Große Organisationen, großer Andrang. Auch beim größten Vertrauen in die Fähigkeit des Personalwesens, geeignete Kandidaten auszufiltern, bleibt Ihnen doch ein mulmiges Gefühl. Bewerbungsprozesse sind heute eben schrecklich unpersönliche Prozeduren. Beim Bewerben wären Sie wie jeder am liebsten Privatkandidat. Sie überlegen sich: Darf man Online-Formulare auf Jobseiten von Firmen einfach ignorieren?
Webformulare nutzen Sie schon deshalb, weil sie da sind, weil sie funktionieren und weil sie mittlerweile tatsächlich mehr als nur Stammdaten abfragen. Auch kleinere Firmen setzen Webfenster auf Datenbanken auf, um Bewerbungen und Kandidaten zu verwalten. Aus Bewerbersicht nicht wegzureden ist der gravierende Nachteil, dass man Dunkelmänner anspricht, weil der Entscheider über eine Stellenbesetzung, also ein Geschäftsführer, Abteilungs- oder Teamleiter, hübsch im Verborgenen bleibt und dass man seine Präsentation noch weniger anpassen, gestalten und steuern kann als bisher. Das Formular ist ein Korsett. Nicht jeder passt rein. Nicht alle macht es schön.
Bewerbung braucht nun mal einen Adressaten. Landen Online-Bewerbungen nicht allesamt in einem virtuellen Papierkorb?
Sicher werden Sie jede Chance zu nutzen, den richtigen Ansprechpartner zu identifizieren. Haben Sie mit ihm gesprochen, dann kommen Sie meist um eine Formularbewerbung herum. Um Kontaktpersonen zu finden, greifen Sie auf alle Adressen zurück, die Sie bereits während Ihrer Ausbildung, Ihres Studiums, Ihrer bisherigen Tätigkeiten, Ihres Engagements gesammelt haben. Telefonieren oder Mailen Sie sich durch Ihr Verzeichnis. Setzen Sie Anfragen in Online-Gemeinschaften ab. Je praller Ihr Adressbuch, desto einfacher Ihre Jobfindung und ihre Karriere. Je spezieller Ihr Anliegen, je wertvoller und wichtiger Sie als Fach- und Führungspersönlichkeit erscheinen, desto eher werden Sie einen Karriere-Weg außerhalb der Online-Formulare suchen. Der Leistungselite erspart man zwar weder Fragen noch Fragebögen, doch man mutet ihr auch keine Formulare zu, die alle immer noch das Flair von Einwohnertalentemeldeamt haben. Sollte Ihre berufliche Vita erklärungs- und vermittlungsbedürftig sein, desto weniger werden Sie Online-Bewerbungswege gehen. Da räumen Sie allein im direkten Kontakt die Einstellungshindernisse aus dem Weg. Das Online-Formular ist kein Medium, um für Verständnis zu werben!
Von der Standardisierung der Bewerbungsprozesse profitieren ja doch eher Leute, die nur unter Schmerzen einen vollständigen Satz zustande bringen. Was ist eigentlich der Benefit für Unternehmen?
Online-Formulare tragen zur Qualität von Bewerbungen bei, weil sie Gewichtungen vorgeben. Hier interessiert: Was hat die Person gemacht? Welche Abschlüsse und Noten hat sie erreicht? Passt sie ins Altersschema? Besitzt sie die Schlüsselqualifikationen? Da werden vor allem Lern- und Leistungsdaten abgefragt.
Es stimmt, gerade der unerfahrene Bewerber wird auf Jobseiten in einem positiven Sinn angeleitet und geführt. Erstbewerbern fällt es oft schrecklich schwer, die wesentlichen Fakten für ihre Selbstvermarktung zu finden und zu vermitteln. Die Möglichkeit, die eigene Person in Szene zu setzen, sich sprachlich überzeugend zu präsentieren, entfällt dabei allerdings. Ein Anschreiben kann man mit hoch laden – doch wird es auch ausgewertet? Ich rate, alle Eingabefelder immer komplett und mit der maximalen Textmenge auszufüllen. Bewerben heißt, Information zu bündeln, zu arrangieren und zu verdichten. Online-Bewerben meint zusätzlich: Formulare systematisch mit Such- und Schlagwörtern spicken.
Das Anschreiben war bisher die beste Möglichkeit, seinen Claim zu formulieren. Geht da jetzt nicht ein bisschen Bewerbungskultur flöten?
Im Anschreiben gibt sich der Jobsuchende als der seriöse Anchor Man, als der Verkünder seiner guten Bewerber-News. Das enge Raster der Online-Formulare siebt die Persönlichkeit weitgehend aus. Wer da mit Herzblut formuliert, schickt seine Worte in ein dunkles Datenverließ. Appellative Texte bieten keinen Angriffspunkt für Suchabfragen. Setzen Sie in allen Eingabefeldern also auf die nackte Information. Sofern ein Anschreiben mit hoch geladen wird, sollte es gleichfalls so dicht wie möglich mit Leistungsdaten gespickt sein. Das traditionelle Bewerbungsschreiben wirkt in einer Online-Bewerbung so flott wie ein Pferdefuhrwerk auf einer Autobahn.
Ein Gutes hat es doch, wenn man sich auf die Online-Bewerbung einlässt. Man kann die dicke Mappe sparen! Oder schickt man die Nachweise hinterher?
Immer dann, wenn eine Hochlade-Funktion angeboten wird: Ausnutzen und Zeugnisse versenden! Zeugnisse sind jedoch nicht Teil des Leistungsangebots, sie belegen nur Ihren Jobclaim. Deshalb werden Sie alles Relevante aus den Zeugnissen extrahieren und damit die passenden Eingabefelder füllen. Grundsätzlich packen Sie Ihre Nachweise in ein einziges PDF. Das wird immer auch komprimiert, so dass die Anlagen das vom Formularbetreiber angegebene Maß nicht überschreiten.
Laden Sie immer auch Ihr Porträt mit hoch. Bewerben ohne Foto ist wie Oper bei geschlossenem Vorhang. Man möchte einfach sehen, wer da so schön singt. Montieren Sie ihr Bewerberporträt in den Lebenslauf und verschicken Sie den zusammen mit den Nachweisen und – falls sinnvoll – Ihrem Anschreiben.
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Dezember 2008 – Text zuletzt überarbeitet: Berlin, 27.02.2009.
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