"Ich bin Mitte 40, führe als IT-Manager ein größeres Team, möchte jetzt nach mehreren Jahren Betriebszugehörigkeit wechseln und komme einfach nirgendwo an. Die Gründe liegen vielleicht in meinem Werdegang (ich bin vor Jahren als Quereinsteiger zur IT gekommen) und in meiner angemessenen, aber hohen Vergütung. Nimmt man heute nur noch Uni-Absolventen? Jedenfalls bin ich derzeit im Job so unglücklich, dass ich am liebsten kündigen möchte. (A.N.)"
– Sie sind Ende der Neunziger zur IT gekommen wie die Jungfrau zum Lottogewinn. Viele gestandene IT-Leute zwischen 45 und 60 haben oft ähnliche Lebensverläufe. Ich kenne aus meiner Klientel Geologen, Geographen, Physiker und auch ein paar gewitzte Pädagogen. Sie alle eint, dass sie berufliche Gelegenheiten in der Datenverarbeitung als erste gesehen und ergriffen, sich dann ständig on the job weitergebildet und weiter entwickelt haben. Oft sind sie ziemlich schnell in Führungspositionen aufgestiegen. Meist verbringen sie lange Jahre innerhalb einer Organisation, in der sie Führungspositionen besetzt halten.
Die persönliche Krise ist da, wenn das Unternehmen zum Beispiel im Verlauf von Merger- und Akquisitionsprozessen, nach der Bestellung neuer Geschäftsführer oder in sonstigen Krisenzeiten plötzlich auf der Management-Etage eine Personalwechselpolitik nach Mongolenmanier betreibt ("Pferd abgeben und Kopf ab") oder wenn sich aufgrund sonstiger Veränderungen das innerbetriebliche Klima in Richtung Dauerfrost verschiebt.
Sie sind hoch aufgestiegen, wissen aber nicht mehr weiter und fürchten, dass Sie sich verstiegen haben. Ihnen fehlt es jetzt an Trittsicherheit in Karrieredingen.
Sie konkurrieren heute, wenn Sie sich verändern müssen, mit den hungrigen, flinken, schon mit den modernsten akademischen Weihen gesalbten, nicht mehr ganz so billig zu habenden Jung-Koryphäen.
Kündigen Sie jetzt nicht ohne Not. Um den Wechsel voranzutreiben, brauchen Sie Ihre sichere berufliche Basis.
Ihre Bewerbungsunterlagen sind gewiss suboptimal. Als Bewerbungsberater muss ich nur die Augen schließen, um Ihr Datenblatt vor mir zu sehen und zu bemerken, dass es überfrachtet, übergestaltet und unterdeterminiert ist. Daran und an der Ansprache der Jobanbieter werden Sie ganz gewiss noch zu arbeiten haben.
Ihr Preis schreckt ab? Gehen Sie herunter oder versuchen Sie, Ihre Vorstellung erst gesprächsweise preiszugeben.
Investieren Sie unter Umstände in aktuelle Zertifizierungen oder in ein Kurz- oder Fernstudium.
Kombinieren Sie doch auch versuchshalber Ihre Gegenwart mit Ihrer Vergangenheit und leiten Sie ein alternatives Kompetenzprofil ab. Pädagogische Ausbildung + IT-Fachkraft: Was könnten Sie damit zum Beispiel in der beruflichen Bildung machen?
Aus dem alltäglichen IT-Betrieb ist Ihnen bekannt: Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos.
Ein Dutzend Bewerbungsversuche sind nicht viel, aber 12 kalte Ablehnungen ergeben bereits einen starken Grund, um seine strategischen Ziele und seine praktische Selbstvermarktung komplett neu zu überdenken.
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