
Typischer Fall von falscher Vermarktung
Eine Präsentation unterbreitet man oder man führt sie vor. Sie präsentieren nicht ins Blaue; Sie haben Leser oder ein Publikum, das Ihnen in jedem Fall ein paar Sekunden (im Fall der schriftliche Bewerbung) oder ein paar Minuten (beim Live-Vortrag) folgen wird.
Bewerber-Homepages verlangen vom Jobanbieter, dessen Aufmerksamkeit Sie ja zunächst mit Ihrer Mail-, Online- oder Papierbewerbung gewinnen und festhalten wollen, dass er Ihre Präsentation verlässt und sich dorthin begibt, wo die Homepage auf ihn wartet. Allein der Umstand, dass Sie eine Homepage gebastelt haben, ist aber kein ausreichender Grund, dass andere Leute sie auch anschauen. Dort ist entweder wesentliche Erkenntnisse zu holen, oder der Personaler springt ab. Und wenn er das tut, ist nicht gesagt, dass er zu Ihrer Bewerbung zurückkehrt.
Die eigene Seite als Vermarktungsinstrument funktioniert also nur, wenn Sie etwas bieten, was Anschreiben und Lebenslauf nicht leisten. Klar ist: Immer dann, wenn Sie Ihre Dienste auch freiberuflich anbieten könnten oder es sogar schon tun, lohnt sich eine eigene berufliche Selbstdarstellung auf einer eigenen Seite. Klar ist aber auch: Kein Jobsuchender recherchiert nach Bewerber-Homepages, wenn er Talente sucht. Die findet er dort, wo sich die Begabten und Rührigen tummeln: Auf Jobbörsen (vor allen auf denjenigen, die sich auf Berufsgruppen spezialisieren und sich an ein Fachpublikum wenden), auf XING und auf anderen Online-Plattformen.
Falls Sie eine Homepage zur beruflichen Selbstvermarktung erstellen wollen, beachten Sie bitte:
- Von allein wird Ihre Homepage weder gesucht noch gefunden. Es reicht also nie aus, eine Seite einfach nur online zu stellen.
- Sie haben mögliche Interessenten immer auf Ihre Webadresse hinzuweisen. Falls Sie das in einer Bewerbung tun, dann geben Sie doch auch gleich an, was man dort findet. Hier lohnt sich eine separate Seite, die Sie nach dem Lebenslauf einschieben. Falls Ihre Homepage den Abstecher wert ist, dann weisen Sie darauf sinnvollerweise erst am Ende des Anschreibens, also am Schluss Ihrer Argumentationskette darauf hin!
- Einen Lebenslauf und ein Anschreiben 1:1 auf eine Homepage zu transferieren ist witzlos, banal, kontraproduktiv und im höchsten Grad peinlich. (Falls Sie das nicht glauben, recherchieren Sie ein wenig im Web und fischen Sie nach dem biographischen Treibgut der letzten Jahre.) Ihre Bewerberdaten sind nun mal kein öffentliches Gut. Sie veralten zudem innerhalb von Wochen. Warum sollte man sie schließlich noch einmal lesen, wenn man Ihre Bewerbung ja bereits auf dem Tisch liegen hat? Die Welt, so wie sie sich im Web tummelt, hat null Interesse für Ihre inaktuelle, nicht zielgerichtete, schlecht getextete und mit dem Webbaukasten zusammengestückelte Bewerbungsstümperei. Falls sie gestern oder letzten Sommer oder 2001 eine Homepage online gestellt und dann vergessen haben: Schalten Sie diesen Web-Wust ab.
- Auf einer Homepage können Sie aber wunderbar Fotos, Videoclips, Dokumente, Arbeitsproben und alles mögliche unterbringen, was Ihr Talent, Ihre Erfolge und Ihr berufliches Wissen und Können illustriert oder belegt. Sie können Projekte dokumentieren, Auftraggeber zitieren und eine kurze Zusammenfassung Ihres Werdegangs einstellen.
- Unterschiedliche Zielgruppen verlangen eigene Web Sites: Jobanbieter, Kunden, Auftraggeber wollen anders angesprochen und informiert werden als Familienmitglieder, Freunde, gleichgesinnte Hobbyisten. Sie können nicht disparate Nutzerkreise mit einer einzigen Homepage befriedigen!
- Legen Sie als Beweis für Ihre Web-Affinität und Ihres Design- bzw. Programmierkönnens keine Bewerber-Seite vor. Denken Sie stattdessen darüber nach, weshalb es keinen Kunden gibt, der für Ihre Webentwicklung zahlen will. Die Auftragslage ist schlecht? Dann gestalten Sie den Webauftritt Ihrer Hautärztin oder weben Sie Seiten für den Verein, in dem Sie sich engagieren oder aber die Seite für den Klienten, der mehr über Sie erfahren möchte, als Sie es in Lebenslauf und Anschreiben vermitteln können.
Eine eigene Web Site kann das denkbar beste Medium sein, in dem Sie sich erproben, Ihr Spezialgebiet bearbeiten und darstellen, Ihre Leistungen öffentlich machen und wo Sie Leser, Nutzer, mögliche Förderer und Helfer finden. Geben Sie der Welt das, was Sie zu geben haben! Es ist nie zu spät, im Web und mittels der Möglichkeiten des Web mehr aus sich zu machen! Legen Sie los und wenn Ihr Webauftritt online ist, mailen Sie Ihre Webadresse auch an gwinkler@jova-nova.com!
Berlin, 19. Juni 2009
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback!
Zurück zur Übersicht »