„Ich möchte mich auf meine Traumstelle bewerben. Mein derzeitiger Arbeitgeber darf aber nichts erfahren. Da ich schon seit über sieben Jahren am selben Arbeitsplatz bin, fehlt mir ein Zeugnis für diese Zeit. Wie soll ich die Lücke kommunizieren?“
Es ist schon etwas traurig, wenn Sie Ihre derzeitige Stelle als eine vermarktungstechnische Lücke empfinden. Stehen Sie nicht auf dem Zenit Ihrer beruflichen Laufbahn? Blicken Sie nicht geradezu wohlgefällig auf sieben erfüllte Jahre zurück, in denen Sie Ihrer gehaltsüberweisenden Organisation stets treu, loyal und beständig guten Dienst erwiesen haben? Haben Sie in dieser Zeit nicht ein wahres Kapital aus einschlägiger Praxis, beflissener Weiterbildung, Extra-Leistungen und gloriosen Erfolgen angesammelt? Soll das alles jetzt keinen Krisen-Cent mehr wert sein, nur weil Sie bang vor dem Personalbüro stehen und sich nicht hinein trauen?
Fürchten Sie sich nicht. Sie können dort problemlos anklopfen und nach einem Zwischenzeugnis fragen. Sie kommen von da auch wieder lebendig, sogar ohne großen Verdacht zu erregen, heraus.
Zu einem besonderen Zeitpunkt ein Zwischenzeugnis zu erbitten, ist ja im Jobleben gang und gäbe. Im Verlauf von sieben Jahren erlebten Sie gewiss schon einen Vorgesetztenwechsel, eine Beförderung, Abordnung oder Versetzung oder es gab sonst einen äußeren Anlass, der es Ihnen nahelegte, sich die bisherigen Leistungen bescheinigen zu lassen. Na, und jetzt kommen Sie eben darauf. Um ein Zwischenzeugnis können Sie schon deshalb nachfragen, weil Sie das Gefühl haben, der Zwischenstand Ihrer Mitarbeit sollte auf Papier gesichert werden. Vielleicht alarmiert diese Aktion Ihren Arbeitgeber sogar in positivem Sinne: Oha, die Mitarbeiterin wacht auf! Wir können nicht mehr so tun, als würden wir Leistung ignorieren! Wir sollten uns überlegen, wie wir sie noch stärker an uns binden.
Wenn nichts an Ihrem Verhalten Anlass gibt, an Ihrem Einsatz zu zweifeln, wird ein Arbeitgeber auch kaum nachbohren, ob Sie sich insgeheim auf den Absprung vorbereiten. Mit Verlaub: Jeder ist ersetzbar. Und wer mit neuem Jobziel aufbrechen will, den wird man ohne Ranküne ziehen lassen. Darum Mut zum Zwischenzeugnis! Ob das zum aktuellen Zeitpunkt wirklich notwendig ist, das entscheiden immer Sie selbst und nicht der Betrieb.
Sie brauchen aber noch nicht einmal den zuständigen Personaler oder Ihren Vorgesetzten anzusprechen. Um den Erfolg Ihrer Jobfindung aus einer aktuellen, ungekündigten Position heraus zu sichern, benötigen Sie nicht wirklich einen Nachweis Ihres Noch-Arbeitgebers.
Es gibt heute ohne Zweifel einiges, um das man sich als Berufstätiger einige Sorgen macht. Sie brauchen sich aber nicht zu sorgen, ob die Freibeuterwerke Ihnen abnehmen, dass Sie derzeit bei der Piraten AG angestellt sind. Schließlich ist Ihre ganze Bewerbungsaktion eine konzertierte und vertrauensbildende Maßnahme. Alles ergänzt sich im Zusammenspiel Ihrer wohl ausgewählten und weitgehend durch Belege abgesicherten Argumente.
