. Ich sollte auf mein Gefühl hören. Mein Ziel ist, Vermittler im Baufinanzierungsbereich zu betreuen und Finanzierungskonzepte zu erstellen und die Berater bei der Umsetzung zu unterstützen. Momentan befinde ich mich auf der anderen Seite. Ich möchte auf Nummer Sicher gehen, dass ich ein Angebot erhalte und mich bestmöglich darauf vorbereiten. Mich interessiert das von Ihnen angebotene Rehearsal, um mich auf das Telefoninterview vorzubereiten. Wie kurzfristig ist das möglich?
Gerhard Winkler: Baufinanzierung ist eine gute Sache. Entschuldigen Sie meine freche Bemerkung von vorhin. Ein Rehearsal schaffe ich nicht vor Donnerstag, da ich mich in den Job und in Ihren Lebenslauf einlesen muss.
Anton: Haben Sie vielleicht samstags Zeit?? Ich habe mir gestern Was für Fragen im Jobinterview und In zwei Stunden: Jobinterview schicken lassen. Einfach klasse, gut zu lesen was Rekrutierern so im Kopf rumgeht. Vielen Dank für die Wahnsinnsmühe, die dort drin steckt, ich glaub das hat schon manchem geholfen.
Gerhard Winkler: Am Samstagmorgen vielleicht.
agneta: Ich lese im Forum mit, die Aussagen von Ihnen, Herr Winkler, sind auf den Punkt, etwas provozierend - sicher gewollt? Und auf das Gefühl hören ist immer gut.
Gerhard Winkler: Ja, ich tippe die Antworten sehr schnell. Im Protokoll, es wird morgen veröffentlicht, sind dann die Resultate meines längeren Nachdenkens eingeflossen. Also: morgen vorbeischauen und nachlesen!
Silvana: Hallo Herr Winkler, nach dem Kurzcheck von Ihnen habe ich nun morgen mein erstes Vorstellungsgespräch. Allerdings sehe ich als echtes Problem den Anfang meiner Bewerberstory. Mein Lebenslauf beginnt nämlich mit einer Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten, die ich nach einem Jahr abbrach, weil keine Arbeit da war. Dann machte ich eine Ausbildung zur Ergotherapeutin und habe mich dann für BWL entschieden, wo ich auch seit 2001 mit Beginn meines Studiums und mit zwei Jobs als Controllerin festhalte. Sehen Sie diesen holprigen Anfang als Problem???
Gerhard Winkler: „Ich wäre heute eine unglückliche Rechtsanwaltsfachangestellte, wenn mein damaliger Ausbilder nicht von heute auf morgen dichtgemacht hätte. Damals flüchtete ich mich zuerst in die Ergotherapie, aber dann habe ich tief durchgeatmet und mit meiner Egotherapie begonnen. So wurde ich mach meinem glücklichen BWL-Studium zur Controllerin. Im Studium habe ich …“
Silvana1: Sollte man bereits wenn man nach seinem beruflichen Werdegang gefragt wird, ins Detail auf die Aufgaben in den einzelnen Jobs eingehen oder die Aufgaben nur grob nennen?
Gerhard Winkler: Wenn Ihre Darstellung Ihre Kompetenz für den neuen Job direkt belegt, dann detailliert vortragen! Ansonsten eher summarisch angeben und anbieten, dass man gern näher darauf eingeht.
Nexus: Eine Frage bezüglich Lebenslauf: Ich bewerbe mich derzeit auf eine Stelle für meine Masterarbeit. Nun habe ich allerdings schon ein wenig Berufserfahrung durch Praktika in verschiedenen Bereichen. Sollte im Lebenslauf eine detaillierte Aufführung der einzelnen Bereiche aufgezeigt werden oder genügt ein kurzer Überblick? Immerhin sind auch in den Praktikumszeugnissen die Bereiche noch mal detailliert dargestellt. Besten Dank für die Antwort.
Gerhard Winkler: Ihr Lebenslauf allein und auch allein das Anschreiben sollten soviel Wucht haben, dass jedes für sich den Anstoß geben kann, Sie anzurufen oder gleich einzuladen. Arbeiten Sie alle wesentlichen Informationen ein. Verdichten Sie das Ganze noch. Streichen Sie auch alles weg, was nicht zur Sache zählt. Die Sache ist beim Bewerben Ihre Jobeignung. Mit dieser Methode bewerben Sie sich in maximaler Stärke. Der Rekrutierer muss nicht blättern, nur um herauszufinden, was Sie eigentlich vom Fachlichen und von der Erfahrung her auszeichnet.
wolfgang: Hallo Herr Winkler, in manchen Bewerbungsgesprächen werde ich unsicher, ob ich die genannten Anforderungen packe. Wie soll ich am besten locker bleiben?
Gerhard Winkler: Erwerben Sie eine klare Vorstellung von dem, was Sie alles drauf haben, schon bis heute gemacht haben, wissen und beherrschen. Überlegen Sie vor einem Gespräch zugleich, wie Sie den Job selbst machen wollen und wie der Rekrutierer sich den Job wohl vorstellt. In keinem Jobinterview, das von verständigen Rekrutierern geführt wird, kommt man mit überraschenden, unmöglich einzulösenden Anforderungen. Jobanbieter tun natürlich immer so, als wäre es der kniffligste und wichtigste Job der Welt. Schlagen Sie Ihr Jackett auf und zeigen Sie auf Ihr Superman-Logo.
Elke2: Danke schön für den Chat und einen feinen Abend!
Gerhard Winkler: Elke, Turbo, Nexus, PeterS, emil, Anton, Silvana, wolfgang, Mike, agnes, Sebastian, Helmut, ohnejob, Karsten, andre, susi333: Danke für die vielen guten Fragen! Morgen stelle ich das Protokoll online. Danke an Michael Gittinger für die Technik! Einen besonderen Applaus für Sigrun Laws, meine Mitarbeiterin in den USA, die diesen Chat-Mitschnitt redigieren wird, während wir schon schlafen!
Schönen Abend alle zusammen! Ihnen viel Glück bei der Jobsuche und beruflich den besten Erfolg! Bye!
15 unterschiedliche IPs im Chat (Ohne Moderator und Experte): Elke, Turbo, Nexus, PeterS, emil, Anton, Silvana, wolfgang, Mike, agnes, Sebastian, Helmut, ohnejob, Gerhard Winkler, Karsten, andre, susi333
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
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