Es war einmal ein junger Vorstand. Seine Titel, seine Funktionen, seine beruflichen Erfolge - so vieles sprach für ihn. Zackig und steil war sein Werdegang. Eine einzige Erfolgsgeschichte. Und doch war der junge CEO mit sich unzufrieden. Eines Tages schrieb er im Büro einen einfachen Lebenslauf. Nur so. Für den Fall, dass sich einmal unverhofft eine Opportunität auftat. Am Ende war er aber mit diesem Lebenslauf nicht zufrieden. Viel zu glanzlos! Deshalb sagte er zu seinem Assistenten: "Ich schaue mal kurz beim Analysten vorbei." Doch er machte er sich auf den Weg ins neue Kompetenz-Zentrum am Stadtrand. Ein zertifizierter Karriere-Zauberer würde dort seinen Lebenslauf aufpeppen und polieren. Das Kompetenzzentrum strahlte hell. Nun gut, da brannte nur ein trübes Licht. Aber der CEO strahlte.
Im Kompetenzzentrum evaluierte der Bewerber-Wizard den jungen CEO. Das heißt, er riss die beiden Datenblätter sofort an sich und rief: „Was, nur zwei Seiten? Viel hilft viel!“ Er tippte mit seinem magischen Stab an die Seiten. Und auf einmal war alles, was sich nur auflisten ließ, zu einer magischen Bullet-Liste verwande
Vorstandsvorsitzender, Surabaya AG, Wiesbaden
„Zünftig“, rief der CEO. „Massig Bullets. Jeder Punkt eine Zeile. Und schon ist die Seitenzahl verdoppelt. So präsentieren die Meister!“
Aber ein feines Stimmchen wisperte ihm ins Ohr: „Mein lieber CEO. Bullet-Listen sollen das Auge lenken und die Informationsaufnahme steuern? Das ist doch bloß ein Aberglaube. Selbst das Auge eines Business-Samurai will nicht andauernd über Kanonenkugeln stolpern. Billets sind auch nicht State of tue Art. Sie sind bloß Design-Müll. Diese Kugeln feuern Leute ab, die PowerPoint für einen Kreativitätsverstärker halten. Hängt denn dein Informationsdesign davon ab, was deine MS-Anwendung kann?
Und warum solltest du Firmeninfos oder deine Zuständigkeiten, Aufgaben und Erfolge überhaupt in Listenform aufzählen? Damit das Auge des Personaleres unstet von Posten zu Posten hüpft? Ja, im Großen und Ganzen, da lädt ein properes Datenblatt schon zum schnellen Auswerten ein. Aber von deinen Kerninformationen, da möchtest du doch, dass ein Nutzer sie alle mit Fleiß prüft. Ich rate dir: Schreibe deine Stichworte unter einem Eintrag fortlaufend. Die Listenform degradiert dich. Und lass jede Info weg, die nichts mit deinem Job zu tun hat. Über Firmen erkundigt man sich heute ganz einfach im Web. In deiner ersten Fassung hattest du doch alle Daten schon ganz prima arrangiert.
Vorstandsvorsitzender, Surabaya AG, Wiesbaden
Personalverantwortung 36 Mitarbeiter; Aufbau und Organisation der Gesellschaft; Leitung kaufmännische Dienste, Sales, Marketing, Business Development Südeuropa; Leitung Consulting und Development weltweit
strategische Kooperationen mit Marktführern: Bank Herzl AG, TDD AG, Sea Shore Zurich, GWB AG; Verhandlung der 51%-Beteiligung Surabaya Schweiz AG an Cruise Burgers AG
Innovation Manager Award 2002 für B2B-Plattformen“
„Ach was“, antwortete der Vorstand. "Bullets müssen sein."
