„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Bewerbungs-Sache kippt, wenn meine Ex-Chefin kontaktiert wird, was man schon allein deshalb tut, weil ich mit meiner Aussage zum Kündigungsgrund nicht komplett überzeuge. Ich muss im Vorstellungsgespräch dazu Stellung nehmen und die Trennung erklären. Wie mache ich das, ohne mich selbst aus dem Verfahren zu kicken? Ich führe Umstrukturierungen an und die Chemie, die unter der neuen Geschäftsführerin nicht mehr gestimmt hat. Was kann ich besser machen?“ (A.N.)
– Vertrauen ist immer an eine Person gebunden. Sie haben unter Ihrem alten Chef selbständig gearbeitet, alles mit aufgebaut, Leistung und Erfolge gebracht. Der Juniorchefin, der Nachfolgerin, waren Sie dann viel zu selbständig. Die musste erst einmal den Betrieb umkrempeln und alle Leuchttürme umnieten, um der Welt zu zeigen, welches Licht am hellsten strahlt.
In einem größeren Unternehmen hätte man Sie wohl versetzt. So wurden Sie vertrieben.
Lavieren Sie nicht um das Verhältnis der neuen Geschäftsführerin zu Ihnen herum. Sie waren die rechte Hand des alten Chefs. Die Neue hat Ihren Anblick nicht ertragen. Allein deswegen mussten Sie gehen. Sie sind ihr deshalb nicht böse. Sie können und wollen ja keinem Geschäftsinhaber vorschreiben, wie er als souveräner Vorgesetzter und kluger Nachfolger am besten handelt.
Jedes Mal, wenn man nach einem ersten Vorstellungsgespräch bei Ihrem Job-Terminator anruft, um von ihr eine offene und ehrliche, durch keine Zeugnissprache verdeckte Beurteilung einzuholen, haben Sie selbst Ihre Interviewpartner auf diese grässliche Idee gebracht. Kurzum, im Gesprächsverlauf haben Sie gepatzt. Warum sollte man auch irgendwo anrufen und nachbohren, wenn das Arbeitszeugnis selbst wasserdicht positiv formuliert war und wenn Sie selber im Gespräch stets stichhaltig, nachvollziehbar und überzeugend argumentiert hatten?
Sie sagen: Ihr letztes Arbeitsverhältnis war ja mehrjährig und schon deswegen stabil und wie man nachlesen kann, auch erfolgreich. Ihre Leistungen wurden immer anerkannt und honoriert. Sie waren auch der Juniorchefin gegenüber loyal und bereit, die Neugestaltung der betrieblichen Abläufe sowie die fällige Neuausrichtung der Geschäftsphilosophie mitzutragen. Schließlich hatten Sie das ja dem alten Chef schon selbst mehrfach vorgeschlagen. Sie haben weder auf vermeintliche Privilegien gepocht noch sich auf Ihren bisherigen Erfolgen ausgeruht. Zu den neu eingestellten Mitarbeitern hatten Sie sofort einen sehr guten Draht. Bloß: Ihr Gesicht hat nicht gepasst. Das ist schade. Sie nehmen das aber nicht persönlich. Sie sind jetzt ganz darauf fokussiert, den passenden Arbeitsplatz zu finden.
Tragen Sie das alles lakonisch, sachlich, ohne jede Verbitterung vor. Seien Sie im Interview souverän. Was Sie als Rausgekündigte offensichtlich bedrückt und quält, das zieht Sie im Gespräch nur sichtbar herunter.
Bieten Sie einen Probearbeitstag an, um den Beweis zu erbringen, dass Sie sich rasch einfügen, leicht anpassen und Ihre Rolle in einem neuen Team glatt und ohne Reibungsverluste übernehmen. Legen Sie eine Telefonnummer auf den Tisch. Dort möge man bitte anrufen und sich nach Ihrer Leistungsfähigkeit im Alltagsgeschäft, Ihren vielen lobenswerten Eigenschaften und Ihrem vorbildlichen Mitarbeiterverhalten erkundigen.
Halten Sie es sich immer wieder vor Augen: Kein Jobanbieter wird sich an den Kreuzungspunkten oder Bruchstellen Ihres Erwerbslebens abarbeiten. Keiner will zusehen, wie Sie sich vor ihm abarbeiten. Ein Jobanbieter wird sich nicht bemühen, um Ihnen gerecht zu werden, und er will auch nicht bis ins Einzelne verstehen, was Ihnen widerfahren ist. Er will unter keinen Umständen auf Ihre Seite gezogen werden. Er ist selbst Partei. Er will auch nicht hören, warum und wie Sie es besonders schwer hatten. Er braucht bloß stichhaltige Gründe, Ihnen zu vertrauen und Ihnen einen Job zuzutrauen. Leisten Sie Vertrauensarbeit und keine Verstehensarbeit. Dann gewinnen Sie den Jobanbieter für sich.
Seien Sie also nicht kleinmütig und schafäugig darauf fixiert, dass Sie jetzt von allen guten Ex-Chefs verlassen auf der Straße stehen. Berichten Sie vom schönen Weg bis zum Hier und Jetzt, von den vielen Abenteuern unterwegs und von dem, was Sie in den letzten Jahren alles gelernt, gemacht und gemeistert haben.
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