Lampenfieber beim Vorstellungsgespräch ist vermeidbar – Gerhard Winkler berät Stellensuchende
Berlin (WB). Die Krise geht zu Ende. Manche aber finden trotz Qualifikation keinen Job. »Oft fehlt es an Mut zur aktiven Selbstvermarktung«, sagt Bewerbungshelfer Gerhard Winkler von jova-nova.com. Mit ihm sprach Bernhard Hertlein.
Wie soll man sich bewerben: am Telefon, per Email oder mit einem Päckchen wohl sortierter Bewerbungsunterlagen?
Winkler: Bevor man sich dem Jobmarkt stellt, arbeitet man seinen Lebenslauf und ein „ideales“ Anschreiben aus. Wichtig ist das Anschreiben, denn es ist praktisch ein Kurzvortrag über die eigene Job-Befähigung. Haben Sie Ihre persönliche Anschreibenvorlage und den Lebenslauf im Computer abgespeichert, starten Sie gutgelaunt mit der praktischen Jobfindung. Stellen Sie von sich aus den Kontakt her. Sprechen Sie Leute an, rufen Sie an. Verschicken Sie eine Initiativ-Mail mit angehängtem Lebenslauf. Grasen Sie nicht nur die Jobbörsen ab. Spüren Sie die tollen Jobgelegenheiten auf, noch bevor sie ausgeschrieben werden.
Gehen Sie immer aktiv auf die Jobs und Jobanbieter zu. Sie werden sehen, dass Sie dabei eine Menge Leute überholen. Nur Langweiler schieben heute einen Packen Unterlagen über den Postschalter.
Und die beste Methode zur Jobfindung?
Winkler: Bewerben ist ja eine vertrauensbildende Maßnahme. Am sichersten kommen Sie zum Ziel, wenn sich ein vertrauenswürdiger Dritter für Sie einsetzt. Lassen Sie sich einfach empfehlen und vorschlagen! Und wenn Ihnen dieses Glück nicht beschieden ist: Geben Sie in der Bewerbung zumindest eine oder zwei Referenzpersonen an!
Es kommt zum Bewerbungsgespräch. Was kann man gegen Lampenfieber tun?
Winkler: Nehmen Sie sich Ihren Lebenslauf vor und leiten Sie daraus 50 spezifische Personalerfragen ab. Finden Sie für jede Frage eine gute Antwort. Wenn Sie die eigene Vergangenheit nicht komplett im Kopf haben, gibt es für Sie keine echte berufliche Zukunft. Darum brauchen Sie auch eine schlüssige Bewerberstory. Sie gibt Ihrem Werdegang einen Sinn und ein Ziel. Lernen Sie aber nichts auswendig. In Bewerbungsgesprächen gibt es zwar Standardfragen, aber jedes Gespräch läuft anders. Sie wollen sich in einer wichtigen Verhandlungssituation durchsetzen. Fokussieren Sie sich auf Ihre Gesprächsziele, und das Lampenfieber vergeht
Wie sehr darf man sich in Bewerbungen selbst loben?
Winkler: Informieren Sie über Ihre Leistungen und Erfolge, heben Sie Ihre Verdienste, Ihr Wissen und Können heraus, aber hüten Sie sich davor, sich selbst zu bewerten oder sich über Ihre Stärken auszulassen. Persönliche Stärken liest man aus Ihren Handlungen heraus.
Es heißt, dass Personalleiter gern das Internet durchforsten. Sollte man Facebook, Twitter und Xing vorsichtshalber meiden?
Winkler: Wenn man Sie heute im Web nicht findet, dann reicht Ihr soziales Netzwerk vermutlich auch nicht über den Dorfrand hinaus. Jeder bastelt an seinem Image im Web. Für alle Bildchen, Movies, Profile, Botschaften und Lebenszeichen von Ihnen gilt: Wenn es Ihre Mutter nicht schockiert, schockiert es auch keinen Personaler.
– Erschienen am 21./22.8. im Westfalen-Blatt
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