Nichts ist schneller als das Licht. Noch fixer sind nur die superfasten Bewerbungstrainer, auch beim Hochschulteam der Arbeitsagentur, die alles Unzeitgemäße in Echtzeit übertreffen und sich dabei noch selbst überholen.
Eine Klientin im Abschlusssemester ist mit einem von mir getexteten Anschreiben unzufrieden. Sie schreibt:
„Ich komme auf diese Anmerkungen weil ich von vielen Bewerbungsworkshops, auch beim Hochschulteam der Arbeitsagentur, etwas anderes vorgetragen bekommen habe: man sollte innovativer sein, die Aufmerksamkeit gleich auf sich ziehen (die AIDA-Formel) usw.; zu den neuen Bewerbungen gehört ja auch mittlerweile ein Deckblatt mit dem Foto (und nicht mehr so oft das Foto im Lebenslauf). Im Anschreiben soll man nicht den ganzen LL wiedergeben und Wiederholungen vermeiden. Leider hatte ich das Gefühl, dass mein Anschreiben aber genau das "erfüllt" hat. Es war auf keinem Fall ein schlechtes Anschreiben, aber ich hatte es mir anders vorgestellt, v.a. weil Sie ja auch so gelobt werden für Ihre Anschreiben.“
Was mich noch im letzten Jahrhundert dazu bewegte, den Job-Claim von Leistungserbringern sprachlich passend zu machen, war mein Horror vor den damaligen AIDA-Nachbetern, Deckblatthengsten und innovativen Gimmick-Erfindern. Umständlichkeit war Trumpf, Formalismus die herrschende Lehre und Schreiben nach Schablone die Regel.
Dies anders und besser zu machen war so leicht, dass ich nicht zögerte, Bewerbungshelfer zu werden.
Jetzt workshoppen die flinken Consultants von der traurigen Sprachgestalt so schnell, dass sie flugs wieder in der tristen Vergangenheit angekommen sind? Ach was, diese Attention-Getter, Interest-Heuchler, Desire-Deliranten und Action-Helden stecken auf ewig fest in den Goldenen Fünfzigern, als der Personaler noch eine Respektperson war, der man sich scharwenzelnd, Floskeln auspuffend und in allem gebührenden Respekt forsch-vorsichtig annäherte.
Bewerben nach der Billig-Rezeptur produziert bloß Bewerber von der traurigen Sprachgestalt. Personaler wollen arbeiten, und was sie gewöhnlich zu sehen kriegen, macht ihnen kein Vergnügen. Instruieren Sie Menschen vom Fach knapp und knackig über ihre faktische Jobeignung und lassen Sie’s damit gut sein. Die wollten schon vor 25 Jahren keine Bewerber-Arien anhören. Jobanbieter fasziniert die überzeugende Leistungsbilanz. Her damit und fertig!
__
Meine unmaßgeblichen Gedanken auf Twitter »
Winklers Blog als RSS–Feed abonnieren
jova-nova.com auf Facebook »