"Ich habe vor, im Vorstellungsgespräch anhand von ein paar Bildern meine Stationen im "Lebenslauf" zu visualisieren (zu jedem Foto kann ich natürlich etwas erzählen). Was halten Sie von der Idee?"
- Hat man Ihnen angekündigt, dass man Ihnen Raum für eine Selbstpräsentation geben wird?
"Dass ich mich speziell selbst darstellen soll, wurde nicht angekündigt. Diese Überlegung stammt aus den gesammelten Erfahrungen der vergangenen Vorstellungsgespräche. Oft ist es einfacher, die Sachzusammenhänge anhand eines Bildes zu erläutern. Sobald ich im Vorstellungsgespräch darum gebeten werde, meine vergangenen Stationen zu erläutern, würde ich die Bilder zu Unterstützung hervorholen."
– Was wirkt überzeugender als der Schweiß auf der Stirn des Geistesarbeiters? Viele berufliche Leistungen lassen sich glücklicherweise dokumentieren oder illustrieren. Je eher Sie im Auswahlprozess einen Personalverantwortlichen damit konfrontieren, desto besser. Ich finde es deshalb gut, wenn man als kreativer Spezialist seine Arbeitsergebnisse abbildet oder sonst wie dokumentiert. Diese repräsentative Auswahl wird dann als schön gestaltete Arbeitsprobe mit der Bewerbung verschickt oder einfach online ins Profil gestellt.
Sobald Sie im Gespräch etwas aus der Tasche kramen und vorführen, tauchen sofort rechtliche Fragen auf. Wem gehören die Rechte für dieses Objekt? Gibt der Bewerber etwa Firmengeheimnisse preis? Und was soll man da überhaupt zeigen? Klar würde ich als Trikotagen-Designer, Songschreiber, Bremsbacken-Konstrukteur oder Entwicklungsingenieur meine Babies mitbringen. Echte Belegstücke kommen besser an als Ablichtungen. Alle Erfahrung zeigt obendrein: ein einziges, exemplarisches Artefakt erfährt größere Aufmerksamkeit und wird auch besser gewürdigt als die Anhäufung von Schaustücken.
Als Ingenieur würde ich davon ausgehen, dass gerade bei Elektronikteilen ein Schalt- oder Bauplan viel erkenntnisträchtiger ist als die Ablichtung. Wenn Sie aber Zeichnungen mit dem Fachtypen diskutieren, driftet der gesprächsführende Personaler sofort ab und versinkt in Tagträume über erotische Assessments. (Stimmt ja gar nicht, er entwirft Personalkostensparmodelle. In jedem Fall rutschen Sie entweder komplett aus seinem Fokus oder er fängt an, sich seine eigenen Gedanken über Sie zu machen. Es ist nie gut, wenn einem im Gespräch unbeschäftigte Beobachter taxieren.)
Alle Ihre Lebensstationen im Gespräch anhand von mitgebrachten und nach und nach ausgepackten Objekten zu veranschaulichen, das halte ich für keine famose Idee. Sie machen sich nur zum Museumsführer Ihres eigenen Werdegangs. Sie funktionieren das Gespräch zu einer Schulfunk-Vorführstunde um. Sie müssen nicht nur einen gelungenen Gag liefern, sondern gleich mehrere. Sie machen sich zum Conférencier Ihrer Story. Sind Sie ein begnadeter Ansager? Ihre Story soll vor allem nur erklären, weshalb Sie von der inhärenten Logik Ihrer inneren und äußeren Entwicklung her gerade an diesem idealen Ort und nirgendwo sonst als nächstes landen sollen und werden.
Ihre Fragen sollten sein: Dürfen Sie überhaupt eine Sache offenbaren oder aus der Hand geben? Belegt das Objekt Ihre Meisterschaft, Ihr Können und Ihr Leistungsvermögen? Gibt es eine Möglichkeit, dass ein Jobanbieter es noch vor einem Gespräch sieht? Eignet es sich als Mitbringsel und Gesprächsaufhänger? Können Sie es als Beweisstück bereit halten, das Sie im rechten Moment triumphierend aus der Tasche ziehen? Unterstützt es Ihr Gesprächsziel vielleicht besser, wenn Sie eine Mini-Dokumentation gleich zu Gesprächsbeginn an die Anwesenden verteilen?
Vergessen Sie nicht: Sie müssen sich selber meist nicht besonders ins Spiel bringen, damit es, bis es zum direkten Gespräch kommt. Als Bewerber legen Sie dann aber Ihre Person auf die Waagschale. Nichts kann einem das ersparen. Lenken Sie im Interview nicht von sich ab.
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