In der Zwischenzeit hatte sich der Bewerbungszauberer die schütteren Haare gerauft und unter einigem tzz, tzz die beiden vom CEO erzielten Ausbildungsabschlüsse in den Einträgen ganz noch oben gesetzt:
Abschluss: Diplom-Kaufmann
Studium der Wirtschaftswissenschaften, Universität Mannheim
Schwerpunkte: Organisation, strategische Planung, Produktionswirtschaft, Finanzwirtschaft
Diplomarbeit: Investitionsentscheidungen und ihre Folgen
Praktika
01.1997 - 04.1997
Porsche Deutschland GmbH, Sindelfingen
Bereich: Zentrales Rechnungswesen, Aufbau eines Controlling-Tools
Abschluss: Abitur
Dr.-Hohl-Gymnasium, Ravensburg
„Stark“, rief der noch junge Vorstand.
„Affig“, tönte das kritische Stimmchen in seinem Ohr. „Unter AUSBILDUNG den Abschluss an die Pole Position setzen. Sind wir hier beim lustigen Bewerberquartett? Uni Mannheim sticht Freiburger WH? Worauf es doch ankommt: die Fächer, die Lernorte, die Meister, die Schwerpunkte, die Lernleistungen. Die Exkursionen hinaus in die Welt. Die häufigen Ausflüge in die Praxis. Wie man stets mehr gelernt hat, als das, was man sollte. Und mehr getan hat als das, wofür einem Zeit blieb. Der Abschluss steht am Ende, weil er diese wunderbare Phasen des Lernens abschließt.“
„Abschluss: Abitur!“, jubelte jedoch der CEO. "Die Trümpfe zählen!"
Der Zauberer aus dem Kompetenzzentrum hatte unterdessen noch eigenständig und selbstverantwortlich den Lebenslauf seines Klienten ergänzt:
Deutsch: Muttersprache
Denn das hatte noch gefehlt in diesem ganz auf Deutsch verfassten Lebenslauf des deutschen Bewerbers, der aus einer deutschen Stadt die Geschicke seines deutschen Unternehmens lenkte.
„So muss es sein“, rief der noch junge Vorstand. „Deutsch: Mit Doppelpunkt und Schmackes.“
„Dank meiner Consultant-Kunst ist Ihr Lebenslauf endlich fert...", rief mit schneidender Stimme der Wizard.“Stopp! Ich muss bemerken, Sie haben ja gar nicht private Interessen aufgeschrieben! Das wollen wir aber flugs ändern!“ Und ehe es sich der CEO versah, war aus ihm ein vollwertiger Bewerber geworden:
HOBBIES
Sport (Jogging, Schwimmen), Reisen, Kochen, Lesen
Der CEO dankte von Herzen und beschenkte den Wizard reichlich mit Geld, Give-Aways und verschiedenen Promotionsartikeln vom Vorjahr. Wie er aber das Kompetenzzentrum verließ und in seinen Audi stieg, da hörte er noch einmal diese lästige innere Stimme:
„Glaub’s mir. Hobbys schreibt man immer noch mit y. Hobbys, das sieht man Fünfzehnjährigen nach. Die lernen in der Schule von Leuten, deren einziges Hobby darin besteht, an fünf Tagen in der Woche immer dieselben Klamotten zu tragen. Und diese Hobby-Hosenträger verkünden dem jungen Lernvolk, dass erst die Hobbys und privaten Interessen den modernen Menschen rundum komplettieren. Wenn es nach den Lehrern geht, dann muss der Homo Postindustrialis so ticken wie der Mann von Tante Ina, der von 9 bis 5 bei Bosch schafft und danach gern kocht und liest. Hobbys und private Interessen: Wenn Leute sich darüber definieren, dann würden Jobanbieter sie eher nicht einstellen. Was hast du von einem Mitarbeiter, der nichts lieber tut, als zu lesen?
Die Idee, dass Hobbys einen Berufstätigen in seiner Bewerbungssituation transparenter, vollständiger, menschlicher oder sympathischer machen, die setzt schon mal voraus, dass einem Jobanbieter an solchen Infos überhaupt gelegen ist. Fremde im Zug, Freunde am Tisch und Sozialarbeiter auf 2/3 Stelle, die haben unendlich Zeit, um dich zu verstehen. Denen kannst du was vom Pferd erzählen, das du gern reitest.
