Sie werden mit anderen schnell warm und kommen auch mit Fremden sofort ins Gespräch. Sie sind davon überzeugt, Ihr korrekter Charme (oder Ihre charmante Korrektheit) ist ein echter Bringer bei der Selbstvermarktung. Sie kennen auch die alte Personaler-Arie: Dies Bildnis ist bezaubernd schön. Drum will ich den Bewerber sehn. Ansehnliche Leistungsdaten plus respektables Aussehen produzieren Interesse auf den ersten Blick. Was Sie dann vom ersten Gesprächstermin bis zur Jobzusage in die Waagschale legen, ist Ihre Persönlichkeit. So gesehen, empfiehlt es sich, einen Jobanbieter so früh wie möglich ins Bild zu setzen und in eigener Person über Ihr Leistungsangebot zu informieren.
Flinke Bewerber tun das bislang telefonisch. Bedächtige und notorisch schüchterne Jobsuchende bevorzugen die schriftliche Form. Film als Medium war lange zu teuer, technisch zu anspruchsvoll und kaum an den Personaler zu bringen. Gerade für die Prä-Internet-Generation ist die Vorstellung äußerst schockierend, dabei gefilmt zu werden, wie man sich gerade verkauft. Die Generation Zwanzigundeinbisschen tut dagegen gern so, als ob sie bereits den lieben langen Sunshine-Tag vor einer Container-Kamera agiert.
Die Jugend spinnt, aber hat recht. Das Leben ist tatsächlich ein permanenter B-Movie.
Video war schlecht machbar, schwer vermittelbar und darum undenkbar. Das hat sich geändert. Video- und Webcams stapeln sich in den Minipreisregalen der Kaffeeröster. Alle möglichen Aufnahmen, für die Darsteller und Produzenten früher exkommuniziert worden wären, stellt man jetzt unangestrengt und ohne große Skrupel ins Web. Die Zeit ist überreif für den nächsten mutigen Schritt in der Selbstpräsentation: Das Bewerber-Video!
Eignet sich ein Bewerber-Video für alle Kandidaten und jeden Beruf?
Die Frage ist doch eher: Gibt es Zielpersonen, die sich nicht darauf einlassen, eine Kandidatenvorschau zu mustern? Gewiss braucht kein Stellensuchender, der sich auf einen Job als Debitoren-Buchhalter bewirbt, den Ärmelschoner abzustreifen und vor die Linse zu treten. Doch wenn dieser Jobkandidat weiß, dass ihn schon in mancher heiklen Situation sein ehrliches Gesicht und sein angenehmes Äußeres von Nutzen war? In jedem Fall überzeugt er als Buchhalter, wenn er als Buchhalter rüberkommt.
Klar profitieren Verkäufer, Hotel-Rezeptionisten und Versicherungsvertreter enorm von der Chance, sich redegewandt, mit rein gewinnendem Lächeln ins Bild zu setzen. Doch auch ein angehender Diplom-Ingenieur für Nachrichtentechnik soll seine Chance nutzen. Er hat was zu sagen. Also schauen wir, wie er sich beim Bewerbervortrag schlägt.
Wie reagiert ein Personaler auf ein solches Video?
Personaler reagieren auf Bewerbungen aller Art entsetzt, peinlich berührt, ablehnend, mit professionellem Interesse, enthusiasmiert oder eben gar nicht. Nicht anders reagieren sie auch auf Videos. Es hängt einfach davon ab, was ihnen ins Blickfeld rutscht. Fokussieren Sie sich nicht darauf, die Aufmerksamkeit des Personalers zu erregen. Die springt bei echten Leistungsdaten immer an. Tragen Sie im Anschreiben sachgerecht vor, was Sie über Ihre Jobeignung zu sagen haben. Verknüpfen Sie im Lebenslauf fachgerecht Ihre Leistungsdaten. Sprechen Sie im Videoclip Ihren Job-Claim aus. Der ist immer sehr kurz, darum haben Sie noch ein paar Sekunden, um den Personaler freundlich zur Kontaktaufnahme aufzufordern.
Ein Rekrutierer unter Zeitdruck wird immer zuerst den Lebenslauf oder das Anschreiben überfliegen. Doch der Appetit auf Bewerber kommt beim Essen. Wie jeder im Rekrutierungsgeschäft weiß, befriedigen die meisten Bewerber mit ihrer schriftlichen Darbietung kaum den Informationshunger des Jobanbieters. Ein Miniclip ist da ein guter Appetizer. Wer erst einmal anbeißt, den füttern Sie immer weiter.
Wo wird das Video bereitgestellt?
Sie schicken eine Mail plus Lebenslauf als Doc oder PDF plus ein zweites PDF mit Nachweisen … eine Datei geht da immer noch! Ein komprimierter Videoschnipsel im Webmovie-Format passt allemal in Ihre Mail. Genau so gut ist der Link auf eine Homepage, auf YouTube oder zu sonst einem Web-Dienstleister. Ebenso aussagefähig wie ein dezidiertes Bewerbervideo ist die Video-Aufnahme eines Vortrags, einer Podiumsdiskussion … einer Präsentation, die sowieso schon im Web steht.
Wo kann man ein professionelles Video-Clip drehen lassen? Gibt es Dienstleister?
Noch legt man an Bewerbervideos nicht den Qualitätsstandard einer Hollywood-Produktion an. Nutzen Sie die Gunst der frühen Stunde und drehen Sie eine Low-Budget-Version mit eigenen Mitteln. Wie man es macht, worauf man achtet, erfahren Sie in einem weiteren Tipp!
Haben Sie schon einen B-Movie produziert? Mailen Sie ihn zur Sichtung oder versorgen Sie mich mit dem Link! Oder haben Sie schon erste Erfahrung mit Video-Bewerber-Services gesammelt? Ich freue mich über Ihren Kommentar.
04.2008 - Gerhard Winkler; Text bearbeitet: Berlin, 21.02.2009.
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