"Ihre Vorschläge zu meinem Anschreiben haben mir gefallen und ich habe auch einiges davon übernommen. Letzten Endes habe mich aber doch für meine eigene erste Fassung entschieden. Diese eher konservative Form halte ich bei Branchen wie Banken oder Versicherungen für angebrachter. Bei einer "Blindbewerbung" (ohne Anzeige) könnte man den "Werbungsstil" (wie preise ich mich am besten an) wohl eher verwenden ..."
Das Gute bewahren und die Tradition pflegen sind beim Bewerben ziemliche Widersprüche. Das Vertrackte an förmlichen Situationen ist außerdem, dass Sie den formalen Zwang gern überschätzen. Durch die Weidegründe des gesellschaftlichen Lebens bewegen sich jedenfalls die Salonlöwen, denen Aufsteiger nacheifern, weitaus souveräner als die vorsichtig staksenden Kopisten des angemessenen Verhaltens.
Was ziehen Abteilungsleiter zur Weihnachtsfeier an? Den besten Anzug. Und ihre Partner? Die erscheinen nicht allzu festlich, schon gar nicht alltäglich, doch angemessen gekleidet. Jeder kapiert: Es ist immer gut, der gesellschaftlichen Konvention zu entsprechen.
Auch eine schriftliche Bewerbung läuft in einem formalen Umfeld ab. Aus diesem Rahmen, ehedem vorgegeben durch die Gepflogenheiten der Handels- oder Wirtschaftskorrespondenz, sollte sie, wie es hier und da drohend heißt, tunlichst nicht fallen. Doch den Empfängern Ihrer Unterlagen ist weder feierlich noch förmlich zumute. Erfüllt Ihr Text die DIN Regeln für Maschinenschreiben? Ist er frei von Verschreibern und Rechtschreibfehlern? Garantiert kein Pfusch am Satzbau? Treten Sie höflich, aber nicht steif auf? Nerven Sie nicht den Personaler durch umständliches Getue? - Damit wären die Förmlichkeiten schon abgehakt.
Die Form von Bewerbungsschreiben verweist auf die derzeitige Position und gewiss auch auf die Position des Empfängers.
Guter Schreibstil ist niemals eine Masche, sondern eine Frage von professionellem Naturell und beruflichem Temperament. Ob neutral oder offensiv, sachlich oder gewinnend, zurückhaltend oder werbend - das hängt vom Abwägen der Mittel und Ziele ab.
Deshalb keine Floskeln. Keine Phrasen. Keine Umstände. Kein Kanzlei- oder Behördenstil. Kein "hiermit" und kein "dementsprechend". Nur Würmer mögen es lang und gewunden.
Kommen Sie auch dem Personalvorstand eines Geldhauses nicht mit dem Kanzleistil. Lassen Sie sich nicht blenden. Das Dunkelmännerhafte des Anzugs und der schnittige Schlips, der den Bankern den langen Hals teilt, lenkt vom Bordellhaften des Jobs ja auch nicht ab. Er unterstreicht nur den Status als Bewohner einer moralischen Enklave.
Kommen Sie diesen Leuten nicht mit der Form. Jeder Satz ein Argument. Alle Argumente in der richtigen Reihenfolge.
Haben Sie getreulich aufgeschrieben, was Sie wissen und können? Was Sie geleistet haben? Was Sie tun möchten? Unter welchen Bedingungen?
Klingt das Ganze dann zu selbstbewusst? Zu werbend? Zu überheblich?
Das halten Sie jetzt einfach aus.
Bewerbungsschreiben sollen schließlich nicht die eigene Stärke dämpfen, sondern sie herausarbeiten.
Unsichere Bewerber tendieren zu Floskeln und Phrasen, weil ihnen das klug arrangierte und simpel ausgedrückte Argument zu nackt und zu unverblümt daherkommt. Je weniger Ahnung von den modernen Umgangsformen im Schriftwechsel, desto mehr braucht man anscheinend die guten alten Vorlagen. Höflichkeit heißt aber heute Kürze und Direktheit. Nur Mut zur einfachen Lösung:
Sehr geehrter Herr Madow,
mit meinen aktuellen SAP-Anwenderzertifizierungen für SAP ERP FIN, meiner praktischen Erfahrung in der Kreditorenbuchhaltung und meiner betriebswirtschaftlichen Kompetenz bin ich für alle Aufgaben im externen Rechnungswesen und in der Finanzbuchhaltung nachweislich sehr gut gerüstet.
In meiner Vollzeit-Qualifizierung an der Ulmer Dekra Akademie GmbH habe ich mich mit SAP ERP 6.0 und mit SAP ERP FIN vertraut gemacht. Insbesondere habe ich dabei auch mein fachliches Wissen im Rechnungswesen, in der Geschäftspartner- und Anlagenbuchhaltung sowie in der Ausarbeitung von Analysen, Berichten und Abschlüssen weiter ausgebaut. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse und kaufmännische Kompetenz eignete ich mir bereits in meinem erfolgreich absolvierten Studium der Ökonomie im italienischen Perugia an.
Eingangs- und Reisekostenabrechnungen, Belegverarbeitung, Rechnungskontrolle und Mahnwesen zählten zu meinen Pflichten als Sachbearbeiter in der Kreditorenbuchhaltung bei der CSAWA Berlin. Weitere Praxis als Buchhalter habe ich bei der Banca Straciatella in Verona, bei der Don Alfonso GmbH in Pancacia und studienbegleitend bei der Realdeal GmbH in Perugia erworben.
Mein Englisch ist fachsprachensicher. Auf Deutsch verständige ich mich, auch dank meiner kontinuierlichen Lernanstrengungen, sicher in Wort und Schrift. Italienisch ist meine Muttersprache. In meinen bisherigen Tätigkeiten habe ich neben SAP auch MS Excel sowie Word und PowerPoint eingesetzt.
Meine Referenzen bestätigen meine Vertrauenswürdigkeit, meine zielorientierte Arbeitsweise und mein konstant hohes Leistungsvermögen. Für die anspruchsvolle Aufgabe in Ihrem Financial oder Management Accounting stehe ich Ihnen auch kurzfristig gern zur Verfügung. Lassen Sie uns im direkten Gespräch klären, wie ich zu Ihrer effizienten und verlässlichen kaufmännischen Steuerung und Kontrolle am besten beitragen kann. Ich freue mich über Ihren Anruf oder Ihre E-Mail!
Mit den besten Grüßen
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12. Februar 1998; zuletzt aktualisiert: Berlin, 25.3.2009
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