"Bei einer großen Werbeagentur wurde mir im Sommer die betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen. Erst vor kurzem habe ich eine feste Anstellung gefunden, auch wieder in einer Spezialistenposition. Allerdings war der Weg dorthin mit drei Bewerbungsrunden, etlichen Telefonaten sowie einem Probearbeitstag recht mühsam. Bereits während der Gespräche hatte ich ein schlechtes Bauchgefühl, was den neuen Arbeitgeber angeht. Ich habe mich dennoch aus folgenden Gründen für diesen Job entschieden:
1. Ich arbeite wieder in der gleichen Branche und in derselben Position wie vorher.
2. Ich übernehme mehr Verantwortung.
3. Dank eines anderen Tätigkeitsschwerpunkts kann ich mir neue Kenntnisse und Fähigkeiten aneignen.
4. Der direkte Kollege, den ich im Vorfeld kennen gelernt habe, hat einen guten Eindruck hinterlassen.
5. Ein Ablehnen des Arbeitsvertrages hätte wohl eine Sperrzeit durch die Agentur für Arbeit ausgelöst.
Nach wenigen Tagen merke ich, dass sich mein anfängliches Bauchgefühl bewahrheitet und ich mich in der Agentur überhaupt nicht wohl fühle.
1. Ich werde kaum (trotz eigener Bemühungen) in das Team integriert.
2. Ich komme mit der unstrukturierten Arbeitsweise nicht klar.
3. Man bringt mir wenig bis kaum Vertrauen entgegen.
4. Dazu kommt, dass man von meiner Lage im Vorfeld wusste und diese bei den Gehaltsverhandlungen ausgenutzt hat.
Den letzten Punkt habe ich billigend in Kauf genommen, da es mir wichtiger erschien, wieder im Job zu stehen. Allerdings habe ich im Nachhinein bestätigt bekommen, dass meine Situation tatsächlich bewusst ausgenutzt wurde. Ich halte derzeit weiterhin Kontakt zu meinem Netzwerk von Personalern und Kontakten, das ich mir in den vergangenen Monaten aufgebaut habe. Mein Ziel ist es, möglichst schnell eine Stelle in einer meiner Wunschagenturen zu bekommen.
Wie erkläre ich dann aber in meinen Bewerbungen, dass ich nach nur so kurzer Zeit schon wieder den Arbeitgeber wechseln will, ohne dass die Agentur oder ich in einem schlechten Licht erscheinen? Ich befürchte natürlich, dass man mir mangelndes Durchhaltevermögen vorwerfen könnte oder fehlende Treue zum jetzigen Arbeitgeber. Dementsprechend müsste ich mich dann jedoch wieder auf meine beruflichen Projekte und Referenzen aus meinem vorherigen Job beziehen, da ich in der neuen Anstellung noch nichts vorzuweisen habe." (S. J.)
- Sie haben zum ersten Dezember angefangen. Wundern Sie sich nicht, wenn jetzt alle furchtbar geschäftig tun und kaum Notiz von Ihnen nehmen. Vor den Feiertagen hat man für nichts Zeit – am wenigsten für einen Neueinsteiger. Sie fühlen sich als "Reingeschneiter", möchten liebend gern auftauen, doch jeder behandelt Sie kühl: Nach der Weihnachtsfeier, spätestens im Lauf des Januars wird sich das ändern!
Jetzt, in den ersten Wochen der Probezeit, setzen Sie alles daran, sich von sich aus in die neue Arbeitsgemeinschaft zu integrieren. Sie bemühen sich aktiv, alle Abläufe in der Agentur und Ihre Rolle darin zu erfassen. Sie zeigen, dass Sie man Sie allein lassen kann, dass Sie selbständig Ihre Ziele setzen und erreichen. Sie bringen von Anfang an volle Leistung, vor allem, da Sie bemerken: Alle in Ihrer Agentur befinden sich im Jahresendspurt. Spurten Sie mit!
Vielleicht bleibt bei allem Verständnis für die vorweihnachtliche Selbstbezogenheit der Kollegen ja doch ein größeres Unbehagen. Klagen Sie nicht über Ihren Job, lästern Sie nicht ab, reden Sie Ihre Agentur nicht schlecht. Es ist gut möglich, dass Sie dort Ihren Schreibtisch behalten. All den Zuhörern, vor denen Sie jetzt Ihr Schicksal beklagen, haben Sie dann später zu erklären, warum Sie trotz des ganzen Jammers geblieben sind.
Arbeiten Sie also in Ihrer Agentur demonstrativ mit voller Kraft. Sondieren Sie nebenbei diskret, was sich in der Branche tut. Hören Sie sich nach neuen Jobgelegenheiten um. Zeigen Sie Ihr Interesse, stellen Sie es aber zugleich unter dem Vorbehalt, dass Sie vor kurzem eine Verpflichtung eingegangen sind. Sprechen Sie nicht von einer Zwickmühle oder gar Notlage, in der Sie stecken. Sagen Sie stattdessen: Sie haben derzeit einen Job. Der Job ist OK. Sie haben sich aber noch nicht definitiv gebunden. Gewiss können Sie sich vorstellen zu wechseln, wenn sich ein starkes Team findet, in dem Ihre Qualitäten noch besser aufleuchten. Ihr Zeitfenster ist noch ein kurze Zeit offen.
Setzen Sie nur dann schriftliche Bewerbungen in die Welt, wenn Sie vorab im Gespräch geklärt haben, dass eine Bewerbung absolut vertraulich behandelt wird. Ihre aktuellen Aufgaben und Pflichten notieren Sie getreulich. Ein triftiger Wechselgrund ist die miese Vergütung - die erklärt, weshalb Sie nach wenigen Wochen schon den Spindschlüssel wieder abgeben wollen. Loyalität können Sie Ihrem aktuellen Arbeitgeber auch dann erweisen, wenn Sie eine Vertragsauflösung anstreben: Kommunizieren Sie immer das Gute an der Agentur. Dass man Sie günstig bekommen hat, zeigt, wie gut man dort einkauft. Nur weil man sie verlassen möchte, braucht man keine Organisation schlecht zu reden.