Professionelle Personaler werden nur dann persönlich, wenn Sie merken, dass du damit leicht zu knacken bist. Die wollen aber nicht wissen, ob du tauchst. Die wollen erfahren, dass du was taugst. Ob du deinen Job gut machst. Ob du’s bringst und den Laden voranbringst. Und ob man sich einen wie dich leisten kann und überhaupt leisten möchte. Mann, du bist doch CEO. Du hast selbst schon Leute ausgewählt und eingestellt. Dieser Wizard-Lebenslauf ist nur fauler Zauber. Schau, was da noch steht:
REFERENZEN
auf Anfrage
Deine eigene Devise lautet doch: Wenn etwas für dich spricht, dann sprich es auch aus."
„Ich verstehe", sprach da der CEO zu sich selbst. "Wer Referenzen hat, der soll sie auch benennen. Gerade eben noch, im Kompetenzzentrum, da kam mir das alles so schlüssig vor. Was soll ich nur machen?“
„Gib diesem Bullet-Lebenslauf die Kugel“, sagte seine innere Stimme.
Beispiel eines tabellarischen Lebenslauf sehen Sie hier:
Es liegt mir fern, Lesern meiner Site Märchen zu erzählen. Den Top-Manager gibt es wirklich. Und er hat sich tatsächlich seinen gut gemachten und funktionalen Lebenslauf von einem Berater verschlimmbessern lassen.
Ziehen Sie als Bewerber daraus die Lehren:
Ein tabellarischer Lebenslauf ist nichts anderes als angewandtes Informationsdesign. Prüfen Sie Wort für Wort nach, welchen realen Wert eine Information für den Empfänger hat. Bewerber-Infos sind keine Selbstaussagen. Es sind Selbst-Präsentationen in Hinblick auf einen bestimmten Job in einer bestimmten Umgebung zu definierten Konditionen.
Nachtrag: In einer leicht veränderten Fassung stand mein märchenhafter Text für kurze Zeit auch auf einem Web-Portal. Leser-Reaktionen:
Autor: RicCas
Datum: 05.08.2003 14:01
•••-Team,
habt ihr es so nötig, die Kunden (den Leser) an den Bildschirm zu fesseln? Soll man sich den Schwachsinn runterladen? Lasst Euch mal was Seriöses einfallen, was marktorientiertes, gebt richtige Tipps und schickt den Verfasser des Textes in die Wüste oder zu "Grimms Märchen".
Danke
So ein Scheiss
Autor: 5710
Datum: 05.08.2003 13:58
Guten Tag!
Das ist ja nun wirklich lächerlich so ein wichtiges und wirklich kompliziertes Thema in so ein blödsinniges Geschichtlein einzubetten. Es sind zwar ganz tief drinnnen wichtige Punkte genannt. Die muss aber erstmal jemand verstehen. Lebenslaufinfos sind für junge Leute nicht mehr unbedingt für älter!
So ein Scheiss! Nimmt es an und macht es besser!
Autor: börekina
Datum: 05.08.2003 13:39
das ist mit abstand das blödsinnigste, was ich zum thema lebenslauf jemals gelesen habe.
Rechtschreibung
Autor: man-in-ffm
Datum: 05.08.2003 12:19
Nicht nur, dass der Artikel nutzlos ist, er ist übersät mit Fehlern.
Eine Bewerbung mit einer Anhäufung von Fehlern dieses Ausmaßes würde bei mir sofort abgewiesen. Besser, der Artikel wird gelöscht!
Autor: numerus13
Datum: 05.08.2003 12:11
Wem soll diese Glosse helfen?
Im Web stehen tausende Seiten zu dem Thema, aber das hier ist wohl bisher das nutzloseste, was ich dazu gelesen habe!
- here comes my ... Bullet. (F.Z.)
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2003; zuletzt aktualisiert: Berlin, 02.3.2009
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