„Wie kann ich herausbekommen, warum ich auf eine Bewerbung eine Absage bekommen habe? In der E-Mail steht leider nur: "Wir haben eine Entscheidung getroffen, die leider nicht auf Sie gefallen ist, so dass wir Ihnen absagen müssen." Ich würde mich freuen, wenn Sie hierzu eine gute Idee haben, wie man vielleicht herausbekommt, ob es zum Beispiel fachliche Dinge gibt, die für meinen Einsatz in der Stelle fehlen, oder ob es wohl eher persönlichkeitsbezogene Gründe sind. Wie kann ich ohne dem Personaler auf die Füße zu treten, nachfassen?“ (F.K.)
Sie verlangen in vielerlei Hinsicht etwas Unmögliches, wenn Sie von einem Jobanbieter erwarten, dass er Ihnen gegenüber seinen Entscheidungsprozess versprachlicht und seine Kandidatenfindung rationalisiert. Jemanden in Kenntnis zu setzen heißt unter anderem auch, selbst aus der Deckung zu gehen. Das AGG – Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz macht es einem Arbeitgeber praktisch unmöglich, sich zu exponieren und seine Kriterien offen zu legen. Sobald ein Jobanbieter seine Rekrutierungspraxis im konkreten Fall beschreibt, macht er sich juristisch angreifbar. Er mag Sie sowieso nicht (mehr) sehen - schon gar nicht vor Gericht.
Bewerbungen floppen sofort zurück oder sie werden nach dem Versand von einem schwarzen Loch verschluckt oder es flattert nach einigen Wochen in Ihr Postfach eine Absage aus dem Lehrbuch der unangreifbaren sprachlichen Wendungen, aus der selbst ein mit dem AGG gesalbter Praktiker der Gleichbehandlung nichts herauslesen kann: Stellen Sie in allen diesen Fällen Ihre Bewerbung auf den Prüfstand.
Im Lebenslauf prüfen Sie die Vollständigkeit und Signifikanz der Leistungsdaten, die angemessene Bestückung aller Datenbereiche und die Übertragbarkeit des Profils auf die Zielposition. Im Anschreiben den Aufbau sowie die Geschlossenheit und Zielgerichtetheit ihrer Argumentation. Ist Ihr Leistungsprofil in sich kohärent, stimmig und passend? Begraben Sie Ihre Leistungsbilanz unter Info-Müll? Haben Sie das Bewerberfoto zu einem echten Sympathieträger gemacht? Was ist mit Ihrer Gesamtpräsentation, Ihrer Vermarktungsrichtung, Ihrem Kontaktverhalten und Ihrer Ansprache? Haben Sie die Durchlässigkeit und den Bedarf des Jobmarkts, Ihre Zielauswahl und die weiteren Faktoren realistisch eingeschätzt? Mit wem konkurrieren Sie? Was bringen die Mitbewerber mit, was Sie sich erst noch aneignen müssten oder was Sie selbst kaum je werden vorlegen können?
Wenn Sie vor allem als Absolvent, Berufseinsteiger oder Wiedereinsteiger in der ersten oder zweiten Gesprächsrunde gescheitert sind: Rufen Sie an. Stellen Sie klar, dass Sie die Absage voll und ganz akzeptieren, nichts anzweifeln und nur in aller Kürze einen Tipp erhalten möchten, wie Sie es denn beim nächsten Mal besser machen können. Umreißen Sie Ihr Profil in drei kurzen Sätzen, so dass man sich an Sie überhaupt noch erinnert. Um welche Defizite in den Leistungsdaten, um welchen Umstand in Ihrem Gesprächsverhalten sollten Sie sich besonders kümmern, damit es bei der nächsten Bewerbung besser klappt?
Kritische Anfragen dieser Art können Sie auch per Mail starten. Nur bekommen Sie dann keine oder nur eine bedauernde Antwort. Damit ein professioneller Rekrutierer sich auch nur andeutungsweise äußert, muss er Ihnen voll vertrauen. Wenn er das tun würde, hätte er Sie aber höchstwahrscheinlich eingestellt.
Vielleicht wärmt die Sonne im November. Vielleicht alimentiert uns die Politik nicht auf Pump. Vielleicht finden Sie einen Personalverantwortlichen, der Ihnen abnimmt, dass Sie nicht auf der Diskriminierungstour in den Job reiten oder eine fette Vergleichszahlung ergattern wollen. Falls das Wunder geschieht, dass sich ein Arbeitgeber öffnet und falls Sie von ihm ein echtes Feedback erhalten, dann zünden Sie in der nächsten Arbeiterkathedrale eine Kerze an. Wahrscheinlich wird er Ihnen aber nur pauschale, unzulängliche, unspezifische, nicht sorgsam begründete oder gar auf völlig falschen Annahmen basierende Gründe für seine Ablehnung vortragen.
In den meisten Fällen verlangt man damit von sich selbst Unmögliches. Darum eignet sich die telefonische Rückfrage auch so gut zur Charakterfestigung. Halten Sie sich stets vor Augen: Wenn ein Bewerbungsverfahren ein Match ist, dann sind Sie vielleicht gar nicht erst ins Spiel gekommen. Auch wenn Sie gut gestartet sind, und sogar ziemlich gepunktet haben: am Ende haben Sie nicht gewonnen. Das Spiel ist in jedem Fall gespielt. Akzeptieren Sie es.
Versuchen Sie nicht, das Match im Nachhinein wieder umzudrehen. So gut wie alles, was Sie bei einer Spielbesprechung erfahren, konnten Sie sich auch selber denken. Bleiben Sie dazu in einem Jobinterview stets geistig präsent und konzentriert. Zeichnen Sie den Gesprächsverlauf innerlich auf. Rufen Sie sich das Gespräch in den ersten 30 Minuten danach ab. (Dazu bleiben Sie im Auto sitzen oder Sie suchen ein Café auf oder Sie drehen noch zu Fuß eine Runde.) Notieren Sie möglichst, böse Fragen, Pannen und Aussetzer, unglückliche Geständnisse, peinliche Eingeständnisse und alle kritischen Gesprächspassagen.
Ziehen Sie eine Lehre daraus, aber schauen Sie dann nach vorn. Es ist wirklich wie beim Golfspiel. Werfen Sie den Schläger niemals entmutigt ins Wasser oder erbost nach Ihrem Flightpartner. Wenn der Ball beim Abschlag stets rollerte, dann üben Sie eben für sich den ersten Schlag. Falls Sie wie fremdgesteuert in den Sandkasten zielten, dann verbessern Sie sich im Bunkerspiel. Reflektieren Sie nicht zu lang über Ihre Schwächen. Legen Sie einen neuen Ball auf das Tee!
November 2011; Text zuletzt überarbeitet: Berlin, 28.11.2011
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