Nicht der Zeugnisaussteller, Sie selbst tragen Ihre Leistungsdaten zusammen. Der erste Ort dafür ist ihr Lebenslauf und aus diesem Datenblatt leiten Sie dann in einem genialen zweiten Schritt Ihr grundehrliches, weil auf Fakten beruhendes Anschreiben ab. Natürlich greifen Sie für Ihre Leistungsschau auch auf Ihre gesammelten Bescheinigungen zurück. Sie saugen sich Ihre Angaben ja nicht aus dem Finger!
Alle diese Nachweise, Zeugnisse, Zertifikate und sonstigen Papiere bilden zunächst Ihr Rohmaterial. Nachdem Sie daraus Ihre Bewerbung komponiert haben, bündeln Sie die wirklich notwendigen Belege. dazu zählen vor allem die letzten Jobs, die qualifizierenden Abschlüsse sowie Zertifikate und Bildungsnachweise. Sie machen daraus den Anhang für Ihre Doppelpräsentation aus Anschreiben und CV. Diese Zugabe belegt, dass Sie bei der Zusammenstellung Ihrer Bewerbung sauber gearbeitet haben.
Jeder Jobanbieter wird sehr nachdenklich, wenn alle Nachweise fehlen. Doch nicht jeder führt sich die vielen Belege auch zu Gemüte – vor allem dann nicht, wenn Lebenslauf und Anschreiben bereits eine fundierte Leistungsbilanz darstellen.
Wer das von Ihnen getreulich Zusammengestellte auf seinen Wahrheitsgehalt hin prüfen will, der kann und soll durch Ihr Anlagen-PDF scrollen. Es reduziert nicht Ihre Seriosität, wenn dort der aktuelle Job nicht vom Arbeitgeber bezeugt ist. Eine mit konkreten Angaben gespickte Bewerbung, deren Faktizität weitestgehend abgesichert ist, wird auch Ihren aktuellen Jobeintrag glaubhaft machen. Vor allem, da Sie in Lebenslauf und Anschreiben Ihrer gegenwärtigen Jobfunktion mit allen ihren Pflichten und Aufgaben den gebührenden Platz einräumen. Zur Ihrer Job Credibility tragen natürlich Referenzen ungemein bei. Notieren Sie deshalb bis zu drei Namen (mit Position, Arbeitgeber und Durchwahl), die auf Anfrage Ihre bemerkenswerten Qualitäten und Ihre vielen schönen Leistungen bezeugen!
Kurzum, solange Sie insgesamt glaubwürdig auftreten, nimmt man Ihnen auch Ihren aktuellen Jobeintrag ab – zumindest soweit, dass man Sie einlädt, um dann im Interview die Fakten zu checken. Nichts ist leichter, als im Gespräch zu klären, dass Sie derzeit leibhaftig das Controlling der Piraten AG leiten. Verbannen Sie aus Ihrem Kopf die Idee, dass ein frisches Arbeitszeugnis wertvolle Infos in den Gesprächs- und Verhandlungsprozess einbringt, die der Jobanbieter sonst nicht erfährt. Sie brauchen eine flotte Bewerbung, eine vollständige Leistungsübersicht und ein frisches Auftreten. Sorgen Sie sich nicht darum, ob ein Jobanbieter Ihnen glauben wird. Man glaubt, wem man vertraut. Glauben Sie an sich selbst und begründen Sie, warum. Dann wird man Ihnen leichter vertrauen.
__
Neuenhagen bei Berlin, Juli 2011
Ich schreibe für den verständigen Leser. Halten Sie bitte auch mich auf dem Laufenden: über den Jobmarkt, über Ihre Bewerbungswege, Erfahrungen, Abenteuer und Erfolge. Was vermissen Sie auf jova.nova.com? Was sehen Sie anders? Ich freue mich über Ihr Feedback! Text-Piraten: Der Content auf meinen Seiten ist keine Public Domain.
Zurück zur Übersicht »