„Ich habe gestern bei einer sehr großen internationalen IT- und Strategieberatung ein AC durchlaufen. Ich habe mich gut vorbereitet, unverstellt präsentiert, am Abend zuvor ja noch Ihr Buch "Anders Antworten" gelesen.
Das Ergebnis: Ich bin unter allen Kandidaten nah an der Spitze im oberen Drittel gelandet. Jedoch gab es nur eine freie Stelle. Und die hat jemand anders bekommen. Ich war knapp dahinter. Mein Abschlussgespräch endete mit dem Hinweis, dass mit dem Fachbereich die Möglichkeit einer weiteren Vakanz geklärt wird. (…) Mit einer Dankmail möchte ich nun meinen positiven Gesamteindruck unterstützen …“
1. Haben Sie mehrere wichtige Gesprächsteilnehmer getroffen?
Eine Dankmail an alle genügt. Falls Sie nur eine einzige Person anmailen, würdigen Sie dennoch den Beitrag der anderen Interviewpartner zum Gesprächserfolg!
2. Können Sie an etwas Bemerkenswertes im Gesprächsverlauf anknüpfen?
Verstärken Sie stets das Gute und übergehen Sie das Negative. Ihre Aussetzer, Flops, alle von Ihnen im Jobinterview verursachten Peinlichkeiten und Pannen mögen in Frieden ruhen. Entschuldigen Sie sich für nichts. Schwingen Sie nicht das Arme-Sünder-Glöcklein. Sie bedanken sich für ein Gespräch und nutzen die Gelegenheit, noch einmal gut über sich, die Beteilgten und die Inhalte zu reden. Nichts anderes ist Ihr Thema.
3. Gilt es etwas Besonderes, wofür Sie zu danken haben?
Danken Sie nicht pauschal für das gute Gespräch. Was ist Ihnen am Empfang, an der Gesprächsdurchführung, an der Organisation des Ganzen, am Bewerbermanagement, am Stil des Hauses vor allem aufgefallen? Sagen Sie Dank für echte Bemühungen, guten Service, kleine und große Aufmerksamkeiten, die Ihnen das Bewerberleben erleichtert haben.
4. Möchten Sie jemanden loben?
Sollten Sie in Ihrer Dankmail kein LOB ausgesprochen haben, dann rufen Sie bitte Ihre Mutter an und lassen Sie sich das Konzept erklären. (lob – Engl. Abk. – Let Others Believe.) Dankmails werden geschrieben, um ein Geschehen und alle Beteiligten zu loben.
5. Welchen Eindruck möchten Sie verstärken?
Sie sind in das Gespräch gegangen, um Jobanbieter dazu zu bringen, dass Ihnen einen Job anzutragen. Sinn der Danksagung ist in erster Linie zu vermitteln, dass Sie weiterhin am Job interessiert sind und dass Sie die Höflichkeitsformen beherrschen.
6. Wie lautet Ihr Jobclaim?
Den Anspruch auf eine Position kann man in einem Satz formulieren. Schreiben Sie ihn noch einmal in die Mail. Damit erneuern Sie Ihren Jobclaim.
7. Was möchten Sie abmildern oder glattbügeln?
Sie können einem Eindruck entgegen treten oder eine frühere Aussage revidieren (zum Beispiel, dass Sie nicht nach Neukölln umziehen). Sagen Sie einfach, was Sache ist, ohne auf andersartige Statements am Vortag Bezug zu nehmen. Es gilt, was Sie jetzt schriftlich fixieren.
8. Was wollen Sie klarstellen?
Nehmen Sie nicht umständlich Bezug auf den Gesprächsverlauf. Schreiben Sie: „Wie gestern bereits ausgeführt … “ auch wenn Sie Tags zuvor nur herumgedruckst haben.
9. Welche Vorschläge, welches Angebot wollen Sie nachreichen?
Sollten Sie jetzt neue und wesentliche Pro-Argumente einführen, fragt man sich, warum Sie das nicht schon zuvor getan haben. Nachfassen eignet sich nicht, um einen Fall noch einmal aufzurollen. Rufen Sie doch an, wenn Ihnen noch etwas Wichtiges eingefallen ist.
10. Was liegt Ihnen noch auf dem Herzen?
Schreiben Sie‘s nicht hin. Wer dankt, fasst sich kurz. Absolut tabu sind schriftliche Listen der noch offenen Fragen oder Aufzählungen Ihrer Forderungen und Wünsche. Vergessen Sie nicht, am Ende herzlich zu grüßen und Ihre Kontaktdaten zu geben.
Juli 2007; Text zuletzt überarbeitet: Berlin, 25.02.2009.
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