"Manchmal habe ich es als Jobcoach mit ehemaligen Häftlingen zu tun. Hier stellt sich immer wieder die Frage, wie mit diesem schwierigen Punkt im Lebenslauf umgegangen werden kann. Oft wurde die Strafe lediglich abgesessen, ohne dass die Leute während des Vollzugs einer Arbeit nachgegangen oder eine Ausbildung gemacht hätten. Ich kann also die Haftzeit nicht mit einer Tätigkeit umschreiben.Ich rate, offen mit ihrer Vergangenheit umzugehen, die eigenen Leistungsmerkmale in den Vordergrund zu stellen und klar zu machen, dass sie in Zukunft fähige und verlässliche Mitarbeiter sein werden. Als Antwort bekomme ich immer gesagt, dass jeder Personaler die Bewerbungsmappe sofort zuklappen wird, wenn die Buchstaben JVA im Lebenslauf erscheinen. Wäre es vielleicht tatsächlich besser, den Gefängnisaufenthalt zu verschweigen, um überhaupt die Chance auf einen Job zu haben, bei dem das Führungszeugnis nicht verlangt wird? Aber wie ist das eigentlich, wenn man seine Zukunft gleich wieder mit einer Lüge beginnt? Ich denke, dass "meine" Leute mit Mut und Offenheit weiter kommen und so tatsächlich mit ihrer Vergangenheit abschließen können. Es handelt sich ja auch nicht um Mörder und Schwerverbrecher, sondern um Leute mit Haftstrafen bis vier Jahren. Die müssen doch eine Chance auf den Wiedereinstieg haben!" (A.P.)
– In jedem Fall würde ich zunächst einen wahrheitsgemäßen, vollständigen und monatsgenauen Lebenslauf anfertigen lassen. Sich so gut es geht vollständig erinnern,die Lebensstationen vollständig zusammenzutragen, sie auszuleuchten, halte ich für eine elementare Aufgabe eines jeden Jobstarters. Die Arbeit an der eigenen Biographie zwingt einen jeden Jobsuchenden ja auch dazu, sich zu seiner eigenen Biographie zu bekennen und sich selbst mit allen seinen Misserfolgen, Macken und Schrammen anzunehmen.
Dieses Datenblatt dann in eine unanstößige, gefällige, vertrauensbildende Form zu bringen ist eine Kunst, in der wir Berater glänzen dürfen und die wir auch gern an Lernwillige weitergeben. Sachverhalte positiv auszudrücken halte ich für absolut legitim und ehrenwert. Zwischen uns Bewerbungshelfern und den Wahrheitsverfälschern in der Wirtschaft, in der Politik und in den Medien liegen ja nicht nur Welten, sondern gleich mehrere Fegefeuer. Unproduktive und verlorene Zeiten verschweigen, sie bemänteln, sich Tarngeschichten ausdenken: Auch ehrenwerte Zeitgenossen greifen bisweilen zu fromme Lügen und übern sich sogar im dreisten Übertünchen schmutziger Wahrheiten. Wer dies pauschal verdammt, kennt nicht die existentielle Not von Leuten ohne Job und Perspektive.Dennoch würde ich so vorgehen wie Sie: Den Lebenslauf mit allen seinen Fehl- und Leerzeiten dem Personaler vorlegen. Möglichst Fürsprecher, Mentoren, Vertrauenspersonen mit angeben. Die harte Bewerbungsphase stehen Ihre Klienten dann mit Ihnen oder mit einem anderen echten Agenten oder Mittelsmann, der sich als vertrauenswürdiger Dritter persönlich für den Kandidaten verwendet, gewiss oft gut und erfolgreich durch.
"Weshalb soll man ausgerechnet Dir vertrauen?" Diese Frage ist für Ihre Klienten eine besonders große Herausforderung. Doch sie wird jedem Bewerber gestellt. Und ganz klar gilt es zuerst, das eigene Selbstbild zu festigen und das Selbstvertrauen aufzubauen, bevor man sich an die vertrauensbildende Maßnahme einer Bewerbungsaktion macht.
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