"Anonymisierte Bewerbungsverfahren stellen eine potenziell attraktive Möglichkeit dar, Diskriminierung im Bewerbungsprozess zu reduzieren" , verkünden einige Miet-Forscher im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. So manches, was guten Menschen als potenziell attraktiv erscheint, ist aber bloß tendenziell prätentiös. Warum Sie sich besser n i c h t anonymisiert bewerben sollten:
1. Bewerben heißt, seinen guten Namen einzusetzen. Anonyme Bewerber sind No-Name-Bewerber.
2. Wozu im Dunklen stehen, wenn man als Bewerber direkt unter das Licht zu gehen hat?
3. Gleichstellungsbeauftragte wollen Konformität. Jobanbieter suchen Diversität.
4. Ein Deckmäntelchen der vorgeblichen Gleichheit erschwert es jedem Bewerber, seine Besonderheit zu zeigen. Der Bessere ist immer signifikant anders als seine Mitbewerber.
5. Der Jobanbieter möchte alle notwendigen Angaben sofort. Ihm Kerndaten vorzuenthalten ist kein guter Anfang für eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung.
6. Jobeignung wird immer sprachlich vermittelt. Jede Datenkürzung ist eine Streichung der sprachlichen Mittel, die einem Jobfinder zur Verfügung stehen.
7. Eben die Fakten, die man aus Misstrauen gegenüber einem Jobanbieter verbirgt, findet der sehr oft schon im Web. Alles wird transparenter - nur die Bewerbungen sollen kaschiert werden?
8. Manche Bewerber haben nicht viel mehr als ihr ehrliches Gesicht. Wer aufgrund einer dürftigen Faktenlage in der Regel zu kurz kommt, dem geht gerade mit einer anonymisierten Bewerbung noch eher die Luft aus.
9. Sofern man seine besondere Befähigung für einen Job glaubhaft nachweist, wird man genau den Personenkreis überzeugen, der zur Gewinnung der Besten besonders befähigt ist. Mithin gilt: wer aus guten Gründen an sich selbst glaubt, der braucht auch nicht am Personaler zu zweifeln.
10. Erwartet werden Leistungsdaten, eingestellt werden Menschen. Jeder Bewerber ist mehr als die Summe seiner Taten und Verdienste. Ein Profil ohne Namen, Gesicht und Datengerüst wird bis zur Ununterscheidbarkeit beliebig.
Es gibt in Deutschland allerorts Gleichstellungsbeauftragte. Wer immer sie beauftragt hat: es waren keine Bewerber. Personaler, die divers ausgestattete Bewerber ungleich behandeln, verfehlen ihren Job. Und den Bewerbern geht es sowieso um die Stellung, nicht um die Gleichstellung. Stellenbesetzung ist das Ergebnis einer wechselseitigen Vertrauensbildung. Offenheit bildet Vertrauen! Die Stellschrauben in Auswahlprozessen werden zudem bereits ständig justiert. Jobanbieter und Leistungsanbieter regeln das im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen schon selbst. Dazu braucht es keine hauptamtlichen Bewerbungsdesigner. Wer sich als Bewerber unfair behandelt sieht, der wendet sich an einen Richter. Und nur wer seinem eigenen Jobclaim nicht glaubt oder wer an eine Verschwörung von Idioten zur Abweisung der beruflich Befähigten glaubt, der jubelt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu. Bewerben Sie sich offen (oder diskret über einen Personalberater). Visualisieren Sie Ihre Gestimmtheit und Ihre Gesprächsbereitschaft über die Porträtaufnahme. Geben Sie Ihre Kontaktdaten an. Bauen Sie Ihr Profil (weitgehend) monatsgenau auf. Halten Sie sich ganz aus den Social Media heraus oder pflegen und entwickeln Sie Ihre Profile wie ein PR-und Vermarktungsprofi. Ihr beruflicher Werdegang, jeder Aufstieg wird von Hindernissen gesäumt sein. Manche sind enorm, deshalb schaffen Sie diesen Weg kaum allein. Setzen Sie sich gegen jede Diskriminierung zur Wehr. Seien Sie zugleich ehrlich. Führen Sie nicht jedes Scheitern auf die Böswilligkeit anderer zurück.
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