"Mit großer Begeisterung habe ich vor geraumer Zeit Ihre Internetpräsenz gefunden und mich über die Bewerbungsabläufe informiert. Meinen Anschreiben und Werdegang habe ich entsprechend angepasst. Bei Unternehmen stoße ich hierbei durchweg auf positive Resonanz. Allerdings scheitere ich immer in den Vorstellungsgesprächen. Werden in Ihrem Workshop hierzu Fragen beantwortet?"
– Im Workshop erarbeite ich mit den Teilnehmern gleich zu Beginn anhand von (möglichen) Interviewfragen die wenigen, aus meiner Sicht wichtigsten Regeln zur Selbstpräsentation und zum Gesprächsverhalten.
Dann stürzen wir uns auf den ersten Satz von Anschreiben und setzen uns in der (meist sehr lebhaft geführten) Diskussion deutlich von den Schema-F-Bewerbern ab. Wir kümmern uns um den Unterschied zwischen Ich-Aussage und Job-Claim, finden einen festen beruflichen Standpunkt und entwickeln in der Zusammenarbeit mit einem temporären Coach unsere Bewerberstory. Einige von diesen tollen Mini-Geschichten über die eigene berufliche Entwicklung hören wir uns auch an.
Jobzeichen an der Wand
Meistens überfalle ich die Teilnehmer darauf mit den übelsten Anwürfen, die einem im Jobinterview begegnen können. Wir reagieren entspannt und sicher und polieren dabei unsere Schlagfertigkeit und unseren Witz. Behutsam (na ja, nicht wirklich behutsam) loten wir zugleich aus, wie weit wir im Interview gehen können, ohne den Bogen zu überspannen.
In der Folge lästern wir keinesfalls über die schönen Bewerber-Fotos, die ich Ihnen präsentiere, sondern unterziehen sie einer konstruktiven Kritik. Ich entwickle mit Ihnen die Auswahl- und Gestaltungsregeln, um den Lebenslauf zu einer überzeugenden Leistungsbilanz zu machen. Wir überfliegen unsere Lebensläufe hurtig wie ein Personaler und finden so wie er beim schnellen Durchgehen die Schwachstellen heraus.
Ich greife im weiteren Verlauf auf meine Thesen zum Anschreiben als Briefing zurück. (Mir will noch heute das passende Verb nicht über die Lippen. Deshalb briefe ich Sie nicht; ich weise Sie kurz ein.) Wir unterziehen die mitgebrachten Bewerbungen dem genialen, weil einfachen 3-Farben-Test (bitte dazu Textmarker in Grün, Gelb und Rot mitbringen!).
Am Ende beantworte ich alle Fragen (egal wie banal, thematisch passend oder nur auf den Einzelfall bezogen), die den Teilnehmern noch einfallen. Das sind meistens die Detailfragen, die zeigen, dass Sie bereits vertiefte Kenntnisse der beruflichen Selbstpräsentation und -vermarktung aufweisen.
Mir ist wichtig, dass man im Workshop alles zu jeder Zeit erfragen darf und auch sollte. Tun Sie das fleißig, schon um meinen Redefluss zu stoppen!
Erfolgreiches Bewerben ist eine mit sprachlichen und weiteren zeichenhaften Mitteln bewirkte Abfolge von vertrauensbildenden Maßnahmen, die zuerst in der Ansprache und darauf in der Interaktion mit einem Jobanbieter dazu führen, dass ein Rekrutierer ihnen die Sache zutraut, dasss er Ihren Qualitäten, Absichten und Ihrem guten Willen vertraut und dass er Sie schließlich gemäß den ausgehandelten Bedingungen mit dem Job betraut.
Der mündliche und schriftliche Verkehr zwischen den Positions- und Leistungsanbietern wird immer von den selben Verständigungs- und Verhaltensregeln bestimmt. Sie lernen, wenn man so will, im Tagesseminar Anders bewerben aus allen Rohren zu feuern, aber mit vortrefflich ausgesuchter und abgewogener Munition und stets auf ein exakt definiertes Ziel hin.
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